Überraschung am Morgen
Hecht in der Hofeinfahrt: Erstaunliche Begegnung durch Hochwasser in Niedersachsen
Das Hochwasser sorgt auch für besondere Momente. An der Elbe kam es zu einem kuriosen Treffen zwischen Mensch und Fisch. Die Überraschung war groß.
Bleckede – Was wäre, wenn … dich morgens ein Raubfisch in deiner eigenen Hofeinfahrt begrüßt? So erging es Jörg Strehlow im niedersächsischen Bleckede kürzlich. Denn hinter dem Pfosten seiner Einfahrt stand ein Hecht im Wasser – die Einfahrt war vollkommen überflutet. Was zunächst vielleicht amüsant klingt, hat einen ernsten Hintergrund: Das Hochwasser in Niedersachsen hat vielerorts für Verwüstung und Zerstörung gesorgt. Noch immer kämpfen einige Gemeinden mit erhöhten Pegelständen und das gesamte Ausmaß der Schäden, die das Hochwasser verursacht hat, ist noch nicht abschätzbar.
Im niedersächsischen Bleckede an der Elbe sorgten die Fluten aber auch für diese ungewöhnliche Begegnung am Morgen. „Ich glaube, 2024 hält noch so manche dicke Überraschung für mich bereit“, schreibt der erstaunte Hausherr unter das Foto des Hechts, das er Anfang Januar in den sozialen Medien postete – wo das unerwartete Zusammentreffen von Fisch und Mensch im Hof viel Aufmerksamkeit erntete.
Hochwasser in Niedersachsen – Wenn Mensch und Fisch sich im Hof „Guten Morgen“ sagen
Ob der Hecht wohl vorher wusste, dass er hier ausgerechnet in die Einfahrt eines echten Angel-Profis geschwommen war, der zahlreiche Artikel und Bücher zum Thema Fischen und Nachhaltigkeit verfasst hat? Wollte er möglicherweise deshalb bei Strehlow vorbeischwimmen und ihn einmal aus der Nähe begutachten? Das könnte nur der Hecht selbst beantworten. Doch leider war das Tier recht schnell wieder verschwunden, wie Strehlow auf Nachfrage von kreiszeitung.de erzählt.
Höchstwahrscheinlich war es aber eher Zufall als Kalkül, denn das Tier ist bis jetzt noch nicht wieder in die Hofeinfahrt des szenebekannten Fischkenners zurückgekehrt – auch wenn dort noch immer das Wasser steht. „Es war das erste Mal, seit das Wasser so hoch aufgelaufen war, dass ich mit der Wathose raus zur Straße gelaufen bin, durch die Hofeinfahrt“, sagt Strehlow, der seit Weihnachten auf seinem Grundstück von Wassermassen umschlossen ist. „Ich hatte den Blick nach unten gerichtet und dann sehe ich da diesen Hecht. Er schwamm, aufgestöbert durch meine Bewegung, sachte aus der Hofeinfahrt heraus. Ich habe ihn die nächsten Tage noch gesucht, aber offenbar war die Störung doch so nachhaltig, dass er keine Lust mehr hatte, sich an diesem Platz einzustellen.“
Hecht schwimmt in Niedersachsen auf das Grundstück eines bekannten Angel-Profis
Dem Fisch-Experten zufolge wirkte das Tier leicht angeschlagen – denn auch für Fische ist so ein Hochwasser durchaus ein schwieriges Ereignis. Die Wassermassen bringen größere Steine und Geröll in Bewegung. Diese können die Schleimschicht auf der Haut der Fische verletzen. Bei dem „Hof-Hecht“ mit seinen etwa 60 bis 65 Zentimetern habe es sich um ein „halbstarkes Exemplar“ gehandelt. Hechte können Größen von bis zu 1,30 Meter Länge erreichen.
Das Verhalten des Fischs war aber trotz der widrigen Umstände normal. „Dass er da hinter dem Pfosten stand, hatte aus Sicht des Fisches durchaus System, weil Hechte sehr gerne beruhigte Bereiche aufsuchen. Hinter dem Pfosten hatte sich die Strömung etwas eingekehrt. Da weiß der Hecht von Natur aus, dass er da auch Beutefische findet. Da ist er als Räuber natürlich nicht weit.“ Es mag erstmal erstaunlich sein, dass der Fisch mitten auf dem Grundstück im Wasser stand, aber eigentlich ist es das nicht, erklärt der Experte. In seiner Logik habe der Fisch alles richtig gemacht.
„Der Stress für die Flossenträger ist schon groß genug“ – Angel-Profi aus Niedersachsen lässt Fische bei Hochwasser in Ruhe
Den Hecht in seiner Einfahrt zu fangen und direkt in die Küche zu bringen, diese Idee hat Strehlow – im Gegensatz zu vielen, die sich im Netz zu Wort meldeten – nicht einen Moment lang in Erwägung gezogen. Denn „Fischgerechtigkeit“ ist für den Profi Ehrensache: „Wahre Angler:innen gönnen den Fischen bei außergewöhnlichen Hoch- und Niedrigwassern eine Pause! Der Stress für die Flossenträger ist nun schon groß genug“, schreibt er bei Facebook. Die Angelrute bleibt deshalb auch im Haus, das während der Feiertage vom Wasser der Elbe bedroht war und teilweise ausgeräumt werden musste.
Die Mehrzahl von Strehlows Followern freut sich jedenfalls über den ungewöhnlichen Besuch und findet die Begegnung amüsant. „Ein Hof-Hecht! Manche haben ja einen Hofknecht. Mega cool – ist auf jeden Fall mal was anderes“, schreibt eine Userin. „Der Hecht ist bei Dir zu Besuch und man tötet keine Besucher, auch wenn man manchmal könnte“, findet eine andere Facebook-Nutzerin. „Nicht nur der Mensch hat Stress mit dem Hochwasser, die Tiere auch“, pflichtet man ihr bei.
„Man tötet keine Besucher“ – Netzgemeinde diskutiert über das Zusammentreffen zwischen Mann und Hecht
Und der Stress ist jetzt, da die Pegel langsam wieder sinken, noch lange nicht vorbei. Weder für die Menschen, die ihre Häuser wieder instand setzen müssen, noch für die Fische. „Durch das ablaufende Wasser entsteht eine akute Gefährdungssituation für die Fischbestände an unseren Flüssen“, warnt Strehlow. „Nicht alle Fische haben den Instinkt, Gebiete, die für sie zu tödlichen Fallen werden können, wie zum Beispiel Wiesen, zu verlassen. Einige bleiben in den überfluteten Gebieten zurück, Hechte leider auch.“
Für Strehlow, der auch Unternehmen und Verbände zum Thema Nachhaltigkeit beim Angeln berät, ist es daher klar, dass man die Fische jetzt in Ruhe lassen muss. Zwar beginnt die Schonzeit für Hechte vielerorts erst Mitte Januar oder Anfang Februar. Aber nach den Strapazen der letzten Wochen sollten sich Angler fragen, ob sie den Beginn in diesem Jahr nicht freiwillig vorziehen – um auch in Zukunft noch gesunde Fischbestände in den Flüssen zu sehen.
Auch wenn das Wasser langsam weicht und Evakuierte in ihre Häuser zurückkehren können – die Schäden durch das Hochwasser sind noch nicht überschaubar. Das Land Bremen hat für Hochwasserbetroffene inzwischen Gelder in Millionenhöhe bereitgestellt.
Rubriklistenbild: © Jörg Strehlow/Montage


