Atomkraft

Brennelementfabrik Lingen: Protest gegen Atom-Deal mit Russen

Der russische Staatskonzern Rosatom will über eine Tochterfirma in der Lingener Brennelementfabrik von Framatome einsteigen. Dagegen regt sich Protest.

Lingen – Die Brennelementfabrik von Framatome im niedersächsischen Lingen (Landkreis Emsland) und die Tochterfirma TVEL des russischen Staatskonzernes Rosatom wollen eng zusammenarbeiten. Einen entsprechenden Antrag zur Gründung eines Gemeinschaftsunternehmens hatten das französische Unternehmen Framatome und die russische TVEL bereits im vergangenen Winter eingereicht. Inzwischen hat das Bundeskartellamt dem Deal zugestimmt. Jetzt regt sich Widerstand gegen das geplante Unternehmen – in Niedersachsen und in Russland. Darüber berichtet der Norddeutsche Rundfunk (NDR). Framatome hat in Deutschland drei Standorte in Erlangen, Karlstein und Lingen.

Stadt in Deutschland:Lingen
Fläche:176,18 Quadratkilometer
Einwohner:55.232 (Stand: 31. Dezember 2020)
Vorwahl:0591
Oberbürgermeister:Dieter Krone (parteilos)

Konkret auf den Plan ruft das Vorhaben den Träger des Alternativen Nobelpreises („Right Livelihood Award“) und Atomkraftgegner, den Russen Vladimir Slivyak, sowie Alexander Vent, Lingener Anti-Atomkraft-Aktivist, auf den Plan. Wie der NDR berichtet, eint die beiden der Kampf gegen die Brennelementfabrik und gegen die Gründung des Gemeinschaftsunternehmens mit der russischen TVEL.

Protest gegen russisch-französischen Atomdeal in Lingen: Ausstieg vom Atom-Ausstieg

Für die Menschen in Lingen bedeute dies einen neuen Atomeinstieg, sollten die Pläne umgesetzt werden, die Framatome und Russland ausgearbeitet haben, zitiert der NDR Alexander Vent vom Anti-Atom-Bündnis „AgiEL“. Im Gegensatz zum Atomkraftwerk in Lingen, wird die Brennelementfabrik nämlich auch nach dem deutschen Atomausstieg Ende 2022 weiterbetrieben, auch wenn es dann keine Lieferung von Brennstäben innerhalb Deutschlands mehr benötigt. Dann wird aus Lingen heraus vornehmlich das Ausland bedient – unter anderem auch das marode belgische Kernkraftwerk Tihange. Dies kritisieren die Lingener Anti-AKW-Protestler auf das Schärfste.

Das französische Unternehmen „Framatome“ in Lingen will mit dem russischen Staatskonzern TVEL zusammenarbeit. Dagegen regt sich in Deutschland und Russland Widerstand. (Archivbild)

Kritik gegen Kooperation mit Russland: AKW-Gegner befürchten mehr Transporte mit nuklearem Material

Kritik regt sich deshalb, weil die AKW-Gegner befürchten, dass durch die mögliche Zusammenarbeit mehr Transporte mit nuklearem Material stattfinden könnten. Sie sehen dadurch eine steigende Gefahr – beispielsweise durch Unfälle. Ein ganz wichtiger Punkt sei außerdem, dass man sich so von dem kompletten Atomausstieg wieder weiter entferne, so Alexander Vent zum NDR.

Der geplante Deal lässt umso mehr aufhorchen, glaubt man den Worten von Umweltaktivist Vladimir Slivyak. Denn aus seiner Sicht hat Russland genug eigene Möglichkeiten, um an Brennstoff oder nukleares Material heranzukommen. Vielmehr beabsichtige Russland durch den Deal mehr Einfluss auf den europäischen Energiemarkt zu bekommen. Gerade mit Blick auf die Streitigkeiten in Sachen Nord Stream 2 und dem damit verbundenen Ukraine-Konflikt ein heißes Eisen.

Protest gegen russisch-französischen Atomdeal in Lingen: Militärische Nutzung der Brennelemente nicht ausgeschlossen

Weiter kritisierte Slivyak, dass man bei der Zusammenarbeit zwischen Framatome und TVEL nicht ausschließen könne, dass das gewonnene nukleare Material für militärische Zwecke genutzt würde. Weder die Lingener Brennelementfabrik noch der russische Staatskonzern TVEL äußern sich zur Sachlage. Aus dem Bundesumweltministerium ist zu vernehmen, dass der Deal nicht mit dem geplanten Atomausstieg über einzubringen sei. Die Bundesregierung selber hat sich bis jetzt nicht zu dem Thema geäußert und verweist auf das Betriebsgeheimnis, wie der NDR berichtet.

Der Träger des Alternativen Nobelpreises, der Russe Vladimir Slivyak, spricht sich gegen eine Zusammenarbeit zwischen der Brennelementfabrik in Lingen und dem russischen Staatskonzern TVEL aus. Er wird bei der Demonstration am Samstag in Lingen dabei sein. (Archivbild)

Lingener Brennelementfabrik: Brennelemente hätten nicht nach Belgien geliefert werden dürfen

Die Lingener Brennelementfabrik war erst vergangenen Winter in die Kritik geraten, weil sie im Januar 2021 Brennelemente an das belgische Kernkraftwerk Doel geliefert hatte. Nach Ansicht des Bundesumweltministeriums hätten wegen eines Widerspruchs der Umweltorganisation BUND Nordrhein-Westfalen die Transporte nicht stattfinden dürfen. Framatome sieht sich hingegen im Einklang mit den Vorgaben der zuständigen Behörden. Umweltschützer hatten daraufhin eine Strafanzeige gegen Verantwortliche des Unternehmens gestellt.

Deutschland hatte 2011 nach der Atomkatastrophe im japanischen Fukushima* einen Ausstieg aus der Kernkraft bis Ende 2022 beschlossen. Am Samstag, 22. Januar 2022, ist gegen 13:00 Uhr eine Anti-AKW-Kundgebung vor dem Firmensitz des französischen Unternehmens in Lingen geplant. (Mit Material der dpa) * kreiszeitung.de, hna.de und merkur.de sind Angebote von IPPEN.MEDIA.

Rubriklistenbild: ©  Friso Gentsch/dpa

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