Energiekrise
Lage „weniger angespannt“ als zu Winter-Beginn: Gasspeicher Rehden zu 90 Prozent voll
Schafft Deutschland es ohne russisches Gas durch den Winter? Lange waren die Füllstände der Gasspeicher dafür zu niedrig. Langsam wird klar: Es könnte klappen.
Rehden/Oslo – Drei Monate nach Beginn der Heizperiode liegt der Füllstand der deutschen Gasspeicher noch immer bei mehr als 90 Prozent. 14 Tage nacheinander ist zuletzt sogar zusätzliches Gas eingespeichert worden. Bundeswirtschaftsminister Robert Habeck (Grüne) sagte dazu bei einem Besuch im norwegischen Oslo: „Das gibt uns nicht komplette Sicherheit, über den Winter zu kommen. Aber es zeigt doch, dass die Anstrengungen der Vergangenheit sich gelohnt haben.“ Zudem sei man in einer Situation, die Ende des vergangenen Jahres nach dem Abbruch der russischen Gaslieferungen nicht zu erwarten gewesen sei.
So lag der Füllstand des Gasspeichers in Rehden (Landkreis Diepholz) in Niedersachsen, der noch im Mai 2022 fast vollständig leer war, am 1. Januar 2023 laut Gazprom Germania bei etwa 90,87 Prozent. Noch im November hatte es gänzlich anders ausgesehen in Sachen Füllstand des Gasspeichers in Rehden.
Füllstand der Gasspeicher in Deutschland steigt auf über 90 Prozent – Gasmangellage unwahrscheinlich
Nach den neuesten Einschätzungen der Bundesnetzagentur hat sich durch die gute Füllung der Gasspeicher wie in Rehden auch die Wahrscheinlichkeit einer Gasmangellage in Deutschland wesentlich verringert. „Eine Gasmangellage in diesem Winter wird zunehmend unwahrscheinlich“, prognostizierte die Aufsichtsbehörde in ihrem am Donnerstag, 5. Januar 2022, vorgelegten Lagebericht zur Gasversorgung. Erstmals seit Mitte Juni veränderte die Netzagentur darin ihre Lagebeurteilung zu den Gasspeicher-Füllständen in Deutschland. Bislang hatte die Behörde die Situation als „angespannt“ bewertet. Nun urteilte sie, die Lage sei „weniger angespannt als zu Beginn des Winters“.
Die Bundesnetzagentur warnte allerdings, dass eine Verschlechterung der Füllstände der Gasspeicher nicht auszuschließen sei. Ein sparsamer Gasverbrauch bleibe wichtig. Bei einer Gasmangellage bekämen die Industrie und andere Teile der Wirtschaft nicht mehr so viel Gas, wie sie wollen, sondern nur noch das, was ihnen vom Staat zugeteilt wird – die Firmen müssten ihre Produktion dann wohl drosseln. So eine Situation gab es noch nie in der Geschichte der Bundesrepublik. Mit der von der Bundesnetzagentur leicht modifizierten Bewertung der Lage wird deutlicher, dass so ein industrielles Horrorszenario vorerst keine Realität wird.
Gasspeicher-Füllstand in Deutschland: LNG-Terminal in Wilhelmshaven geht früher als geplant in Betrieb
Die positive Entwicklung hat mehrere Gründe. Zum einen hat Deutschland schlichtweg Glück gehabt: Der Winter ist bislang relativ milde, daher laufen Gasheizungen nicht auf Hochtouren. Außerdem erhöhte Deutschland angesichts des russischen Lieferstopps seine Importe aus anderen Quellen, an Deutschlands Küste wurden in Windeseile Flüssigerdgas-Terminals gebaut. Vor wenigen Tagen kam ein erster LNG-Tanker am neuen Terminal in Wilhelmshaven an. Das Terminal für Flüssigerdgas in Lubmin soll in der kommenden Woche die letzte ausstehende Betriebsgenehmigung erhalten. (mit Material der dpa)