Psychische Erkrankungen nehmen zu
Corona sorgt für mehr Ausfälle in Niedersachsens Gesundheitswesen
Die Corona-Pandemie führt zu seelischen Belastungen. Beschäftigte im Gesundheitswesen in Niedersachsen stark von psychischen Erkrankungen betroffen.
Hannover – Psychische Erkrankungen sind in der Gesellschaft oftmals noch immer ein Tabuthema. In der Corona-Pandemie werden diese sogar noch gefördert. Deswegen haben Beschäftigte in Niedersachsen zum Teil lange am Arbeitsplatz gefehlt. Dies geht aus einer Auswertung der Krankenkasse DAK-Gesundheit hervor, die am Montag, 28. März 2022, veröffentlicht wurde.
Corona in Niedersachsen: Pandemie lässt psychische Erkrankungen steigen – mehr Personalausfälle im Gesundheitswesen
Wie die dpa berichtet, waren es 2021 im Schnitt 2,8 Ausfalltage pro Person. Dies würde einen Anstieg um 43 Prozent gegenüber 2011 darstellen. Tatsächlich spricht die DAK-Gesundheit in dieser Hinsicht von einem neuen Höchststand bei den Ausfalltagen im Zusammenhang mit den psychischen Erkrankungen aufgrund der Belastung in der Corona-Pandemie. Beschäftigte im Gesundheitswesen in Niedersachsen waren demnach mit einer durchschnittlichen Fehlzeit von 4,3 Tagen sogar am stärksten betroffen.
Und eine Krankschreibung, die aus einer psychischen Erkrankung infolge der Corona-Pandemie resultierte, habe 2021 in Niedersachsen im Schnitt fast 40 Tage betragen. Für die konkrete Untersuchung hatte das Berliner IGES Institut die Daten von mehr als 230.000 Erwerbstätitigen, die bei der DAK versichert sind, in Niedersachsen ausgewertet.
„Betroffene finden schwer in ihren Berufsalltag zurück“: Viele psychische Erkrankungen in Niedersachsen wegen Corona
„Unser Report zeigt, dass viele Menschen mit psychischen Erkrankungen extrem unter den anhaltenden Belastungen der Pandemie leiden“, wird Dirk Vennekold, Leiter der DAK-Landesvertretung in Niedersachsen, von der dpa zur Thematik der psychischen Belastung in der Corona-Pandemie zitiert. Dem fügt Vennekold Folgendes an:
Die Betroffenen finden schwer wieder in ihren Berufsalltag zurück.
Dies würde mit den besonderen Arbeitsbedingungen während der Corona-Pandemie zu tun haben – aber eben auch mit Stigmatisierung. Schließlich seien Depressionen oder Ängste in vielen Firmen weiterhin ein Tabu. Ängste hatten auch viele Arbeitnehmer geäußert, die durch den Wegfall der Homeoffice-Pflicht ins Büro zurückkehren müssen und dort eine Omikron-Infektion fürchten*.
Corona-Pandemie lässt Depressionen und Angststörungen in Niedersachsen steigen – auch Bremen vorne mit dabei
Doch auch schon von der Corona-Pandemie, die allein in Deutschland täglich hunderte Tote zur Folge hat, sorgten psychische Leiden für Personalausfälle. Frauen seien deswegen übrigens häufiger als Männer krankgeschrieben. 2021 hätte es nun einen Anstieg hinsichtlich der Fehlzeiten vor allem bei Männern zwischen 50 und 60 Jahren sowie Frauen über 60 Jahren gegeben.
Die am häufigsten gestellte Diagnose sei dabei Depression gewesen. Es folgten Anpassungsstörungen sowie Angststörungen. Auch für das Nachbarbundesland von Niedersachsen liegen Werte vor. In Bremen seien die Fehltage aufgrund psychischer Erkrankungen laut der DAK im Vergleich zu 2011 nur um elf Prozent gestiegen.
Dafür hätte ein psychischer Krankschreibungsfall in Bremen 2021 mit durchschnittlich 42,3 Tagen ausgesprochen lange gedauert. Davon seien überwiegend Frauen betroffen gewesen.
Psychische Krankheiten als häufigste Ursache für Fehltage im Corona-Jahr 2021
Die Techniker Krankenkasse wiederum gibt an, dass die Zahl der Krankschreibungen bei ihren Versicherten 2021 insgesamt bundesweit gesunken sei. Im Schnitt wäre jede Erwerbsperson auf 14,5 Fehltage gekommen (2020: 15,1 Fehltage). Im Januar 2022 wurde eine neue Auswertung veröffentlicht.
Das Ergebnis: abermals waren psychische Krankheiten die häufigste Ursache für Fehltage. Eine solche Diagnose hätte es nämlich in jedem fünften Fall (21,8 Prozent) gegeben. Nicht nur das physische Risiko, das von einer Corona- oder Omikron-Infektion mit all ihren Symptomen ausgeht, darf also nicht unterschätzt werden, selbst wenn das neue Omikron-Symptom nach einer Corona-Infektion keine direkten Auswirkungen auf die psychische Überlastung des Krankenhasupersonals hat. Sondern auch nicht die seelische Belastung, die durch die Corona-Pandemie ausgeht. (mit Material der dpa) * kreiszeitung.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA.