Der Protest geht weiter

„Therapeuten am Limit“: Jens Uhlhorn will Versorgungsengpässe beheben

Nur gemeinsam ist man stark: Die Protestler um Jens Uhlhorn wollen die Branche zukunftssicher machen. Foto: Sigi Schritt
+
Nur gemeinsam ist man stark: Die Protestler um Jens Uhlhorn wollen die Branche zukunftssicher machen.

Weyhe - Von Sigi Schritt. Höhere Honorare, Schulgeldfreiheit für die Ausbildung und Bürokratieabbau - der Protest der bundesweiten Bewegung „Therapeuten am Limit“ hat aus Sicht des Weyher Physiotherapeuten Jens Uhlhorn ein Umdenken in der Politik bewirkt und erste Erfolge gebracht (wir berichteten).

Seit Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) im Dezember Reformen angestoßen hat, gebe es - wie gefordert - auch mehr Autonomie für Therapeuten. „Unter dem Strich ist es ein Riesenerfolg und ein sehr großer Schritt.“ Das komme nur alles Jahre zu spät, so Uhlhorn. „Es gilt, 25 Jahre Mehltau über der Branche zu überwinden. Wir sind noch nicht zukunftsfähig. 93 Prozent der Therapeuten rutschen immer noch in die Altersarmut, der Beruf wird trotz der Erhöhungen schlecht bezahlt, klagt Uhlhorn. Nach den ganzen Erhöhungen verdiene ein Therapeut trotzdem nur um die 2 500 Euro brutto. „In der vergleichbaren Pflege liegen die Löhne bei 3 300 Euro. Es bleibt also noch sehr viel zu tun. Wir stehen am Anfang und nicht am Ende des Prozesses.“

Der Unternehmer, der mehrere Praxen betreibt, will sich allerdings nicht darauf ausruhen. Der 50-Jährige ist begeistert über die Reaktionen, die die Bewegung ausgelöst hatte. Er arbeitet mit weiteren Unterstützern daran, die Branche der Heilmittelerbringer zukunftssicher zu machen, und hatte deshalb zu einer Strategietagung eingeladen.

„Der Protest geht weiter. Wir haben uns einige Aktionen überlegt“, kündigt Uhlhorn im Gespräch mit dieser Zeitung an. Seit dem Brandbrief des Therapeuten Heiko Schneider (42) aus Frankfurt und dessen Protestfahrt nach Berlin (wir berichteten) hat sich laut Uhlhorn „auf mehreren Ebenen, Bund, Land, Krankenkassen und Verbänden, sehr viel bewegt“. Der Protest zeige, dass ein Impuls von jedem Ort ausgehen könne, „wenn die Unterstützung stimmt und genügend Leute mitmachen“. „Ich würde jetzt nicht von einer von Weyhe ausgegangenen Revolution sprechen, aber weit weg davon war es auch nicht“, sagt Uhlhorn schmunzelnd. Das Engagement von Akteuren wie Michel Wallner (33), Ergotherapeut aus Karlsruhe, Michael Schiewack (38), Ergotherapeut aus Kamenz, sowie Gesundheitsökonom Volker Brünger (49) aus Porta Westfalica habe sich auch branchenintern ausgezahlt. Mehrere Zehntausend Therapeuten seien aktiv geworden - auf der Straße, den sozialen Medien und in ihren Praxen. „Schon dafür hat es sich gelohnt. Das war eine tolle Erfahrung, einem geschlagenen Berufsstand wieder etwas Leben einzuhauchen und diese Energie auch zurückzubekommen. Sicher eine der besten Erfahrungen meines Lebens“, so Uhlhorn.

Mehr als 1 000 seiner Berufskollegen hätten sich genauso wie Heiko Schneider den Frust von der Seele geschrieben. Diese Briefe seien die Grundlage für eine wissenschaftliche Auswertung, so Uhlhorn.

„Unser Aktionsbündnis sieht sich als Sprachrohr der Basis“, sagt Protestler Heiko Schneider. Er hatte in Frankfurt/M. seine eigene Praxis aus finanziellen Gründen aufgeben müssen und ist bei einem seiner Berufskollegen als Untermieter eingezogen. In der neuen Praxis hatten vier Mitarbeiter in drei Monaten den Beruf aufgegeben, weil die Rahmenbedingungen nicht gestimmt hatten.

Aus Sicht von Michel Wallner ist weiterhin die Versorgung der Patienten mit notwendigen Heilmitteln bedroht. „Das bekommen wir in den Praxen ganz akut mit“, sagt der Ergotherapeut aus Karlsruhe. „Menschen nach einem Schlaganfall oder einem Hirntrauma oder nach einem Unfall, die zwingend Hausbesuche benötigen, müssen teilweise Wochen und Monate auf eine fachgerechte Versorgung warten. Das ist ein Zustand, den wir versucht haben, zu kompensieren.“

Michael Schiewack aus Kamenz habe „Räume, aber keine Leute, und der Nachwuchs bleibt auch aus“.

Gesundheitsökonom Volker Brünger glaubt, dass Versorgungsprobleme wegen des Fachkräftemangels zunehmen. Wer von Anfang an wisse, dass der Beruf in der Altersarmut ende, entscheide sich für eine andere Ausbildung, pflichtet ihm Jens Uhlhorn bei.

elona ist da. Ihre lokalen Nachrichten.

Mehr zum Thema:

Diese 10 Fische halten Ihr Aquarium blitzblank sauber – ganz ohne Chemie

Diese 10 Fische halten Ihr Aquarium blitzblank sauber – ganz ohne Chemie

100 Jahre Ortsfeuerwehr Neubruchhausen: Das Jubiläum in Bildern

100 Jahre Ortsfeuerwehr Neubruchhausen: Das Jubiläum in Bildern

1. Seniorenmesse in Kirchlinteln

1. Seniorenmesse in Kirchlinteln

100 Jahre Ruderverein Hoya: Ein Jahrhundert auf dem Wasser

100 Jahre Ruderverein Hoya: Ein Jahrhundert auf dem Wasser

Kommentare