Wasserschutzpolizei ermittelt

Nach Havarie von Riesen-Frachter in der Nordsee: Viele Container geortet

Frachter verliert 270 Container in der Nordsee
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Ein Frachter hat 270 Container in der Nordsee verloren.

Den Helder/Bremerhaven - Nach der Havarie eines Riesenfrachters in der Nordsee könnten am Donnerstag weitere der rund 270 über Bord gegangenen Container an Land gespült werden.

Update, Montag, 11.30 Uhr: 

Nach der Havarie des Frachters "MSC Zoe" in der Nordsee ist der größte Teil der über Bord gegangenen Container auf dem Meeresboden geortet worden. 220 der 281 Behälter habe man mit Sonartechnik lokalisiert, teilte das niederländische Ministerium für Infrastruktur und Wasserwirtschaft in der Nacht zum Montag in Den Haag mit. 

18 weitere Behälter seien an Land gespült worden. Die "MSC Zoe" hatte vorige Woche auf dem Weg von Antwerpen nach Bremerhaven die Container verloren, unter ihnen zwei mit gefährlicher Ladung. Ein Behälter mit 250 Säcken voller toxischer Peroxide in Pulverform war aufgebrochen, einige Säcke waren angespült worden. Von dem anderen Gefahrgut-Container mit 1400 Kilo Lithium-Batterien fehlt noch jede Spur. Es bestehe aber keine akute Gefahr für Umwelt, teilte das Ministerium mit.

Der Tonnenleger Norden sucht vor Borkum nach Treibgut. Nachdem die «MSC Zoe», einer der größten Frachter der Welt, mehr als 270 Container in der Nordsee verloren hat, landet immer mehr Treibgut auf der ostfriesischen Insel Borkum an.

Der Tonnenleger Norden sucht vor Borkum nach Treibgut. Nachdem die «MSC Zoe», einer der größten Frachter der Welt, mehr als 270 Container in der Nordsee verloren hat, landet immer mehr Treibgut auf der ostfriesischen Insel Borkum an.

Frachter-Havarie in der Nordsee: Fragen und Antworten zu verlorenen Containern - Darf man Strandgut behalten?

Update, Freitag, 13.11 Uhr:

Nach der Havarie des Riesen-Frachters „MSC Zoe" in der Nordsee ist auf der Insel Borkum erstes Strandgut gefunden worden. „Es hat jetzt die erste Ladung gegeben, die auch in Borkum angespült worden ist", sagte der niedersächsische Umweltminister Olaf Lies (SPD) am Freitag in Hannover. Er rechnet damit, dass noch mehr anlandet: „Die Berechnungen, die gemacht worden sind, zeigen, dass Borkum, Juist und Norderney betroffen sein könnten - die anderen Inseln eher nicht." Die „MSC Zoe" hatte in der Nacht auf Mittwoch in stürmischer See auf dem Weg vom belgischen Antwerpen nach Bremerhaven rund 270 Container verloren, darunter auch welche mit Gefahrgut.

20 Container an Land gespült

Der SPD-Politiker nannte die hohe Zahl der beidseitig vom Schiff gefallenen Container extrem ungewöhnlich: „Bisher sind davon erst 20, die an Land gespült worden sind, gesichtet worden." Es gelte nun, neben Umweltschäden auch Gefahren für Leib und Leben der Anwohner und Urlauber zu verhindern und künftig mit angemessenen technischen Möglichkeiten solche Fälle zu verhindern. Für die Kosten habe der Verursacher - die Reederei - letztlich die Kosten zu tragen.

Weltgrößtes Containerschiff «MSC Zoe» in Hamburg

Strandläufer der Kurverwaltung Borkum hatten am Morgen 30 Fernseher entdeckt, wie der Norddeutsche Rundfunk (NDR) berichtete. Mitarbeiter der Kurverwaltung hätten das Treibgut eingesammelt. Die auf der Insel lebende Landtagsabgeordnete Meta Janssen-Kucz (Grüne) betonte: „Unsere größte Sorge gilt aber dem Gefahrgut, den Peroxiden. Wir hoffen, dass die Rettungskette von Behörden und Reederei funktioniert." Es seien rund 30 Geräte und einige weitere Haushaltsgegenstände angespült worden, bestätigte die Polizei auf Borkum.

Havarie des Riesen-Frachters „MSC Zoe“

Update, Freitag 7.45 Uhr:

Nach der Havarie des Riesen-Frachters „MSC Zoe“ geht an diesem Freitag die Suche nach verloren gegangenen Containern weiter. In deutschen Gewässern wurden bisher zehn Container gesichtet, allerdings konnte nur einer von ihnen gesichert werden, wie das Havariekommando mitteilte. Die anderen neun seien vom Ölüberwachungsflugzeug oder vom Polizeihubschrauber aus sichtbar gewesen. Sie waren allerdings bereits gesunken, als ein Schiff ihre Position erreichte. Bei der Suche nach den Containern unter Wasser soll am Freitag das Spezialschiff „Wega“ vom Bundesamt für Seeschifffahrt und Hydrographie (BSH) helfen.

Bisher wurde an der deutschen Nordseeküste noch keine Container angespült. Am Freitagmorgen werden die Strände von Borkum, Juist und Norderney erneut auf mögliche Anlandungen abgesucht. Auf den niederländischen Wattenmeer-Inseln Vlieland, Terschelling und Ameland wurden laut der niederländischen Küstenwache mehr als 20 Container entdeckt. Zur Unfallursache ermittelt mittlerweile die Wasserschutzpolizei Bremerhaven.

Giftiges Puder im Wattenmeer

Update, Donnerstag 14 Uhr:

An der niederländischen Wattenmeer-Insel Schiermonnikoog ist ein Sack mit einem giftigen Puder angespült worden. Nach ersten Erkenntnissen handelt es sich um einen Stoff aus der Gruppe der Peroxide, meldeten die Behörden der Provinz Friesland am Donnerstag. Die Substanz werde nun untersucht. In dem Sack seien etwa 25 Kilo Puder. Tests sollen ergeben, welcher Stoff genau es ist. Erst dann wisse man, wie stark giftig das Pulver ist.

Die „MSC Zoe“ hatte etwa 270 Container verloren, darunter sollen nach Angaben der niederländischen Küstenwache auch drei Behälter mit dem gefährlichen organischen Peroxide sein. Die Behörden hatten Strandbesucher zur Vorsicht aufgerufen. Sie sollten sich von dem Stoff fernhalten. Die Strände der niederländischen Wattenmeer-Inseln sind inzwischen übersät vom Inhalt der Container, darunter viel Plastik und Verpackungsmaterial.

Originalmeldung:

Nach Angaben des Havariekommandos in Cuxhaven soll mindestens einer von ihnen Gefahrgut enthalten. Die niederländische Küstenwache geht von mindestens drei Containern mit einem gefährlichen Stoff aus.

Besondere Wachsamkeit herrscht an der ostfriesischen Küste, für die Insel Borkum wurde am Mittwochabend eine Warnmeldung abgesetzt. Es sei möglich, dass Container oder freigesetzte Gefahrstoffe an Land gelangten, hieß es in einer über das Warn- und Informationssystem Katwarn verbreiteten Meldung. „Keinesfalls offene Container oder freigesetzte Stoffe berühren“, warnte der Landkreis Leer. „Sollten Sie einen Container entdecken, bitte umgehend der Rettungsleitstelle, Telefon 112, melden.“

Auch für den Schiffsverkehr stellen die Container ein Risiko dar. „In der Nacht war das Ems-Fahrwasser westlich von Borkum vorübergehend gesperrt“, sagte ein Sprecher des Havariekommandos am Donnerstag. So sollte verhindert werden, dass Schiffe im Wasser treibende Container rammen könnten. Die Suche nach den restlichen über Bord gegangenen Containern wurde am Morgen nach Sonnenaufgang wieder aufgenommen.

Endgültige Container-Zählung steht noch aus

„Die endgültige Zahl der Container wird sich erst bei der Zählung in Bremerhaven herausstellen“, sagte der Sprecher. Das könne einige Tage dauern. Das Cuxhavener Havariekommando hatte zuvor nach Rücksprache mit der Besatzung des Frachters erklärt, dass mindestens einer der Container Gefahrgut enthalte - nämlich Dibenzoylperoxid, das in der Kunststoffproduktion eingesetzt werde.

Dibenzoylperoxid dient zur Härtung von Harzen oder als Bleichmittel für Öle, Fette und Wachse. Es wird meist in Pasten- oder Pulverform verkauft und kann im Extremfall bei großer Hitze explodieren.

Der Frachter hatte die Container am Dienstag auf dem Weg vom belgischen Antwerpen nach Bremerhaven in stürmischer See verloren. Zunächst wurden sechs Container in deutschen Gewässern gesichtet. Zusammen mit der Reederei wollte das Havariekommando einen Bergungsplan erarbeiten. Der betroffene Bereich sollte gesichert werden. An den Stränden der Inseln Vlieland, Terschelling und Ameland wurden nach Angaben der niederländischen Küstenwache mehr als 20 Container angespült.

Das Containerschiff legte laut Havariekommando in der Nacht auf Donnerstag in Bremerhaven an. Die Fahrt in den Hafen verlief demnach ohne Zwischenfälle. Die „MSC Zoe“ der Reederei Mediterranean Shipping Company aus der Schweiz ist mit über 394 Metern Länge eines der größten Containerschiffe der Welt. Sie kann mehr als 19 000 Standardcontainer laden.

dpa

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