Alternative zu Erdgas aus Russland

LNG-Terminal in Wilhelmshaven: Belgisches Unternehmen mit konkreten Plänen

LNG-Terminals statt Erdgasversorgung durch Russlands Pipeline Nord Stream 2 – das ist Deutschlands Plan. In Wilhelmshaven will ein Unternehmen aus Belgien aktiv werden.

Wilhelmshaven – Der Ukraine-Krieg führt zu einer großen Abkehr der bisherigen Energieversorgung in Deutschland. Energiesicherheit, aber auch alternative Lieferquellen sind wichtiger denn je. Die Gas-Pipeline Nord Stream 2 ruht vorerst, Erdgas von Russlands Präsident Wladimir Putin scheidet somit aus. Stattdessen soll zukünftig auf Flüssigerdgas (LNG) gesetzt werden. Der Bau eines entsprechenden Terminals ist für das niedersächsische Wilhelmshaven im Gespräch. Der Stand der Dinge.

LNG-Terminal in Wilhelmshaven: Belgische Firma Tree Energy Solutions (TES) bringt sich für Bau ins Gespräch

Der Aufbau des geplanten LNG-Terminals in Wilhelmshaven benötigt Firmen und Unternehmen, die sich dem Vorhaben in Niedersachsen fachkundig annehmen können. Hierfür war bereits der Düsseldorfer Energiekonzern Uniper im Gespräch. Am Mittwoch, 2. März 2022, bietet sich mit der belgischen Firma Tree Energy Solutions (TES) nun das nächste Unternehmen für das milliardenschwere Bauprojekt an.

In Wilhelmshaven soll ein LNG-Terminal entstehen. Abkehr vom russischen Erdgas, nicht zuletzt wegen des Ukraine-Kriegs. Eine Firma aus Belgien hat bereits konkrete Pläne für den Bau. (Archivbild)

Vor dem Hintergrund des von Russlands Präsidenten Wladimir Putin geführten Krieges in der Ukraine und der Debatte über Europas Energiesicherheit, wolle TES das Projekt eines „Green Energy Hubs“ beschleunigen. Ein Betrieb im großen Stil werde ab 2025 angepeilt. Darüber berichtet die dpa.

TES plant Anlage zur Produktion von Wasserstoff in Wilhelmshaven – grünes Gas als Ziel

In Wilhelmshaven, kreisfreie Stadt in Niedersachsen und an der Nordwestküste des Jadebusen gelegen, plant TES bereits eine Anlage zur Produktion von Wasserstoff. Dieses Gas wird in anderen Ländern zunächst mit Ökostrom aus Wasser gewonnen, ein Prozess namens Elektrolyse.

Anschließend kommt es, mit CO₂ gebunden in Erdgas beziehungsweise Methan, auf dem Schiffsweg nach Deutschland. Ein Teil kann in Wasserstoff zurückverwandelt werden, ein Teil des Erdgases ins Versorgungsnetz gegeben werden. Wird bei der späteren Verbrennung kein zusätzliches CO₂ frei, spricht man von grünem Gas.

Ukraine-Krieg: Deutschland rückt von Erdgasversorgung durch Nord Stream 2 ab – und will durch Flüssigerdgas unabhängiger von Russland werden

LNG, die Abkürzung für „Liquefied Natural Gas“, stellt tiefgekühltes, unter hohem Druck verflüssigtes Erdgas dar. Dieses lässt sich in Tankern transportieren und soll in Europa als Alternative zu Gas aus Pipelines wie Nord Stream 2 aufgebaut werden. Bislang bezieht die Europäische Union (EU) laut dpa-Informationen knapp die Hälfte ihres herkömmlichen Erdgasbedarfs aus Russland.

Doch soll diese hohe Abhängigkeit nun so schnell wie möglich verringert werden. Tatsächlich läuft das Vorhaben in Wilhelmshaven, also der Bau eines LNG-Terminals, laut TES grundsätzlich schon seit 2019. Jetzt solle es „schneller eine bedeutende Rolle bei der Energieversorgung Deutschlands spielen“.

Kanzler Olaf Scholz (SPD) verkündet Bau von zwei LNG-Terminals: Wilhelmshaven, Stade und Brunsbüttel im Gespräch

Eigentlich war der Import von grünem Wasserstoff das Hauptziel. Dieser soll als Speichermedium für elektrische Energie bei Netzausbau und Energiewende dienen. Aber auch für die Produktion von Co2-armem Stahl sowie als Treibstoff für Brennstoffzellen. Nach TES soll übergangsweise zudem LNG aufgenommen werden.

Als Reaktion auf den russischen Angriff auf die Ukraine und wegen unsicherer Rohstofflieferungen hatte Kanzler Olaf Scholz (SPD) bereits den Bau zweiter LNG-Terminals angekündigt. Neben Wilhelmshaven ist in Niedersachsen hierfür auch Stade im Gespräch. Als weiterer Standort wurde das schleswig-holsteinische Brunsbüttel auserkoren.

LNG-Terminal in Wilhelmshaven: Düsseldorfer Energieversorger Uniper will Pläne wieder aufnehmen und forcieren

Niedersachsens Ministerpräsident Stephan Weil (SPD) hatte sich für den Bau des LNG-Terminals in Wilhelmshaven ausgesprochen, auch der Wirtschaftsminister des Landes, Bernd Althusmann (CDU), plädiert hierfür. Das Unternehmen Uniper hatte in der Vergangenheit bereits einige Vorarbeiten in Wilhelmshaven unternommen. Hierbei sei die mögliche Errichtung eines LNG-Terminals überprüft worden.

Aufgrund einer perspektivisch gesehenen zu geringen Nachfrage nach LNG wurden die Pläne von Uniper zwischenzeitlich jedoch wieder verworfen. Vor dem Hintergrund des Ukraine-Kriegs könnte sich das nun wieder ändern. Denn das Unternehmen würde bereits die Möglichkeit prüfen, die LNG-Terminal-Planungen für Wilhelmshaven wieder aufzunehmen.

Niedersachsens Umweltminister Olaf Lies (SPD) ruft Taskforces „LNG Wilhelmshaven“ und „sichere Energieversorgung“ ins Leben

Indes sieht Niedersachsens Umweltminister Olaf Lies (SPD) den schnellen Bau eines LNG-Terminals als große Herausforderung an. Schließlich müssten dafür Planungs- und Genehmigungsverfahren deutlich beschleunigt werden. Das sagte Lies am Mittwoch, 2. März, gegebenüber dem Sender NDR Info.

Tags zuvor hatte Olaf Lies verkündet, dass hinsichtlich der Energieversorgung in Niedersachsen zwei Taskforces ins Leben gerufen werden. Eine hat sich dabei das „LNG Wilhelmshaven“ auf die Fahne geschrieben, die andere Taskforce ist für „sichere Energieversorgung“ zuständig.

LNG-Terminals in Brunsbüttel und Wilhelmshaven sollen bis 2024 umsetzbar seien – in Stade frühestens 2026

Ein Vorgriff auf die nähere Zukunft, die mit den Großprojekten in Form der LNG-Terminals aufwarten soll. Laut Lies sei das Vorhaben in Wilhelmshaven beziehungsweise Brunsbüttel bis 2024 umsetzbar. In Stade wiederum wäre es erst 2026 möglich – frühestens.

„Stade ist weiterhin im System“, wollte Lies keine Zweifel an dem Standort für ein mögliches LNG-Terminal aufkommen lassen. Auch später würde Stade als Standort für grünes Gas infrage kommen. Nun soll ein Expertengremium die Planungen für die LNG-Terminals unterstützen. Darauf verweist das Umweltministerium. (mit Material der dpa) * kreiszeitung.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA.

Rubriklistenbild: © Carmen Jaspersen/dpa

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