Biobauer Ulrich von Behr stellt neu aufgebaute Anlage vor / Debatte kontrovers

Wolfszaun – Zweifel an Zuverlässigkeit

Sicherheit dank Stromführung verspricht der Wolfszaun, den Biobauer Ulrich von Behr installierte.
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Sicherheit dank Stromführung verspricht der Wolfszaun, den Biobauer Ulrich von Behr installierte.

Häuslingen – Lange, sehr lange musste der Biobauer Ulrich von Behr aus Klein Häuslingen warten, bis er mit dem Zuwendungsbescheid die Genehmigung zum Bau der „wolfsabweisenden“ Umzäunung seiner Weiden in der Allermarsch erhielt und endlich mit dem Bau beginnen konnte. Unmittelbar nach Vorlage der Förderung im März 2019 hatte er den Antrag gestellt und erst ein gutes Jahr später, noch im März dieses Jahres, hatte das Warten dann ein Ende – nach etlichen Telefonaten und Briefen.

„Es war schon ziemlich nervenaufreibend und auch frustrierend, immer wieder vertröstet zu werden“, so von Behr angesäuert. Dadurch aber, dass Anfang des Jahres die Landwirtschaftskammer die Zuständigkeit der Herdenschutzaufgabe übernommen habe, sei die Kommunikation deutlich besser. Das zeigte sich durch den Besuch von Elke Steinbach, bei der LWK Oldenburg zuständig für den Bereich der Koordination im Herdenschutz; sie teilte mit, dass die LWK alle Antragssteller in der Umsetzung der Förderung und bei den Fragestellungen rund um die Präventionsmaßnahmen unterstütze.

Bezuschusst werde der Bau des Zauns für Rinderhalter aber nur, wenn der Betrieb in einer der Regionen des Landes liege, in denen der Wolf wiederholt als Verursacher von Rissen amtlich bestätigt worden sei, hieß es bei der LWK. Die aktuell in Frage kommenden Gemeinden seien in den Richtlinien aufgeführt. „Für die Errichtung des Zaunes sowie der weiteren Pflege muss aber der Viehhalter selbst sorgen, denn kostenlos geliefert wird nur das Material“, so von Behr, für diejenigen Halter, die keine Zeit oder eine Möglichkeit für den Selbstbau sehen, werde es richtig teuer.

Wie von Behr mitteilte, sei seine Mutterviehkuhherde mit 200 Kopf Kühen und einem Nachwuchs von ebenso vielen Kälbern auf einem insgesamt 35 Hektar großen Areal – zum Teil mit Deichanlagen auch in einem möglichen Überschwemmungsgebiet der Aller – von einem etwa fünf Kilometer langen Zaun umgeben. Der Zaun sei mindestens 90 Zentimeter hoch und bestehe aus fünf einzelnen speziellen Drahtseilen. Sie würden in einem unterschiedlich vertikalen Abstand gezogen und unter Strom gesetzt. Außerdem solle ein Untergrabschutz verhindern, dass sich das Rudel einen Zugang unter dem Zaun schaffe.

Nach seiner Einschätzung seien die Zäune allerdings nicht wolfssicher, denn trotz gegenteiliger Aussagen würden Wölfe doch über den Zaun springen oder sich durch die Drahtseile einen Weg suchen, so von Behr, einen 100-prozentigen Schutz könne auch der Wolfszaun eben nicht bieten. Es blieben aber auch Fragen offen, vor allem in Bezug des Überschwemmungsgebietes und der Deichkrone, die er in einem Schreiben an das Wolfsbüro zusammengefasst habe, die Antwort darauf stehe schon seit Monaten aus.

Als Gast war auch der Vizepräsident des Niedersächsischen Landvolks, Jörn Ehlers, Gast der Rundreise. Er sprach von einer sehr gelungenen Veranstaltung und freute sich, dass die Zaunbauförderung funktioniere, seitdem es die Landwirtschaftskammer mache.

Er unterstrich die Kritik an der Handhabung des Wolfsthemas vollkommen: „Material wird bezahlt, die Arbeit musst du selber machen, inklusive Pflege in den nächsten Jahren, und einen kompletten Schutz gibt es trotzdem nicht.“ Er könne sich auch keine Landschaft vorstellen, die total mit solchen Zäunen zugestellt sei.

In der hiesigen Region falle das noch nicht so auf, aber je weiter man in die weitläufigen Grünlandregionen Richtung Küste fahre, desto weniger ein solcher Zaunbau nach seiner Meinung möglich. Die Betreuung bei Rissen durch Wolfsberater könne je nach Person auch unterschiedlich ausfallen, stellte er zur Kritik an deren Arbeitsweise fest: Vom Jäger bis zum Nabu sei alles dabei. Dies müsste von Mitarbeitern einer Behörde oder dem Veterinäramt erledigt werden.

Außerdem sollte der Wolf ins Jagdrecht aufgenommen werden, da das Gesetz jetzt gerade novelliert werde und in nicht allzu langer Zeit der Wolfsbestand reguliert werden müsse. Sein Fazit: „Ich kann den Frust der Tierhalter gut verstehen, da wir sehenden Auges in eine Katastrophe hineinlaufen. Der Wolfsbestand wächst jedes Jahr um 30 Prozent und wir haben bereits jetzt in Niedersachsen dieselbe Anzahl an Wölfen wie in Schweden. So verliert die Weidetierhaltung und als Folge auch der Naturschutz.“

Von Harald Röttjer

Sieht beeindruckend aus: Der FDP-Europaabgeordnete Jan Christoph Oetjen (rechts) inspizierte gemeinsam mit Vertretern aus Landwirtschaft und Politik die Zaunanlage.

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