Zehn-Punkte-Plan
Schule: So soll der Unterricht vor Ort funktionieren - kostenlose Coronatests
Seit vielen Wochen schon müssen die meisten Schüler coronabedingt den Unterrichtsstoff zu Hause stemmen. Nun will der Kultusminister einen Weg zurück in die Klassenräume vorschlagen. Auch anderswo sind Lockerungen erst später absehbar.
- Kultusminister Grant Hendrik Tonne will Zehn-Punkte-Plan vorstellen.
- Entscheidungshoheit in Bildungsfragen verbleibt bei den Ländern.
- Einzelhändler in Niedersachsen zeigten sich enttäuscht von der neuen Regelung.
Update, 16.40 Uhr: Kultusminister Grant Hendrik Tonne (SPD) legte am Donnerstag in Hannover einen Zehn-Punkte-Plan zum weiteren Betrieb von Schulen und Kindertagesstätten vor und räumte ein: „Die Herausforderungen für Kinder und Eltern werden größer mit dem andauernden Lockdown.“
Ein besonderes Anliegen ist Tonne ferner, nicht nur „möglichst viel Wissen in die Köpfe der Kinder hereinzutrichtern“, sondern auch die psychosozialen Folgen des Lockdowns in den Blick zu nehmen. Dazu soll die Schulpsychologie gestärkt werden. Was das Aufholen von versäumtem Stoff angeht, sollen die Grundschulen sich auf die Kernfächer Lesen, Schreiben und Rechnen konzentrieren. Auch in den Klassen fünf bis acht sollen die Schulen Schwerpunkte setzen. Die Grundschulen sollen auch personell vorübergehend mit Hilfskräften entlastet werden.
Schule: Einsatz von Lehramtsstudenten gefordert
Die Opposition im Landtag, die seit Monaten bessere Corona-Maßnahmen an Schulen einfordert, kritisierte Tonnes Zehn-Punkte-Plan als verspätet und unvollständig. „Das Programm wäre im Herbst letzten Jahres gut gewesen, jetzt bleibt es hinter aktuellen Möglichkeiten zurück“, sagte FDP-Bildungsexperte Björn Försterling. „Wir benötigen einen Plan über mehrere Jahre, wie der Lernstoff nachgeholt werden kann und wir die Kinder nicht im Stich lassen.“
Grünen-Fraktionschefin Julia Willie Hamburg forderte neben einem Ausbau der Digitalisierung auch mehr Kleingruppenangebote sowie den Einsatz von Lehramtsstudenten. Die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) begrüßte unterdessen die Entlastung der Grundschulen sowie die Maßnahmen für mehr Infektionsschutz an den Schulen.
Update, 16.20 Uhr: Bei weiter sinkenden Infektionszahlen sollen im März weitere Schuljahrgänge im Wechselunterricht in die Schulen zurückkehren. Der Zeitpunkt soll in der kommenden Woche ausgelotet werden. Bis Ende Februar gibt es einen Wechselunterricht für Grundschulen sowie die Prüfungsklassen an den weiterführenden Schulen. Die Präsenzpflicht bleibt bis Ende Februar aufgehoben, sagte Tonne.
Update, 11. Februar, 13.30 Uhr: Kultusminister Grant Hendrik Tonne meint, dass das Homeschooling besser funktioniert als im ersten Lockdown. Es soll per Erlass klare Strukturen für alle Beteiligten geben. Auch sollen Assistenzen beim Homeschooling dabei sein dürfen. Für kleine Grundschulen (weniger als 181 Schüler) stehen Gelder für weitere 950 Minijobber bereit. Sie können für sechs Monaten beschäftigt werden.
Update, 11. Februar, 13.20 Uhr: Der 2. Nachtrag zum Digitalpakt ermöglicht Schulträgern, IT-Admins darüber mitzufinanzieren.
Update, 11. Februar, 12.45 Uhr: Das Land finanziert Corona-Schnelltest für Lehrer und Erzieher. Lehrer können sich ab Montag testen lassen, Erzieher im Laufe der Woche. Für weitere Bedienstete (z.B. Hausmeister) werden anteilig finanziert.
Update, 11. Februar, 12.40 Uhr: Niedersachsens Kultusminister Grant Hendrik Tonne (SPD) sagte auf der Pressekonferenz: Respekt für die Kinder und Jugendlichen die auf vieles verzichten. Sie leisten einen enormen Beitrag. Die „Homeoffice-Quote“ liegt bei 75 Prozent in Schulen.
Meldung vom 11. Februar: Niedersachsens Kultusminister Grant Hendrik Tonne (SPD) will nach den neuen Bund-Länder-Beschlüssen zur Corona-Krise einen Zehn-Punkte-Plan zum weiteren Vorgehen in Schulen und Kitas vorstellen. Es geht unter anderem um ein freiwilliges Schnelltest-Angebot für das Personal. Außerdem soll über Einzelheiten des Schul- und Kitabetriebs in den kommenden Wochen informiert werden. Weiterentwicklungen beim Distanzlernen und bei der Digitalisierung sind ebenfalls Thema - wie auch Maßnahmen zur Stärkung von Kindern und Jugendlichen, zur Entlastung der Schulleitungen sowie für besseren Infektionsschutz.
| Land | Niedersachsen |
| Ministerpräsident | Stephan Weil |
| Homepage | niedersachsen.de |
| Hauptstadt | Hannover |
Aktuell bieten die Kitas lediglich eine Notbetreuung an. Ziel ist weiter eine möglichst geringe Auslastung, was viele Eltern im Homeoffice gleichzeitig vor Probleme stellt. Die Grundschulen sind im Wechselmodell geöffnet, ein Teil der Schüler wird in der Klasse und der andere jeweils abwechselnd zu Hause unterrichtet. Dasselbe gilt für Abschlussklassen an weiterführenden Schulen und angehende Abiturienten sowie etliche Kinder an Förderschulen. Grundschuleltern können ihre Kinder auch noch komplett zu Hause behalten, wenn sie dies sicherer finden. Die sogenannte Präsenzpflicht ist aufgehoben. Alle übrigen Jahrgänge bleiben vorerst im reinen Homeschooling.
Kanzlerin Angela Merkel (CDU) hatte nach den jüngsten Beratungen am Mittwoch die Entscheidungshoheit der Länder in Bildungsfragen betont. Die schrittweise Öffnung von Schulen und Betreuungseinrichtungen für Kinder und Jugendliche soll nun aber bundesweit Priorität haben, sobald die Entwicklung der Infektionslage dies zulässt.
Schulen könnten im März wieder öffnen
Tonne hatte bereits eine Öffnung für alle Klassen nach einem Ende des aktuellen Lockdowns und vor Beginn der Osterferien Ende März ins Auge gefasst. „Sollten die Inzidenzwerte weiter sinken, werden wir die Schulen im März weiter öffnen und das Wechselmodell ausdehnen“, bekräftigte er nun. „Bei zunehmender Verbesserung der Lage und weiter sinkenden Werten werden wir dann im April umstellen auf den Stufenplan, der bei schwachem Infektionsgeschehen so viel Präsenzunterricht wie möglich erlaubt und bei erhöhtem Infektionsgeschehen konsequente Einschnitte automatisch vorsieht.“
Der Landeselternrat und der Philologenverband zeigten sich besorgt über ein länger dauerndes Distanzlernen. Sowohl die Ausrüstung als auch die Konzepte reichten nach wie vor nicht aus. „Nach einem Jahr Leben mit der Pandemie mangelt es immer noch an der Ausstattung der Schüler mit digitalen Endgeräten. Eltern werden im Homeschooling mit ihren Kindern alleingelassen“, sagte die Elternrats-Vorsitzende Cindy-Patricia Heine. Es fehle hinreichendes, sinnvoll digital aufbereitetes Material für das Lernen zu Hause, was gerade den Lernfortschritt benachteiligter Kinder behindere. Ein zügiges Ausstatten aller Lehrkräfte mit Dienstcomputern forderte der Vorsitzende des Philologenverbandes, Horst Audritz.
Mehr Sicherheit könnten auch Schnelltests für Lehrer sowie das Kita-Personal bringen. Die Gesundheitsminister von Bund und Ländern wollen außerdem prüfen, ob die Beschäftigten in Grundschulen und Kitas beim Impfen eine höhere Priorität erhalten. Nach den Worten Merkels könnten sie noch vor dem Sommer mindestens die erste Impfdosis bekommen. Dazu wäre eine geänderte Impfverordnung nötig.
Corona-Lockerungen: Friseure legen am 1. März wieder los
In weiteren Bereichen von Gesellschaft und Wirtschaft sollen Lockerungen erst folgen, wenn eine „stabile“ durchschnittliche Inzidenz von höchstens 35 Neuinfektionen je 100.000 Einwohnern binnen sieben Tagen erreicht ist. Dann sollen etwa Geschäfte, Museen und Galerien sowie Betriebe mit körpernahen Dienstleistungen wieder aufmachen können - für Friseure ist dies bei Vorliegen entsprechender Hygienekonzepte generell schon ab dem 1. März zulässig.
Die Einzelhändler in Niedersachsen zeigten sich enttäuscht von der Regelung. Es sei schwer vermittelbar, warum man nun die 35er- anstatt der bisherigen 50er-Inzidenzmarke für mögliche Öffnungen heranziehe, sagte der Hauptgeschäftsführer des Handelsverbandes Niedersachsen-Bremen, Mark Alexander Krack, dem NDR. Die Gefahr durch neue Virus-Varianten sei schon länger bekannt. Bei Friseuren soll es unterdessen bereits viele Terminbuchungen geben. Für Lockerungen in Kultur, Sport in Gruppen, Freizeit, Gastronomie und Hotels planen Bund und Länder eine „sichere und gerechte Öffnungsstrategie“. dpa
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