Kommunen ziehen Konsequenzen

Impfmüdigkeit in Niedersachsen: Tausende Corona-Impfdosen vernichtet

Im Vordergrund sind zwei Impfstoff-Fläschchen von Hersteller Moderna platziert. Im Hintergrund sind Mülltonen und gelbe Säcke zu sehen.
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Ab in den Müll: In Niedersachsen wurden tausende an Corona-Impfstoffdosen entsorgt. Allein die Stadt Osnabrück spricht von rund 100 Fläschchen vom Moderna-Impfstoff, die vernichtet wurden. (kreiszeitung.de-Montage)

Erst waren Corona-Impfstoffe Mangelware, nun gibt es sie in Hülle und Fülle an vielen Orten in Niedersachsen. Die Konsequenz: tausende Dosen müssen entsorgt werden.

Hannover – Eine Nachricht, die noch vor wenigen Monaten kaum denkbar gewesen wäre: In den vergangenen Wochen mussten in Niedersachsen aufgrund zu geringer Nachfrage mehrere tausend Corona-Impfstoffdosen vernichtet werden. Das Impfinteresse sinkt, viele mobile Impfteams bleiben auf ihren Impfdosen sitzen. Das hat nun eine Umfrage der dpa ergeben, an der sich insgesamt 30 Landkreise und kreisfreie Städe in Niedersachsen beteiligt haben.

Tausende Corona-Impfstoffdosen in Niedersachsen müssen vernichtet werden – Bedarf zu gering

Es hätten nur sechs Kommunen in Niedersachsen angegeben, bislang noch keinen Corona-Impfstoff beseitigt zu haben. Der Landkreis Lüneburg ist hiermit schon mal nicht gemeint. Dort mussten nach Angaben einer Sprecherin im Januar 2022 insgesamt 5000 Dosen vernichtet werden. Demgegenüber steht der Landkreis Hameln-Pyrmont, wo zumindest 300 Impfstoff-Fläschchen entsorgt wurden.

Je nach Hersteller sind in einem Impfstoff-Fläschchen mehrere Dosen enthalten. Wenn also beispielsweise die Stadt Osnabrück über rund 100 Fläschchen vom Moderna-Impfstoff berichtet, die entsorgt werden mussten, kann dies bis zu 2000 Dosen für Boosterimpfungen entsprechen.

Interesse an Impfungen gegen Corona geht in Niedersachsen zurück – während die Zahl von Impfstoffdosen-Bestellungen anstieg

Wie die dpa meldet, hätten mehrere Kommunen berichtet, dass vereinzelt Impfstoff entsorgt werden musste. Konkrete Zahlen seien aber nicht genannt worden. Die Entsorgung der Corona-Impfstoffdosen begründen die Landkreise und kreisfreien Städte in Niedersachsen indes mit einem starken Rückgang des Impf-Interesses.

Im Dezember 2021 sei die Nachfrage noch sehr hoch gewesen. Dementsprechend hätten viele Impfstellen präventiv für ausreichend hohe Impfstoff-Kapazitäten im Januar 2022 gesorgt. Hieraus würde letztendlich der Impfstoff-Überschuss resultieren. Gemeint sind eine Vielzahl an Impfstoff-Dosen, die kurzfristig nicht mehr verabreicht werden konnten.

Denn wie einige Kommunen in Niedersachsen angegeben hätten, verliert der Corona-Impfstoff bereits nach einigen Wochen seine Haltbarkeit – und muss danach entsorgt werden.

Corona-Schutzimpfungen in Niedersachsen: Fast 60 Prozent haben ihre Boosterimpfung erhalten

De facto ist die Zahl der täglichen Corona-Schutzimpfungen in Niedersachsen zuletzt auch deutlich gesunken. Wie ein Sprecher des Gesundheitsministeriums mitteilt, waren es beispielsweise am Donnerstag, 3. Februar, rund 29.000 dieser Impfungen. Zum Vergleich: Im Dezember 2021 wurden in Niedersachsen täglich mitunter mehr als 100.000 Impfungen verabreicht.

Wie das Robert Koch-Institut (RKI) mitteilt, haben bislang rund 58 Prozent der Menschen in Niedersachsen bereits ihre Boosterimpfung gegen das Coronavirus erhalten. Den RKI-Angaben zufolge sind rund 75 Prozent zweifach geimpft, 78 Prozent einmal.

Ungleiche Impfstoffdosen-Verteilung in Niedersachsen: Mal wird zu wenig geliefert, mal wird unangekündigt geliefert

Werte, die mit Blick auf die aktuellen Corona-Zahlen nicht reichen dürften, schon gar nicht für eine Herdenimmunität. Denn am Sonntag, 6. Februar, vermeldet das RKI 10.136 Neuinfektionen innerhalb von 24 Stunden für Niedersachsen. Die Sieben-Tage-Inzidenz ist leicht angestiegen, von 1101,6 auf 1102,2. Zudem sind zwei weitere Todesfälle in Zusammenhang mit Corona zu beklagen.

Und dennoch kommt es auch immer wieder zu Kürzungen von Impfstofflieferungen, wie es beispielsweise im Landkreis Verden der Fall ist. Damit der angenommene hohe Bedarf sichergestellt werden kann, sei deswegen mehr bestellt worden. Eine Sprecherin vom Landkreis Lüchow-Dannenberg berichtet der dpa von 3000 Impfdosen, die der Landkreis Ende Dezember unangekündigt erhalten habe.

Diese hätten jedoch über dem tatsächlichen Bedarf gelegen. Und auch andere Landkreise sprechen von Sonderlieferungen von Impfstoffdosen, die sich jedoch nicht an der Nachfrage orientiert hätten, sondern lediglich an der reinen Einwohnerzahl.

Vernichteter Corona-Impfstoff: Keine Meldepflicht in Niedersachsen – Kommunen gehen autonom vor

Eine Meldepflicht für vernichteten Impfstoff gibt es aber nicht. Das betont ein Sprecher vom Niedersächsischen Gesundheitsministerium in Hannover, der aus diesem Grund auch keine konkrete, landesweite Zahl nennen kann. Denn das Land Niedersachsen habe auch keinen direkten Einfluss auf die Impfstoffbestellungen der Kommunen.

Vielmehr würden sich die Landkreise und kreisfreien Städte in Niedersachsen selbst darum bemühen, überschüssigen Impfstoff vor dem Ende des Haltbarkeitsdatums an andere Kommunen, Ärzte oder Apotheken zu verteilen. Hierfür gibt es laut Angaben des Ministeriums einen landesübergreifenden Verteil-Mechanismus. Die Möglichkeit, Impfstoff an Drittländer zu spenden, hätten Länder und Kommunen rechtlich aber nicht.

Niedersachsens Kommunen wollen hohe Zahl an Impfstoffdosen-Vernichtungen entgegenwirken

Wie die Kassenärztliche Vereinigung mitteilt, sind die rund 4800 impfenden Arztpraxen aber ausreichend mit Impfstoff versorgt. Und grundsätzlich würden die Impfstoffbestellungen an die Nachfrage angepasst. Dennoch habe auch hier in Einzelfällen Impfstoff vernichtet werden müssen.

Impfangebot in Niedersachsen vergrößern: Mobile Impfteams wollen auch in kleinere Städte und Dörfer ziehen

Ein Schritt, dem viele Kommunen in Niedersachsen entgegenwirken wollen. Laut dpa hätten diese bereits angegeben, die Bestellmengen besser an den Bedarf anzupassen oder gar zu verringern und das Angebot an Impfmöglichkeiten gegebenenfalls zu reduzieren.

Gleichzeitig soll ein niedrigschwelligeres Angebot als bislang geschaffen werden, um auch die Menschen in Niedersachsen zu erreichen, die sich gegen eine Impfung sträuben. Ein Beispiel hierfür ist die Wesermarsch, wo die mobilen Impfteams noch weiter in die Fläche gehen wollen, um Impfangebote in kleineren Städten oder Dörfern anzubieten.

Hauptsache, es wird die richtige Balance in Niedersachsen gehalten. Damit einerseits genug Menschen geimpft werden können und andererseits nicht erneut tausende Impfstoffdosen in den Müll wandern. Denn damit wäre wahrlich niemandem geholfen. (Stand der Daten: 6. Februar 2022; mit Material der dpa) *kreiszeitung.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA.

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