Lebensmittel oder Fahrräder
Corona: Einzelhandel drohen Lieferengpässe bis Sommer 2022
Für das Weihnachtsgeschäft wurden bereits Lieferengpässe angekündigt. Diese könnten jedoch bis zum Sommer 2022 andauern. Die Hintergründe der Entwicklung.
München – Deutsche Einzelhändler erwarten Lieferengpässe bis weit in den Sommer 2022 hinein. Das teilte das Münchner Ifo-Institut am Dienstag, 9. November 2021, mit. Im Schnitt rechnet die betroffene Branche mit Engpässen, welche die nächsten zehn Monate andauern.
| Forschungseinrichtung: | ifo Institut für Wirtschaftsforschung |
| Präsident: | Hans-Werner Sinn |
| Gründung: | 1949 |
| Hauptstandort: | München |
| Zugehörigkeit: | Center for Economic Studies |
| Mitarbeiter: | ca. 193 Mitarbeiter |
| Träger: | keiner (rechtlich selbstständiger eingetragener Verein) |
| Standort der Einrichtung: | München, Niederlassung in Dresden |
Lieferengpässe drohen bereits zu Weihnachten – und Unternehmen kündigen Preiserhöhungen an
Doch wird die Produktauswahl schon „zu Weihnachten und lange danach eingeschränkt sein*“, sagt Klaus Wohlrabe, Leiter der Ifo-Umfragen. Auch in den Preisen im Weihnachtsgeschäft werden sich die Lieferprobleme niederschlagen, heißt es von der Ifo. Demnach hat ein Großteil der Unternehmen Preiserhöhungen angekündigt.
Hinsichtlich der einzelnen Berufssparten zeigen sich die Fahrradhändler am pessimistischsten. Diese rechnen sogar noch bis 2023 mit Nachschubproblemen. Die Möbelhändler wiederum erwarten noch gut ein Jahr Lieferschwierigkeiten. Spielzeugeinzelhändler rechnen mit elf Monaten, die Baumärkte gehen von über zehn Monaten aus.
Fehlende Halbleiter: Autoindustrie beklagt massive Verluste
Darüber hinaus sind auch im Lebensmittel-Einzelhandel Lieferschwierigkeiten zu verzeichnen. Doch rechnen die betroffenen Unternehmen damit, dass sich die angespannte Situation im Laufe des Frühjahres wieder entspannt. Grundsätzlich schlägt die weltweite Belastung der Lieferketten anhaltend auch auf den Einzelhandel durch.
Aufgrund von fehlenden Komponenten und Halbleitern hatten Autokonzerne wie VW, BMW und Daimler bereits Einbußen in der Produktion zu beklagen. Eine Verknappung von Wertstoffen wie Aluminium hatte in der Industrie bereits zu verstärkter Kurzarbeit geführt.
Schon seit Monaten können Hersteller von Elektronik wie Smartphones oder Spielekonsolen die wieder steigende Nachfrage nach ihren Produkten nicht befriedigen. Immerhin: eine leichte Besserung im deutschen Einzelhandel zeigt sich darin, dass die Zahl der Firmen mit Lieferproblemen leicht rückläufig ist. Die Ifo spricht von einem Rückgang von 74 auf 60 Prozent.
Corona-Pandemie mit globalen Folgen für die Industrie: Geringere Produktion, höhere Kosten für Konsumenten
Doch ist nicht von der Hand zu weisen, dass die „weltweite Logistik aus dem Takt gekommen“ ist. Laut Ifo-Experte Wohlrabe kommen viele Lieferungen „mit deutlichen Verspätungen in Deutschland an“. Das ist jedoch noch längst nicht alles. Denn die Materialengpässe werden sich laut Handelsverband Deutschland (HDE) „in erheblichem Maße“ auch auf den Umsatz der Händler auswirken. Davon geht laut HDE jeder fünfte Händler aus.
Zumindest 57 Prozent erwarten, dass es „in geringem Maße“ zu Einbußen kommen werde. Und rund 24 Prozent der Händler befürchten keine negativen Folgen. Was aber sind die Gründe für die Lieferengpässe, die letztendlich die Preise für Endgeräte in die Höhe schnellen lassen?
Gründe hierfür sind beispielsweise eine Reduktion der Produktionskapazität durch die Pandemie, die noch spürbaren Nachwirkungen eines Wintersturms in den USA oder Brände von Halbleiterfabriken in Japan. Folgen, die global zu spüren sind. Aufseiten der Produzenten, vor allem aber auch in den Reihen der Konsumenten. * kreiszeitung.de und ruhr24.de sind Angebote von IPPEN.MEDIA.
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