Vom Aussterben bedroht

Welche Tierarten in Niedersachsen gefährdet sind – und welche bereits ausgestorben

Auch in Niedersachsen sind zahlreiche Tierarten in ihren Populationen bedroht. Einige sind bereits von niedersächsischem Boden verschwunden. Wir zeigen, welche.

Hannover – Es gibt verschiedene Gründe dafür, dass zahlreiche Tier- und Pflanzenarten auf der ganzen Welt im Laufe der Zeit unwiederbringlich verschwinden. So begünstigt etwa der Klimawandel, dass sich invasive Tierarten auch in nördlicheren Breiten niederlassen und dort lange einheimische Tier- und Pflanzenarten gefährden.

Doch auch der Mensch trägt durch Umweltverschmutzung und Landnutzungswandel dazu bei, dass der Biodiversität der Erde immer mehr Tierarten durch Aussterben verloren gehen. Ein bekanntes Beispiel einer weltweit ausgestorbener Tierart ist etwa das Quagga, eine Unterart des Steppenzebras, das bis zu Beginn des 17. Jahrhunderts in großen Herden der afrikanischen Steppe beheimatet war. Oder die Réunion-Riesenschildkröte, die ihren Namen von der Insel im Indischen Ozean erhielt, auf der sie anzutreffen war – seit 1940 gilt sie als ausgestorben. 

Es gibt jedoch eine Reihe bereits ausgestorbener Tiere, die Zeit ihres Lebens im norddeutschen Raum und in Niedersachsen verbreitet waren. Und neben ihnen eine Vielzahl von Tieren, die wegen ihrer geringen Populationen vom Aussterben bedroht oder zumindest überaus gefährdet sind.

Ausgestorbene und gefährdete Tierarten werden auch in Niedersachsen in Roten Listen geführt

Bereits ausgestorbene, verschollene sowie gefährdete Tier- und Pflanzenarten werden unter anderem vom Niedersächsischen Landesbetrieb für Wasserwirtschaft, Küsten- und Naturschutz (NLWKN) in Verzeichnissen versammelt – den sogenannten Roten Listen. Dabei sollen sie nicht nur Informationen zur Gefährdungssituation von Arten und Biotopen geben, sondern auch als Argumentationshilfe raum- und umweltrelevanter Planungen dienen. Denn die Roten Listen zeigen auch, an welchen Stellen Forschungsbedarf besonders notwendig ist. 

Außerdem sind die Roten Listen des NLWKN Datenquelle für gesetzgeberische Maßnahmen und Rote Liste auf bundesweiter Ebene. Veröffentlicht werden sie in der Regel im Informationsdienst Naturschutz Niedersachsen. Von den rund 40.000 Tier- und Pflanzenarten Niedersachsens listet das LN ca. 11.000 Arten, also etwa ein Viertel, in Roten Listen hinsichtlich ihrer Gefährdung bewertet.

Die Gefährdungssituation ist bei den verschiedenen Artengruppen sehr unterschiedlich. Bei Wanzen liegt sie bei nur rund 18 Prozent, bei Armleuchteralgen dagegen bei 90 Prozent. „Von allen untersuchten Arten sind inzwischen 45 % als gefährdet eingestuft“, heißt es dazu auf der Website des NLWKN.

Imposante Erscheinung: Bis ins 15. Jahrhundert hat der Auerochse in Niedersachsen gelebt

Zu den ausgestorbenen Tierarten, die einst niedersächsischen Boden bevölkerten, gehörte etwa der Auerochse (Bos primigenius). Forschenden zufolge sollen die Tiere Schulterhöhen bis 1,80 Meter erreicht haben, als charakteristisch für sie galt die Krümmung der Hörner, die weit ausholend nach innen verlief.

Auerochsen-Statue in der estnischen Stadt Rakvere

Über das natürliche Habitat europäischer Auerochsen sind sich Biologen jedoch uneins: Während manche ihn als Bewohner der Wälder betrachten, beschreiben andere ihn als Bewohner des offenen Graslands, der zusammen mit anderen Pflanzenfressern für den natürlichen Erhalt dieser Flächen gesorgt haben könnte.

Lebensraumzerstörung, Jagd sowie veränderte klimatische Bedingungen haben jedoch dazu geführt, dass der Auerochse ausstarb. In Deutschland soll das letzte Tier um 1470 in Bayern erlegt worden sein. Und auch wenn sich eine Restpopulation noch für über zwei Jahrhunderte länger in Polen halten konnte, starb das letzte Auerochsen-Exemplar dort im Jahr 1627 aus.

Vogel aus dem Nordatlantik war bis ins 19. Jahrhundert Wintergast an der deutschen Nordseeküste

Einige Jahrhunderte später ausgestorben ist der sogenannte Riesenalk. Das letzte Exemplar des flugunfähigen Seevogels wurde National Geographic zufolge vermutlich 1852 gesichtet. Das Hauptverbreitungsgebiet des bis zu 85 Zentimeter großen Vogels lag zwar im Nordatlantik, jedoch kann davon ausgegangen werden, dass es ihn während des Winters in südlichere Gefilde der Nordsee verschlug – wie etwa an die deutsche Nordseeküste.

Riesenalke stehen am Rand einer Klippe (Heinrich Harder, 1908)

Zum Leid des Riesenalks wurden seine Brutplätze jedoch von hungrigen Seefahrern geplündert und sein fettreicher Körper wurde als Brennstoff genutzt. Auch das Gefieder des Riesenalks galt als begehrt. Am 3. Juni 1844 wurden die letzten beiden Brutvögel in Island getötet und ihre begehrten Körper an einen zahlungskräftigen Sammler verkauft.

Unter anderem diese Tierarten sind in Niedersachsen vom Aussterben bedroht

Die Roten Listen zum Schutz vom Aussterben bedrohter oder gefährdeter Tierarten werden zwar laufend, dabei jedoch in unregelmäßigen Abständen aktualisiert. Dem niedersächsischen Landesbetrieb liegen gegenwärtig (Stand: 15.09.2023) Rote Listen für 22 Artengruppen vor. Die letzte Aktualisierung für die Artengruppe Säugetiere stammt dabei aus dem Jahr 1991: Von insgesamt 71 in Niedersachsen vorkommenden Säugetierarten werden demnach 47 als gefährdet eingestuft, also ganze 66 Prozent.

Die Rote Liste für Brutvögel in Niedersachsen wurde dagegen erst 2021 aktualisiert. Sie führt aktuell 212 Arten von Brutvögeln in Niedersachsen, von denen 92 Arten (43 Prozent) als gefährdet gelten. 15 Brutvögel-Arten (7 Prozent) sind in Niedersachsen bereits ausgestorben. Darunter etwa der Goldregenpfeifer, der niedersächsische Moore über viele Jahre bevölkerte, wie unter anderem das Umweltforum Osnabrück meldete.

Vergangenes Jahr aktualisierte der NLWKN seine Rote Liste für Süßwasserfische, Rundmäuler und Krebse. Wie der Norddeutsche Rundfunk (NDR) im Oktober (06.10.2023) ausgehend von Daten des NLWKN berichtete, gelten in Niedersachsen inzwischen drei Wanderfischarten als ausgestorben oder verschollen: der Europäische-Atlantische Stör, der Schnäpel und der Maifisch. Weitere 22 Arten sind in ihrem Bestand gefährdet oder extrem selten. Außerdem stehen acht Arten auf einer Vorwarnliste. 18 Arten gelten aktuell als ungefährdet. (fh)

Rubriklistenbild: © IMAGO

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