„Finden schwer die richtigen Worte“

Nach 90 Jahren vor dem Aus: Traditions-Campingplatz sucht dringend Nachfolger

Seine Familie betreibt seit 90 Jahren den Campingplatz Lühesand. Nun geht Holger Blohm in Rente, die Zukunft des Platzes ist ungewiss.

Lühesand – Hier, mitten auf der Elbe, zwischen Hamburg und Cuxhaven, ist Holger Blohm groß geworden. Und hier, auf dem seit 91 Jahren und drei Generationen in Familienbesitz bestehenden Campingplatz der verwunschenen Elbinsel Lühesand, hat er auch seine Kinder rund Enkelkinder aufwachsen sehen. Nun ist alles vorbei. Der 65-Jährige will in den Ruhestand gehen. Und dem wildromatischen Zeltplatz samt Gasthaus und Fährbetrieb droht das Aus: „Wir blicken auf über 9 Jahrzehnte ‚Blohm Lühesand‘ zurück und ganz ehrlich, wir finden nur schwer die richtigen Worte“, heißt es in einem Aushang.

Seine Familie betreibt seit 90 Jahren den Campingplatz Lühesand. Nun geht Holger Blohm in Rente, die Zukunft des Platzes ist ungewiss.

Nach 90 Jahren vor dem Aus: Traditions-Campingplatz sucht dringend Nachfolger

Lühesand ist ein grünes Paradies mitten in der Elbe, etwas mehr als drei Kilometer lang und nur 550 Meter breit. Erreichen kann es nur per Fähre – über die Festlandseite in Niedersachsen. In Grünendeich im Alten Land liegt der Fähranleger Sandhörn. Von hier fährt Holger Blohm mehrmals am Tag die Personenfähre nach Lühesand – an den Wochenenden bis zu zehnmal täglich.

Noch. Denn es ist die letzte Saison für Holger Blohm. Schweren Herzens hat der Altländer die geschockten Camper über Ostern informiert, dass er aufhört: „Unser Herz hängt an euch und der Insel und doch ist nun auch für uns die Zeit gekommen, in den Ruhestand zu gehen“, verkündet der Aushang. Das Problem: Es gibt noch keine Nachfolger.

Nach neun Jahrzehnten vor dem Aus: Der Traditions-Campingplatz Lühesand bei Hamburg sucht dringend Nachfolger.

„Finden schwer die richtigen Worte“: Traditions-Campingplatz sucht nach 90 Jahren Nachfolger

Der 65-jährige Blohm ist in dritter Generation der Betreiber des Campingplatzes und Fährdienstes auf Lühesand und auf der Insel aufgewachsen. „Als Kind wurde ich jeden Tag mit dem Boot zur Schule nach Grünendeich gebracht“, erzählt Blohm im Gespräch mit kreiszeitung.de. Im Winter ging es manchmal sogar zu Fuß übers Eis.

Sein Großvater baute in den 30er Jahren das Insel-Gasthaus, seitdem hat sich dort wenig verändert. In den 50er und 60er Jahren wurde auf Lühesand sogar noch wild gezeltet, die Leute mit Falt- oder kleinen Segelbooten. Heute ist per Fähre die Insel in weniger als fünf Minuten vom Elbdeich aus erreicht.

Wildromantischem Camperparadies droht das Aus: „Unser Herz hängt an euch“

Die südöstliche Ecke der Insel beherbergt seit 1982 ein Naturschutzgebiet, in dem viele Vogelarten brüten und dessen Betreten verboten ist. Auf dem westlichen Teil von Lühesand jedoch, in der Inselabgeschiedenheit inmitten eines großen Stroms, und nicht weit entfernt von der Großstadt Hamburg, stehen kleine Hütten und Wohnwagen von Dauercampern und Touristen. Es gibt weitläufige Zeltflächen, seit einigen Jahren sogar einen Wohnmobilplatz, sowie 16 Wochenendhäuser und Spazierwege, die alles miteinander verbinden. Doch mit der Rückzug der Familie Blohm droht nun das Ende von Lühesand, wie es seine Fans und Camper kennen.

Bisher „nur lose Nachfragen von Interessenten“: Campingplatz in der Elbe droht Schließung

„Wir haben unseren Entschluss der Gemeinde mitgeteilt und hoffen sehr, dass wir gemeinsam einen neuen Betreiber für Lühesand finden werden“, sagt Blohm, „es liegt uns sehr am Herzen, eine gute Lösung zu finden“. Anfang Juni sollen Gespräche mit der Gemeinde stattfinden, auch der Bürgermeister der Samtgemeinde Lühe, Timo Gerke, wird dann nach Lühesand anreisen, erzählt Blohm : „Bisher gibt es nur einige lose Anfragen von Nachfolger-Interessenten“. Und einfach so, „von jetzt auf gleich“ will und kann er den Betrieb ohnehin nicht abgeben, „dafür ist es mir zu sehr eine Herzensangelegenheit“. Vor allem den Fährbetrieb möchte er sicherstellen, zumindest für den Übergang.

Gasthaus auf Lühesand schließt schon Ende Mai endgültig: Zukunft ungewiss

Doch das Gasthaus wird schon Ende Mai endgültig schließen, „bis dahin wird es noch an den Wochenenden und Feiertagen von meinem Schwiegersohn betrieben“, so Blohm. Und wenn sich kein Nachfolger findet, der als Pächter die Zeltplatzeinrichtungen übernimmt, und als Besitzer die Gaststätte und das Fährschiff, bedeutet das auch das Aus für den Zelt- und Wohnmobilstellplatz sowie die Flächen für die drei Kanu-Vereine: RdE, ATSV und der Niederdeutschen Wanderpaddler, die dann geräumt werden müssten.

Sie, aber auch die rund 30 Galloway-Rinder, die im Sommer mit der Fähre nach Lühesand gebracht werden und die Dauercamper müssen weiter bangen: „Leider liegen uns derzeit noch keine weiteren Informationen vor, wir werden euch auf dem Laufenden halten“, ist im Aushang zu lesen.

Rubriklistenbild: © Carmen Jaspersen/dpa

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