Energiekrise in Deutschland
LNG-Terminals auf dem Vormarsch: US-Konzern steigt in Stade ein
LNG-Terminals sollen die Energiewende bringen und Deutschland aus der Abhängigkeit von Russland lösen. Im niedersächsischen Stade nimmt der Plan Form an.
Stade – Der Krieg in der Ukraine wirft weiter seine Schatten nach Deutschland. Während in den vergangenen Wochen immer deutlicher wurde, dass die Bundesrepublik in starker Abhängigkeit vom russischen Gas steht, bemüht sich die Bundesregierung von Kanzler Olaf Scholz (SPD) derweil um Alternativen. Mit einem Entlastungspaket 2022 soll Unterstützung für die Bürger geschaffen werden. Um die Abhängigkeit von Russland allerdings abzubauen, sollen in Deutschland LNG-Terminals entstehen. Ein möglicher Standort: Stade in Niedersachsen.
LNG-Terminals in Niedersachsen: Standort in Stade nimmt Gestalt an
Während Wirtschaftsminister Robert Habeck (Grüne) sein Osterpaket 2022 vorgestellt hat und bereits Deutschlands Energieversorgung von Morgen plant, sollen die LNG-Terminals in Niedersachsen Wege für neue Energielieferanten erschließen. Nun gibt es in Niedersachsen Fortschritte: Das US-Chemieunternehmen Dow ist das Konsortium des geplanten Import-Terminals für Flüssigerdgas (LNG) in Stade eingestiegen und ist neuer Minderheitsgesellschafter bei Hanseatic Energy Hub (HEH). Mittlerweile wurde auch ein Genehmigungsantrag bei den Behörden eingereicht und ein Zeitplan für den Bau des LNG-Terminals abgesteckt.
Das ist Dow
Dow betreibt 106 Produktionsstandorte in 31 Ländern und beschäftigt rund 35.700 Mitarbeiter. Nach eigenen Angaben ist das Unternehmen seit 60 Jahren in Deutschland aktiv – die Bundesrepublik gilt als einer der wichtigsten Produktionsstandorte und Absatzmärkte weltweit. In Deutschland werden derzeit 13 Standorte unterhalten, an denen 3600 Mitarbeiter tätig sind. Der Standort in Stade gilt als einer der größten bundesweit.
Demnach soll das LNG-Terminal bis 2026 in unmittelbarer Nachbarschaft von Dow im Industriepark Stade entstehen und 13,3 Milliarden Kubikmeter Flüssigerdgas umsetzen. Die Kooperation mit Dow bietet für das Vorhaben zudem auch am Standort viele Vorteile. Da LNG bei minus 162 Grad per Schiff transportiert und anschließend wieder erwärmt sowie in Gas umgewandelt wird, um ins Energienetz eingespeist zu werden, ist Wärme notwendig. Diese soll für den Prozess aus industrielle Abwärme vom Dow-Standort kommen. So soll eine emissionsfreie Rückumwandlung des LNG möglich sein.
Die Pläne in Niedersachsen sind derweil ambitioniert: Ministerpräsident Stephan Weil (SPD) kündigte an, dass er bis zu 40 Prozent der russischen Gaslieferungen an Deutschland durch Import-Terminals für verflüssigtes Erdgas (LNG) ersetzen will.
LNG-Terminal als Baustein der Energiewende: Antrag beim Staatlichen Gewerbeaufsichtsamt Lüneburg gestellt
Katja Wodjereck, Präsidentin und General Managerin für Dow Deutschland, Österreich und die Schweiz, sagte über die geplante Partnerschaft und das LNG-Terminal als wichtige Brückentechnologie und Baustein der Energiewende: „Das Flüssiggasterminal wird von Anfang an so geplant, dass es die Kapazitäten für LNG erweitern könnte und potenziell andere Flüssiggase anlanden kann.“ Hanseatic Energy Hub hat diesbezüglich am Montag, dem 11. April, beim Staatlichen Gewerbeaufsichtsamt Lüneburg den Antrag auf Genehmigung eines LNG-Terminals am Standort Stade eingereicht. Das geplante Terminal solle im Bereich des Industrieparks im Norden der Stadt Stade (Stade-Bützfleth) entstehen.
Das HEH-Konsortium ist mit Dow auf insgesamt vier Gesellschafter angewachsen. Die weiteren Mitglieder sind: der Gasinfrastrukturbetreiber Fluxys (Belgien), die Partners Group (Schweiz) und die Buss-Gruppe aus Hamburg. Erste Abnehmer für das Flüssigerdgas gibt es ebenfalls schon. Ende März war mit dem Energieversorger EnBW eine Absichtserklärung über die Abnahmen von jährlich mindestens drei Milliarden Kubikmeter Flüssigerdgas unterzeichnet worden. Neben Stade sind auch in Wilhelmshaven und Brunsbüttel LNG-Terminals geplant. Beide Standorte wurden von der Regierung schon bestätigt. (Mit Material der dpa) * kreiszeitung.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA.