Nachweis der Corona-Schutzimpfung
Digitaler Impfpass: Hausärzte rechnen mit Chaos
Der digitale Impfnachweis soll noch vor der Hauptreisezeit eingeführt werden. Der Hausärzteverband Schleswig-Holstein befürchtet einen Ansturm auf die Praxen.
Kiel/Berlin - Während in Berlin die ersten Tests mit dem geplanten digitalen Impfnachweis laufen, sieht der Hausärzteverband Schleswig-Holstein mit der Einführung großes Chaos auf die Arztpraxen zurollen. Der Vorsitzende des Verbandes, Thomas, Maurer, erklärt in einem Bericht des NDR, dass es für Geimpfte zeitlich nicht machbar sei, den digitalen Nachweis rechtzeitig zu den Sommerferien zu bekommen. Er befürchtet, dass das Praxissystem „gnadenlos“ zusammenbricht, „wenn die jetzt noch einmal alle in die Praxis kommen“.
| Bundesland: | Schleswig-Holstein |
| Landeshauptstadt: | Kiel |
| Einwohnerzahl: | 2.903.773 (31. Dezember 2019) |
| Regierungschef: | Ministerpräsident Daniel Günther (CDU) |
Den digitalen Impfnachweis soll man sich künftig direkt in Praxen oder Impfzentren erstellen lassen und dann per Smartphone nutzen können. So müsste das Impfbuch nicht immer mitgenommen werden. Auch nachträglich soll das Ausstellen möglich sein. Zum einen werden Impfzentren den Nachweis den bereits Geimpften ausgedruckt per Post zuschicken, der dann in ein Smartphone eingelesen werden kann. Außerdem sollen Ärzte und Apotheken auch nachträglich bereits Geimpften ein Zertifikat ausstellen können.
Digitaler Impfpass: Pilotprojekt gestartet
In Berlin ist am vergangenen Wochenende ein Test für den digitalen Impf-Nachweis gestartet. Das Land nimmt damit an einem bundesweiten Versuch teil. Dieser beinhaltet das Prüfen der Abläufe und, ob das Ausstellen des Ausweises technisch klappt. Bereits in der vergangenen Woche war der Test in Potsdam gestartet. Die Erfahrungen der verschiedenen Bundesländer sollen gesammelt werden.
Wie die Gesundheitsverwaltung erläuterte, werden für den Test nach dem Zufallsprinzip Personen ausgewählt, die an diesem Tag ihre Erstimpfung bekommen haben. Sie würden gebeten, an dem Testlauf teilzunehmen, bei dem ein digitaler Impfnachweis erzeugt werde sowie auch ein entsprechender Ausdruck. Die EU-Länder und das EU-Parlament hatten sich kürzlich auf Details eines europaweiten Zertifikats geeinigt, mit dem man Impfungen, Tests und überstandene Covid-19-Erkrankungen nachweisen kann. Dies soll auch Reisen erleichtern.
Digitaler Impfpass: Einführung des „CovPass“ noch vor Beginn der Hauptreisezeit geplant
Die Ergebnisse des Feldtests sollen noch vor dem bundesweiten Regelstart zur Weiterentwicklung der Anwendung genutzt werden. Die Einführung des freiwilligen Nachweises namens „CovPass“ neben dem gelben Impfheft ist in Deutschland bis Ende Juni geplant, also vor dem Beginn der Hauptreisezeit. Dann würde auch die Suche nach dem eigenen kleinen, gelben Pass wegfallen, denn einer Umfrage zufolge, weiß die Hälfte aller Menschen in Deutschland nicht, wo der Ausweis ist.
Dass alle, die verreisen wollen, rechtzeitig den digitalen Nachweis haben möchten, ist eben das, was der Vorsitzende des Hausärzteverbandes Schleswig-Holstein befürchtet. „Unsere Telefonleitungen sind ja jetzt schon durch Impfwünsche überlastet“, sagte Thomas Maurer dem NDR. Viele Menschen wollen sich beim Hausarzt impfen lassen.
Im schlimmsten Fall müssten die Daten der bereits Geimpften noch einmal per Hand eingegeben werden. Der Bund sei mit seinen Planungen zu spät dran, kritisiert Maurer. Er ärgere sich, dass erst so viele Menschen geimpft werden, bevor „man auf die Idee kommt den digitalen Impfausweis umzusetzen“. Der NDR zitiert das Gesundheitsministerium in Kiel so, dass vom Bund noch keine Informationen vorliegen, wie der digitale Impfausweis nachträglich ausgestellt werden soll.
Corona-Impfpässe derzeit „die wohl heißeste Fälscherware“ - erste Exemplare in Deutschland aufgetaucht
Erst vor wenigen Tagen sind in Deutschland die ersten gefälschten Impfpässe aufgetaucht. Experten rechnen mit steigender Tendenz, auch wenn es laut Bundeskriminalamt (BKA) noch keine bundesweiten Fallzahlen gibt. Impfpässe seien derzeit „die wohl heißeste Fälscherware“, hieß es von der Staatsanwaltschaft München I.
Auf Internetplattformen wie Telegram sei ein gefälschter Impfpass problemlos zu haben. „Die bislang bekannt gewordenen Preise für gefälschte Impfpässe mit eingetragener Covid-19-Impfung liegen je nach Angebot im hohen zweistelligen bis niedrigen dreistelligen Bereich pro Stück“, teilte das Landeskriminalamt LKA mit.
In Nordrhein-Westfalen sind Ermittler mit Durchsuchungen in mehreren Städten gegen mutmaßliche Impfpass-Fälscher vorgegangen. So wurden am Dienstag Beamte in Solingen, Düsseldorf und Dortmund vorstellig, wie das Landeskriminalamt mitteilte. Konkret bestehe gegen drei Beschuldigte der Verdacht, Impfpässe gefälscht und verkauft zu haben.
Entsprechende Dokumente oder Materialien zur Herstellung seien in den durchsuchten Geschäften und Wohnungen jedoch nicht gefunden worden. Allerdings habe man größere Menge Betäubungsmittel und Bargeld in Höhe von etwa 85.000 Euro sichergestellt. In dem Verfahren geht es um den Verdacht der bandenmäßigen Urkundenfälschung, wie das LKA mitteilte. Mit Material der dpa. * kreiszeitung.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA.
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