Akteure in relativ jungem Markt
Teurer Fleischersatz: So begründen zwei Firmen aus Niedersachsen die relativ hohen Preise
Zwei niedersächsische Firmen möchten Fleischersatz-Produkte mehr Menschen schmackhaft machen. Ein Hebel: die Preise für die Kunden.
Bad Zwischenahn/Rechterfeld – Bevor Fleischprodukte im Supermarkt-Regal landen, wurde viel Geld und Zeit in die Aufzucht und Schlachtung von Tieren gesteckt. Zudem wurde viel Tierfutter auf den Feldern angebaut, um Kühe, Schweine oder Geflügel zu mästen. Und nicht zuletzt ist bei der Produktion im Ganzen viel CO₂ ausgestoßen worden. Im Vergleich zu fleischlosen Alternativen kosten die tierischen Produkte dennoch kaum mehr oder sogar weniger als Soja-Schnitzel oder Erbsen-Weißwurst.
Dass vegane und vegetarische Ersatzprodukte recht teuer sind, hat laut Hersteller-Angaben mehrere Gründe. Dabei spielt der Preis im Kühlregal auch für die Unternehmen eine wichtige Rolle – obwohl sie diesen nur indirekt über Preisempfehlungen beeinflussen können. Wie diese unverbindlichen Angaben zustande kommen, beschreiben zwei niedersächsische Firmen, die in der Branche veganer und vegetarischer Alternativprodukte aktiv sind. Ein Markt, der natürlich nicht jedem Fleischesser schmeckt.
„Green Legend“ von der PHW-Gruppe und Rügenwalder Mühle in Niedersachsen zu Hause
Um eine breitere Masse erreichen zu können, zähle unter anderem der Preis. Das betont Marcus Keitzer, PHW-Vorstand für Alternative Proteinquellen, gegenüber kreiszeitung.de. Es gelte, Verbraucher dauerhaft für fleischlose Waren zu gewinnen. Die Preise der Marke „Green Legend“ wiederum seien wesentlich durch hohe Kosten bei Forschung und Entwicklung geprägt. Was entwickelt werde, lasse sich zudem noch nicht einfach auf andere Produkte oder mehr Masse übertragen. Unter anderem fehle es noch an effizienten Lieferketten, die die Kosten drücken würden.
Konkurrenz erhält die PHW-Gruppe aus Rechterfeld im Landkreis Vechta unter anderem von der Rügenwalder Mühle. Das Familienunternehmen aus Bad Zwischenahn gilt als ein Vorreiter für tierische Ersatzprodukte in Deutschland und ist schon länger in dem Markt tätig. Neben dem hohen Entwicklungsaufwand spiele Rügenwalder-Sprecherin Claudia Hauschild vor allem die Verfügbarkeit von Zutaten eine große Rolle bei der Preisgestaltung. Zum einen wachse der Markt weltweit: „Pflanzliche Rohstoffe werden international stark nachgefragt, sodass der Bedarf aktuell gar nicht im vollen Maße bedient werden kann.“
Ukraine-Krieg, Inflation und Klimawandel beeinflussen Preise für Fleischalternativen
Genauso wirken sich Ukraine-Krieg und die steigende Inflation auch im Markt für pflanzliche Proteine und Alternativprodukte zu tierischen Lebensmitteln aus. Weitere Faktoren seien der zunehmende Klimawandel und die Tatsache, dass ein Vielfaches an Gewürzen benötigt würde als bei Produkten aus Fleisch, erklärt die Rügenwalder-Mühle-Sprecherin. Gute Rohstoffe günstig zu bekommen, sei eine entsprechend große Herausforderung.
PHW-Vorstand Marcus Keitzer, der sich mit seinem Unternehmen derzeit in einer Phase des „moderaten Wachstums“ befinde, will Fleischalternativen auf dreierlei Art attraktiver machen: über den Preis, besseren Geschmack und die Funktionalität der Produkte. „Diese Bereiche gilt es in den kommenden Jahren nachhaltig zu optimieren“, sagt Keitzer.
Fleischalternativen seien eine noch relativ neue Produktkategorie, die in Deutschland noch nicht einmal zehn Jahre alt ist, betont Rügenwalder-Sprecherin Claudia Hauschild. „Die Fleischwirtschaft ist hingegen bereits seit Jahrzehnten sehr effizient organisiert“. Große Mengen, ausgereifte Technik und jahrelanger Erfahrung führten dazu, dass Produktpreise relativ niedrig sein können. Zum Vergleich schreibt sie gegenüber kreiszeitung.de: „Der Markt für Wurst in der Selbstbedienung liegt bei rund zehn Milliarden Euro, die pflanzlichen Fleisch-Pendants bei 740 bis 750 Millionen Euro – da sind die Skalierungseffekte natürlich ganz andere.“
Forsa-Umfrage zu pflanzenbetonter Ernährung
Laut einer repräsentativen Forsa-Verbraucherbefragung im Auftrag des Bundesverbandes des Deutschen Lebensmittelhandels (BVLH), gaben 41 Prozent der Befragten im August 2023 an, Flexitarier zu sein, also nur gelegentlich Fleisch zu essen. Neun Prozent ernähren sich vegetarisch und drei Prozent vegan. Den Veganern, Vegetariern und Flexitariern stehen 47 Prozent der Bevölkerung gegenüber, die sich keiner dieser Ernährungsweisen zuordnet.
Gründe, um zu mehr pflanzlichen Produkten zu greifen, seien vor allem das Klima, das Tierwohl und eine gesündere Ernährung. Jeder fünfte Befragte gab an, vegane Produkte wegen des besseren Geschmacks zu kaufen. Mehr Zubereitungstipps und Rezepte würden laut der Umfrage rund ein Drittel der Menschen dazu bringen, häufiger fleischlose Alternativen zu kaufen. Ähnlich viele Befragte würden ein größeren Angebot begrüßen, für die übrigen ist das gegenwärtige Angebot ausreichend.
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