9-Euro-Ticket ab Juni: Kapazität reicht nicht aus – Verkehrsgesellschaft bestellt mehr Waggons

Reisende kommen mit einem Zug der Linie RE6 aus Hamburg-Altona am Bahnhof Westerland auf Sylt an. Mit dem Start des 9-Euro-Tickets ab dem 1. Juni 2022 werden auch mehr Besucher auf der Insel erwartet.
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Reisende kommen mit einem Zug der Linie RE6 aus Hamburg-Altona am Bahnhof Westerland auf Sylt an. Einige Züge sollen aufgrund des etwaigen Ansturms auf einigen Strecken in doppelter Taktung fahren.

Ab Juni können Menschen mit dem 9-Euro-Ticket verreisen. Dass es dabei zu vollen Zügen kommt, haben bereits viele befürchtet. Die LVGN kritisiert den Kapazitätsmangel und bestellt mehr Waggons für Niedersachsen.

Hannover/Bremen – Ab Juni können Reisende das 9-Euro-Ticket in ganz Deutschland nutzen. Bereits im Vorfeld registrierten die Verkehrsbünde eine hohe Nachfrage nach der günstigen Fahrkarte. Mit vollen Zügen wird besonders an den Küstenstrecken Niedersachsens und auf dem Weg nach Sylt gerechnet. Doch unbegrenzt viele Menschen können die Bahnen nicht transportieren. Die Landesnahverkehrsgesellschaft Niedersachsen (LVGN) warnt: Die zusätzlichen Kapazitäten in Zügen sind begrenzt und es gibt auch personelle Probleme.

9-Euro-Ticket ab Juni: bereits sieben Millionen Tickets verkauft

Ab sofort können Reisende das 9-Euro-Ticket zum Reisen durch ganz Deutschland nutzen. Als Teil des Entlastungspaketes 2022 verspricht die Fahrkarte eine einfache Möglichkeit zu sein, für drei Monate die Busse und Bahnen in der zweiten Klasse zu nutzen. Die Verkehrsverbände Deutschlands haben im Vorfeld bereits viele Buchungen registriert. So hat die Deutsche Bahn hat vor gut zehn Tagen mit dem Ticketvorverkauf begonnen – und inzwischen rund sieben Millionen 9-Euro-Tickets verkauft.

9-Euro-Ticket in Niedersachsen: Pfingstwochenende Bewährungsprobe für Bahnstrecken

Die Nachfrage nach dem 9-Euro-Ticket ist hoch. Also verwundert es nicht, wenn Verkehrsverbünde einen Ansturm in ihren Zügen befürchten. Wie Dirk Altwig, Sprecher der LNVG, betonte, sei er gespannt auf das kommende Pfingstwochenende. Das sei die erste gute Gelegenheit, dass auch Touristen das Ticket für Fahrten nutzen könnten. Auch der Tourismusverband Niedersachsen teilte bereits mit, dass ein Schub des Tagestourismus in den Sommermonaten zu erwarten sei.

Ansturm wegen 9-Euro-Ticket: LNVG-Geschäftsführerin beklagt Kapazität der Bahnhöfe

Doch mit dem Aufkommen des 9-Euro-Ticket werden auch die Probleme des Bahnverkehrs deutlich, ist sich LNVG-Geschäftsführerin Carmen Schwabl sicher. „Wir würden uns sehr freuen, wenn das 9-Euro-Ticket hilft, Menschen zum Umstieg auf die Öffis zu bewegen.“, so Schwabl in einer Pressemitteilung. Allerdings habe der Bund hat den Bahnverkehr über Jahrzehnte vernachlässigt. „Es fehlen Bahnstrecken, die Kapazität der Bahnhöfe reicht nicht.“

Es fehlen Bahnstrecken, die Kapazität der Bahnhöfe reicht nicht.

Carmen Schwabl, Geschäftsführerin der LNVG

„Wir haben bestellt, was geht“: Bahnstrecken sollen um Züge und Waggons erweitert werden

Aufgrund der erwarteten Nachfrage hatte die LNVG angekündigt, zusätzliche Kapazitäten in Regionalzügen zu bestellen. So sollen beispielsweise Züge um Wagen verlängert werden. Auf Nachfrage von kreiszeitung.de erklärte Altwig: „Wir haben von den Bahnunternehmen alles bestellt, was geht.“

9-Euro-Ticket: Alle Zugverlängerungen und Extra-Taktungen

  • Regio-S-Bahn Bremen/Niedersachsen: Auf den Linien RS2 (Bremerhaven-Lehe – Twistringen) und RS3 (Bad Zwischenahn – Bremen) sind längere Züge der NordWestBahn an den Wochenenden ab dem 9. Juli möglich.
  • RB 33 (Cuxhaven – Bremerhaven – Buxtehude): Nach der Früh-Hauptverkehrszeit verkehren alle Züge der Eisenbahnen und Verkehrsbetriebe Elbe-Weser im Zeitraum von ca. 8 bis 18 Uhr grundsätzlich in Doppeltraktion. Einzelne Fahrten, v.a. im Schülerverkehr werden in Dreifachtraktion gefahren. 
  • RE 10 (Bad Harzburg – Hannover): An Wochenenden werden hier bei erixx statt Doppeltraktionen Dreifachtraktionen fahren. 
  • RB 38 (Buchholz/Nordheide – Hannover): Einzelne Züge der start Niedersachsen Mitte werden verlängert
  • RB 77 (Hildesheim – Löhne): Für den Freizeitverkehr im Wesertal werden von start Niedersachsen Mitte Doppeltraktionen am Wochenende angeboten. Nach Beginn einer Baumaßnahme zwischen Hameln und Hannover am 02. Juli wird dieses Konzept ausgeweitet und auch unter der Woche vermehrt in Doppeltraktionen gefahren.
  • RE30 (Wolfsburg – Hannover): Ab dem 12. Juni wird der enno an den Wochenenden viele Züge in Doppeltraktionen fahren. Hier ist der Regionalverband Großraum Braunschweig Auftraggeber.
  • RE 15 (Emden – Münster/Westfalen): Montags bis donnerstags zwischen 6 Uhr und 18 Uhr werden alle Fahrten in Doppeltraktion anstelle von Einfachtraktion verkehren. Am Wochenende fahren die Züge der WestfalenBahn hier bereits überwiegend Doppeltraktionen.
  • RB 56 (Bad Bentheim – Neuenhaus): An den Wochenenden 4./5. und 11./12. Juni werden alle Fahrten in Doppeltraktion durchgeführt. Sollte die Nachfrage zeigen, dass das an den Wochenenden sinnvoll ist, wird das Konzept von der Bentheimer Eisenbahn fortgesetzt.
  • RE 50 (Hildesheim – Wolfsburg): Zwischen Hildesheim und Wolfsburg werden auf der RE 50 vereinzelte zusätzliche Doppeltraktionen von enno gefahren. Hier ist der Regionalverband Großraum Braunschweig Auftraggeber.
  • RB 46 (Braunschweig – Herzberg): Doppeltraktionen auf der RB 46 an den Wochenenden 4./5./6. und 11./12. Juni sollen dem Freizeitverkehr in Richtung Braunschweig und Harz Rechnung zu tragen. Sollte die Nachfrage hoch sein, wird das Konzept von DB Regio an den Wochenenden fortgesetzt.

Personalmangel und fehlender Ausbau: 9-Euro-Ticket verdeutlicht Probleme der Bahnstrecken

Und mehr geht eben nicht, ist sich der Pressesprecher sicher. „Wir würden auch gerne zusätzliche Züge fahren lassen, aber dafür ist auf den Gleisen gar kein Platz – und da gibt’s dann auch Grenzen durch das Personal.“ So hatte die Branche vermehrt mit dem Fachkräftemangel zu kämpfen. „Es fehlt Fahrpersonal, Busfahrer, Lokführer, Zugbegleiter. Corona kommt noch obendrauf“, so Altwig.

Wenn das 9-Euro-Ticket kein Strohfeuer sein soll, muss der Bund ab sofort viel mehr Geld ins Schienennetz investieren.

Dirk Altwig, Sprecher der LNVG

Klare Worte findet er auch in Hinblick auf die fehlenden Anbindungen im Schienennetz. „Wenn das 9-Euro-Ticket kein Strohfeuer sein soll, muss der Bund ab sofort viel mehr Geld ins Schienennetz investieren.“ Seiner Meinung nach müssten Strecken ausgebaut, Bahnsteige verlängert und Bahnhöfe vergrößert werden, damit dort mehr Züge fahren können.

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