An der Nordseeküste

Mehr als Wattenmeer, Nordsee und Tourismus: Das ist Ostfriesland

Landschaft mit Blick über Greetsiel zur Nordsee
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Ostfriesland hat einiges zu bieten. Unter anderem den Ort Greetsiel.

2,7 Millionen Gäste entdecken jährlich Ostfrieslands einzigartige Mischung aus Nordsee-Idylle, jahrhundertealter Teekultur und lebendigen Traditionen.

Ostfriesland zieht jährlich über 2,7 Millionen Gäste an, die zusammen knapp 12,5 Millionen Übernachtungen generieren. Die Region zwischen Nordsee und Binnenland hat sich zu einem der beliebtesten Reiseziele Niedersachsens entwickelt, wobei die Zahlen 2024 bereits 98 Prozent des Vor-Corona-Niveaus von 2019 erreichten. Doch was macht Ostfriesland so besonders, dass Menschen aus ganz Europa hierher reisen?

Geografische LageNordwesten Niedersachsens, entlang der Nordseeküste
VerwaltungsgliederungLandkreise Aurich, Leer, Wittmund und kreisfreie Stadt Emden
FlächeEtwa 3.144 Quadratkilometer
EinwohnerzahlRund 465.000 Einwohner
Bevölkerungsreichster KreisLandkreis Aurich mit ca. 189.000 Einwohnern

Das Wattenmeer der Nordsee erstreckt sich über etwa 11.500 Quadratkilometer und gilt als eines der artenreichsten Ökosysteme Europas. Die schlickreichen Wattflächen mit ihren Prielen, Sandbänke, Dünen und Salzwiesen beherbergen allein in den Salzwiesen rund 2.300 Arten, während die marinen und brackwasserhaltigen Zonen weitere 2.700 Arten beheimaten. Diese einzigartige Landschaft, die durch Wind, Wellen, Gezeiten, Sonne, Eis und Salz geprägt wird, bildet das Herzstück des ostfriesischen Tourismus. Die endlosen feinen Sandstrände der Nordseeküste und das gesunde Hochseeklima schaffen ideale Bedingungen für Erholung.

Besondere Region Ostfriesland: Beliebtes Reiseziel mit 2,7 Millionen Gästen jährlich

Seit rund 300 Jahren prägt die Teekultur das gesellschaftliche Leben in Ostfriesland. Die ostfriesische Teezeremonie, bei der Kluntje (Kandiszucker) und Wulkje (Sahne) eine zentrale Rolle spielen, wurde 2016 von der Deutschen UNESCO-Kommission in das Bundesweite Verzeichnis des Immateriellen Kulturerbes aufgenommen. Die Tradition reicht bis ins frühe 17. Jahrhundert zurück, als erstmals Tee durch ostfriesische Schiffer nach Europa gelangte.

Fische, Würmer, Muscheln – diese Tiere leben im Wattenmeer

Gewöhnlicher Schweinswal (Phocoena phocoena) Nordsee Wattenmeer
Die putzigen Schweinswale sind Säugetiere. Sie fangen im Flachwasser mithilfe ihres Ultraschall-Radars Fische – am liebsten fetthaltige Arten wie Hering und Makrele. © Willi Rolfes/IMAGO
Gewöhnlicher Schweinswal (Phocoena phocoena) Nordsee
Weltweit gibt es sechs Arten von Schweinswalen. Der Bestand geht stark zurück, vermutlich durch Meeresverschmutzung und intensive Fischerei.  © Willi Rolfes/IMAGO
katzenhai Nordsee
Selbst Haie gibt es im Wattenmeer. Der Kleine Katzenhai wird etwa 60 bis 100 Zentimeter lang. Sie ernähren sich vor allem von Kleinfischen.  © oceans-image/IMAGO
Nagelrochen Nordsee wattenmeer
Der Nagelrochen gleitet mit seinen „Flügeln“ elegant durchs Wasser. Er ernährt sich von Kreb­sen und Klein­fi­schen, die er am Mee­res­bo­den auf­stö­bert. © F. Hecker/IMAGO
Europaeischer Stoer Nordsee
Seit 2008 versucht man, den Europäischen Stör wieder im Norden anzusiedeln. Er kam einst zum Laichen ins Wattenmeer – ehe der Mensch seinen Lebensraum zerstörte. © blickwinkel/IMAGO
Steinpicker Nordsee
Der Steinpicker wirkt mit seinem kleinen Maul oft etwas unbeholfen. Er ist aber ein er­folg­rei­cher, nächtlicher Jä­ger. © blickwinkel/IMAGO
Seeskorpion (Taurulus bubalis) in der Nordsee
Beim Seeskorpion handelt es sich – entgegen dem Namen – um einen Fisch. Als Lauerjäger versteckt er sich zwischen Steinen und Algen und wartet auf Beute. ©  IMAGO / oceans-image
Nordsee Nordseeschnäpel
Der Nordseeschnäpel ist ein Wanderfisch, wie Lachs oder Forelle schwimmt er flussaufwärts zum Laichen. Inzwischen gibt es nur noch eine Population im Norden. © blickwinkel/IMAGO
Junger Seehund (Phoca vitulina) in der Nordsee
Auch Meeressäuger wie den Seehund trifft man in der Nordsee an. Die Jungtiere werden im Juni auf Sandbänken geboren und können sofort schwimmen. © imageBROKER/IMAGO
Heuler am Strand Nordsee
Nicht alle Baby-Seehunde sind „Heuler“. Diese Bezeichnung erhalten sie nur, wenn sie ihre Mütter endgültig verloren haben. © Frank Fichtmüller/IMAGO
Kegelrobbe (Halichoerus grypus) am Nordstrand von Helgoland
Auch die Kegelrobbe mag es an der Nordsee. Ihren Namen hat sie wegen ihres länglichen Kopfes erhalten. © Stanislav Belicka/IMAGO
Kegelrobbe (Halichoerus grypus) mit einem verwickelten Netz Nordsee
Verloren gegangene Fischernetze, sogenannte „Geisternetze“, sind für Meerestiere wie die Kegelrobbe ein Problem. © Kevin Sawford/IMAGO
Nahaufnahme einer Kegelrobbe (Halichoerus grypus), Kegelrobbe frisst Plattfisch Gewöhnliche Scholle
Ausgewachsene Kegelrobben brauchen etwa zehn Kilo Fisch – auch Scholle steht auf ihrem Speiseplan. © imageBROKER/IMAGO
Plattfisch Scholle oder Goldbutt
Die Scholle ist als auch Speisefisch für Menschen von sehr großer wirtschaftlicher Bedeutung. Im Wattenmeer wird sie aber nicht mehr gefischt. © imagebroker/IMAGO
Ohrenqualle, Ohren-Qualle
Auch Quallen sind natürlich nicht wegzudenken, wenn man an der Nordsee ist. Die anmutigen Schwimmer bestehen zu 98 Prozent aus Wasser. © imago stock&people via www.imago-images.de
Feuerqualle im Meer vor Borkum
Gefährliche Schönheit: eine Feuerqualle im Meer vor Borkum. Eine Berührung mit ih­ren durch­sich­ti­gen Ten­ta­keln ist schmerzhaft. © Ute Grabowsky/IMAGO
Wattwurm Wattwurmhaufen Nordsee
Diese „Spaghettihaufen“ sind die Werke des Wattwurms. © blickwinkel/IMAGO
Wattwanderung bei Amrum, ein Wattwurm in der Hand eines Wattwanderers
Der Wattwurm: Ohne ihn wäre der Wattboden häufchenlos und viel weniger belebt. Er gräbt alles schön um, wovon viele andere Arten profitieren. © P.Nowack/IMAGO
Gemeiner Seeringelwurm
Weniger bekannt als sein Kollege ist der Seeringelwurm. Er ist ein Multitalent und kann Plankton fangen, den Wattboden abweiden oder kleinere Watttiere fressen. © blickwinkel/IMAGO
Nordseegarnele Nordseekrabbe
Die Nordseegarnele oder Nordseekrabbe ist eine der wichtigsten Arten im Wattenmeer – als Räuber und als Beute. © Marc Schüler/IMAGO
Nordseegarnele Nordseekrabbe tarnt sich im Sand
Die meisten kennen sie wohl rosafarben und gekocht. Aber eigentlich sind sie sandfarben – und Meister der Tarnung. © blickwinkel/IMAGO
Seestern am Nordsee-Strand
Ein Seestern am Nordsee-Strand. Er gehört zur Gattung der Stachelhäuter, wie der Seeigel oder die Seegurke. © imageBROKER/IMAGO
Herzigel (Spatangoida) auf Spikeroog
Ein Herzseeigel auf Spikeroog. Lebende Herzigel sind rundum mit einem feinen Stachelpelz bedeckt. Sie leben im Meeresboden. © Bäsemann/IMAGO
Miesmuscheln
Miesmuscheln haben ihren Namen vom mittelhochdeutschen Wort „mies“ = Moos, da sie braune Fäden spinnen. © CHROMORANGE/IMAGO
Seepocken (Balanus spec.) auf Treibgut am Strand Nordsee
Seepocken auf Treibgut am Strand Nordsee. Es handelt sich um eine Krebsart, die statt Beinen festsitzende „Rankenfüße“ haben. © blickwinkel/IMAGO
Nordsee-Einsiedlerkrebs
Der Nordsee-Einsiedlerkrebs lebt oft im Inneren von Meeresschneckenhäusern. Einsiedler sind Aasfresser und Räuber. © IMAGO/D. Maehrmann
Gemeine Strandkrabbe Nordseeküste Schleswig-Holstein
Die Gemeine Strandkrabbe fühlt sich an der Nordseeküste ebenfalls wohl. Sie ist der prominenteste Krebs im Watt. © Günter Fischer/IMAGO
Silbermöwe (Larus argentatus) beim Töten und Fressen von Strandkrabbe
Die Silbermöwe ist ebenfalls ein typisches Tier im Watt. Hier lässt sie sich eine Strandkrabbe schmecken. © IMAGO/imageBROKER
Strandkrabben fressen Scheidenmuschel
Strandkrabben fressen wiederum gerne Scheidenmuscheln. © blickwinkel/IMAGO
Schwertförmige Scheidenmuschel Amrum Nordfriesische Inseln Schleswig Holstein
Die Schwertförmige Scheidenmuschel ist eine eingeschleppte Art. Erst seit den 1970ern kommt sie im Watt vor. © imago stock&people
Sandklaffmuschel kriecht am Strand
Anders die Sandklaffmuschel. Sie wurde schon von den reisefreudigen Wikingern ins Wattenmeer verschleppt. © W. Willner/IMAGO
Tote Mannshand Nordsee
Die „Tote Mannshand“ ist eine Weichkoralle – mit einem sehr morbiden Namen. © blickwinkel/IMAGO

Ostfriesland beherbergt knapp die Hälfte der ursprünglich 174 Windmühlen, die um 1900 die Region prägten. Zu den bekanntesten Exemplaren zählen die Greetsieler Zwillingsmühlen und die Hager Mühle, die mit über 30 Metern als höchste Windmühle Deutschlands ihrer Bauart gilt. Die Auricher Stiftsmühle ist mit fünf Stockwerken die höchste noch funktionsfähige Mühle der Region. Viele dieser historischen Bauwerke wurden liebevoll restauriert und dienen heute als Cafés oder Museen.

Ostfriesisches Plattdeutsch: Regionale Sprache mit lebendiger Tradition

Das ostfriesische Plattdeutsch gehört zu den Regionen, in denen das Niederdeutsche noch eine relativ starke Stellung hat. Als anerkannte Regional- und Minderheitensprache wird Plattdeutsch in Ostfriesland sowohl im Berufs- als auch im Alltagsleben praktiziert. Charakteristisch für das ostfriesische Platt ist der häufige Gebrauch von Diminutiven wie „Kluntje“ für Kandiszucker. Niederdeutsche Bühnen und Theater sorgen dafür, dass diese kulturelle Tradition lebendig bleibt und Besuchern authentische Einblicke in die regionale Identität bietet.

Der Pilsumer Leuchtturm hat durch seine gelb-roten Streifen und die „Otto“-Filme wahren Kultstatus erreicht. Der etwa elf Meter hohe Turm, der Ende des 19. Jahrhunderts als eines von fünf Leitfeuern an der ostfriesischen Nordseeküste fertiggestellt wurde, dient heute nicht nur als Sehenswürdigkeit, sondern seit 2004 auch als Trauzimmer für rund 200 Paare jährlich. Städte wie Emden mit ihrer 1.200-jährigen Stadtgeschichte und der Kunsthalle sowie Leer als „Tor Ostfrieslands“ ergänzen das touristische Angebot mit kulturellen Highlights.

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