Windenergieanlagen
Satelliten-Störung: Betrieb von fast 6000 Windkraftanlagen eingeschränkt
Aufgrund einer Satelliten-Störung laufen in Zentraleuropa rund 6000 Windkraftanlagen nur eingeschränkt. Der Ukraine-Konflikt könnte damit in Zusammenhang stehen.
Aurich – Tausende Windkraftanlagen in Niedersachsen, Deutschland und dem restlichen Zentraleuropa sind derzeit nur eingeschränkt im Betrieb. Wie das in Düsseldorf erscheinende Handelsblatt berichtet, sollen Windenergieanlagen in ganz Zentraleuropa davon betroffen sein. Spekulationen nähren aktuell den Verdacht, dass der Angriffskrieg samt Überfall auf die Ukraine durch den russischen Präsidenten Wladimir Putin damit in Zusammenhang stehen könnte. Grund scheint eine Störung des Satelliten-Netzwerks KA-SAT zu sein.
Satelliten-Störung: Steht Wladimir Putins Überfall auf die Ukraine damit in Zusammenhang?
Dieses System versorgt Europa und nahezu die gesamte Mittelmeerregion mit Internet via Satellit. Dies ist für die Betreiber von den derzeit betroffenen Windkraftanlagen sehr attraktiv, stehen die Windräder doch oft in ländlichen Regionen, in denen häufig noch kein schnelles Internet zur Verfügung steht. Eine Verbindung via Satellit macht da vieles einfacher – aber offensichtlich auch anfälliger.
Allein beim großen deutschen Windenergieanlagen-Hersteller Enercon seien rund 5800 Anlagen betroffen, sagte ein Firmensprecher am Montag im ostfriesischen Aurich. Die Windkrafträder laufen zwar noch und liefern auch Strom, sie sind aber für eine Überwachung und Steuerung aus der Ferne nicht mehr erreichbar, hieß es.
Betroffen sind demnach Anlagen mit einer Gesamtleistung von rund elf Gigawatt. Ob auch Anlagen weiterer Anbieter betroffen sind, war zunächst noch unklar. Ein Sprecher des britischen Unternehmens Vestas, der auf Twitter auch als betroffener Hersteller genannt wurde, konnte den Vorfall jedenfalls nicht bestätigen.
Satelliten-Störung: Windkraftanlagen können sich „grundsätzlich autark und selbstständig regulieren“
Weil die Anlagen zur kritischen Infrastruktur zählen, meldete Enercon den Vorfall an das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI). Ein BSI-Sprecher bestätigte: „Wir sind informiert, stehen im Austausch mit der Bundesnetzagentur und versuchen das zu bewerten.“
Enercon betonte, die Anlagen könnten sich „grundsätzlich autark und selbstständig regulieren“. Der Zugriff aus der Ferne sei jedoch derzeit nicht mehr möglich. Daher müsste der Turbinenhersteller aus Aurich im Störfall sein Servicepersonal zur Prüfung zu den einzelnen Anlagen persönlich herausschicken, um Reparaturen auszuführen.
Die genaue Ursache der Satelliten-Störung, die am vergangenen Donnerstag auftrat, ist noch nicht bekannt. Die Kommunikationsdienste fielen aber nahezu zeitgleich mit Beginn der russischen Invasion in der Ukraine aus. Betroffen sind europaweit rund 30.000 Satellitenterminals, die von unterschiedlichen Branchen genutzt werden.
Satelliten-Störung: Sicherheitskreise warnen vor Cyberangriffen auf deutsche Behörden und Unternehmen
Angesichts des Angriffs Russlands auf die Ukraine und vermehrter Cyberangriffe auf ukrainische Ziele warnten deutsche Sicherheitsbehörden vor Cyberangriffen auch auf deutsche Behörden und Unternehmen. Das BSI sprach am Freitag von einer „erhöhten Bedrohungslage für Deutschland“. Niedersachsens Innenminister Boris Pistorius hat bereits die Behörden angewiesen, mit Hinblick auf womögliche Cyberangriffe in Niedersachsen wachsam zu sein.
Eine weitere Möglichkeit für die Störung könnte allerdings auch eine ganz profane elektronische Störung sein – etwa ein technischer Defekt. Aber auch eine absichtliche Störung im Zuge der Kriegsführung gegen die Ukraine kommt infrage. Etwa durch eine mobile Transportmöglichkeit mit leistungsstarken Antennen. Eine weitere nicht auszuschließende Möglichkeit könnte sein, dass bei einem Raketenangriff in der Ukraine eine Bodenstation zerstört wurde. * kreiszeitung.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA.