André K. Gutbrod bleibt in den Räumen
Medizinisches Trio geht getrennte Wege
Kirchweyhe - Von Sigi Schritt. Für den Mediziner André K. Gutbrod (53) ist die Situation ein bisschen wie ein „orthopädischer Brexit“: Seit 17 Jahren betreibt der Facharzt für Orthopädie und Unfallchirurgie eine Gemeinschaftspraxis, die mit insgesamt drei promovierten Ärzten und 16 Angestellten 16.000 Patienten im Jahr betreut hat.
Am Ende des Monats trennen sich die Wege des 53-Jährigen und der gleichberechtigten, wirtschaftlichen Partner. Gutbrod bleibt mit fünf Angestellten in der Praxis, die Dr. med. Suham M. Abid 1981 gegründet hatte. Der Orthopäde Oliver Freitag (49), hatte 2011 den Platz von Abid übernommen und wird nun eine Einzelpraxis am Krämerweg eröffnen.
Der Orthopäde Frank Siegler (52) betreut künftig Patienten in Sulingen, kündigt Gutbrod an. Die Telefonnummer der Gemeinschaftspraxis gibt das Trio allerdings auf. Wer die „Orthopädie Weyhe“ erreichen will, wählt die Nummer 04203/79978. Die Praxiszeiten ändern sich nicht. Wie sich ab April aber die Terminvergabe entwickelt, sei schwierig vorherzusagen. „Wer einen Unfall hatte oder über massive Beschwerden klagt, wird sofort behandelt“, betont der Arzt. „Irgendwann kommt man auch an seine Leistungsgrenzen“, so Gutbrod.
Niemand muss um Job bangen
Keine Angestellte musste um ihren Job fürchten. „Gutes Personal kommt immer unter.“ Gutbrod bedauert die Trennung, die offensichtlich bereits vor einem Jahr beschlossen worden ist, aus mehreren Gründen. „Eine Gemeinschaftspraxis hat immer Vorteile. Es sind wirtschaftliche, personelle und medizinische Gründe.“
Der 53-Jährige würde gerne weitere Fachleute hinzuholen, doch die Zulassungen für Orthopäden sind begrenzt. „Aus Sicht der kassenärztlichen Vereinigung in Verden ist das Gebiet, das sich unter anderem auch auf Delmenhorst-Stadt und den Kreis Diepholz erstreckt, mit Orthopäden gut versorgt“, sagt der Weyher Arzt. Möglich sei aber, dass ein Neurologe oder Facharzt für physikalische Therapie und Rehabilitation in die Räume einzieht. Oder der Arzt überlässt einige Qudratmeter dem Sportpark (auf gleicher Ebene im Gebäude).
Engpass befürchtet
Gutbrod befürchtet allerdings einen Engpass. „Wir haben teilweise sogar mit vier Medizinern gearbeitet und hatten gut zu tun.“ Der Moderator ärztlicher Qualitätszirkel sagt, dass die Orthopädie eines der größten Fachgebiete in der Medizin darstellt. Es geht um alle Erkrankungen des Bewegungsapparats, angefangen von den Säuglingen bis zum Greis.
Dazu kommt die Traumatologie und die Überschneidungen anderer Fachgebiete wie zum Beispiel die Behandlungen neurologischer Ausfallserscheinungen oder Stoffwechselstörungen wie Gicht, Osteoporose und vieles mehr.
Das Leitmotiv, ihn oder einen seiner Kollegen aufzusuchen, sei der Wunsch eines Patienten, einen Schmerz zu beseitigen. „Die Ursachen dafür sind unterschiedlich. Die Kunst aber ist, das herauszufinden“, sagt Gutbrod.
„Wir kämpfen mit Verschleißerscheinungen, die wir nicht heilen, sondern nur lindern können.“ Die Überalterung der Gesellschaft bringt für die Orthopäden eine Masse an Arbeit, ist sich der Mediziner sicher. „Ab dem 14. Lebensjahr fängt die Degeneration an. Die steigt mit den Jahren entsprechend an.“
Aus der Sicht eines Orthopäden ist Bewegung ohnehin der Schlüssel zur Gesundheit. „Zehn bis 20 Minuten körperliche Ertüchtigung pro Tag reichen schon aus, um dem Stütz- und Bewegungsapparat etwas Gutes zu tun.“