Von Schlössern und Ruinen

Mythen und Legenden: Das sind die fünf geheimnisvollsten Orte in Niedersachsen

Niedersachsen hat mehr zu bieten als Städte, Watt und Landschaften. Es ist ein Land voller Mythen, Legenden und unentdeckter Orte.

Hannover – So bekannte mythische Orte wie Loch Ness in Schottland gibt es in Niedersachsen nicht. Wer es geheimnisvoll mag, muss aber nicht bis nach Schottland reisen, denn auch in Niedersachsen gibt es Orte mit Legenden. Reizvoll sind sie, weil diese Orte teilweise sehr alte Geschichten erzählen. Eine Auswahl an Lost Places sowie Plätzen, um die sich Mythen und Legenden ranken.

Der wohl bekannteste verlassene Ort Niedersachsens sind die längst stillgelegten, riesigen Produktionshallen des Continental Werks in Hannover. Auf dem Tui-Reiseblog heißt es: „Auf dem gigantischen Komplex wurden hundert Jahre lang Reifen und andere Gummiteile gefertigt. Im Jahr 1999 wurde der Betrieb in den Produktionshallen eingestellt. Die meisten Gebäudeteile wurden bereits abgerissen, andere stehen unter Denkmalschutz. Heute sind die noch erhaltenen Gebäude verrammelt und Kameras überwachen das Areal. Eingeschlagene Scheiben, ein löcheriges Dach, Graffiti auf fünf Etagen – eine etwas gruselige, aber auch echt coole Location.“

Mythen und Legenden: Das sind geheimnisvollsten Orte in Niedersachsen

Ein Hauch von mythischen Insel Alcatraz weht in Celle. Die ehemalige niedersächsische JVA steht seit 2014 leer. Dicke und hohen Gefängnismauern, gepaart mit Sicherheitsschleusen und Überwachungskameras sind noch vorhanden. Das große Gelände der ehemaligen JVA Celle mit Zellentrakt, Wachturm, Innenhof und Verwaltungsgebäuden hat eine lange Geschichte und erzählt von legendäre Fluchten. Gebaut wurde das Gebäude 1860. Seit der Schließung ist der Komplex verlassen und ungenutzt.

Im Leinebergland soll seit vielen Jahrhunderten der Räuber Lipphold in einer Höhle im Reuberg in der Nähe von Brunkensen wohnen. Mit seinen schrecklichen Taten terrorisierte er das Glenetal, so die Legende. Damit man ihn nicht finden konnte, schlug er seinem Pferd die Hufeisen verkehrt herum an. Jahrelang hielt er in seiner Höhlenburg die Tochter des Bürgermeisters von Alfeld gefangen.

Ob sich in den Felsspalten der Lippholdhöhle tatsächlich mal ein Räuber versteckt hat, kann nicht zweifelsfrei beantwortet werden. Spuren in der Höhle deuten aber darauf hin, dass die Höhle zwischenzeitlich als Unterkunft benutzt wurde. Heute ist sie ein beliebtes Ausflugsziel, schreibt Reisereporter.de.

„Schloss Hämelschenburg“, ein Bau der Weserrenaissance, im Weserbergland zwischen Hameln und Bad Pyrmont in Niedersachsen gelegen. Schloss-Führungen sind möglich.

Was hat es mit der Redewendung „Über den Deister gehen“ auf sich? Bekannter ist vermutlich die Redewendung „Über den Jordan gehen“. Inhaltlich bedeuten beide so viel wie sterben. Ihren Ursprung hat die Deister-Redewendung möglicherweise in einer Felsklippe – der Alten Taufe. Der rund drei Meter lange Findling hat an der Oberfläche eine große Einkerbung, die an ein Taufbecken erinnert, schreibt die Seite Reisereporter.de.

Die Geschichten, die sich um den Steinblock ranken, sind martialisch. Legenden zufolge wurde er als Opferstein genutzt – daher soll auch die Redewendung stammen. Das ist allerdings ebenso wenig belegt wie die Theorie, dass an dem Stein nach Einführung des Christentums Zwangstaufen stattfanden.

Märchen von Frau Holle hat Ursprung im legendären Schloss in Niedersachsen

Der fünfte Tipp für einen mystischen Ort beginnt mit einem Märchen der Gebrüder Grimm. Angeblich die Besitzerin des Wasserschlosses Hämelschenburg im Emmerthal als Vorbild für die mildtätige Frau Holle im gleichnamigen Märchen gedient haben. Von 1518 bis 1613 ließen Jürgen von Klencke und seine Frau Anna von Holle es als Teil ihres Ritterguts bauen.

Es gibt aber auch die dunkle Seite, die sich um das Märchenschloss rankt. 1765 soll eine schwangere Frau am Tor geklopft haben. Sie soll aber abgewiesen worden sein. Stattdessen brachte sie ihr Kind unter der Schlossbrücke zur Welt. Aus Rache belegte sie das Schloss mit einem Fluch: „Auf der Burg sollten keine Mädchen mehr geboren werden, und kein Sohn sollte älter als sein Vater werden.“

Pikant: Die Ahnentafel der Familie von Klencke belegt, dass es tatsächlich 100 Jahre lang keine Mädchen auf dem Schloss gab und die Söhne ihren Vater nicht überlebten. Die Hämelschenburg ist bis heute im Besitz der Familie Klenke. Im Rahmen einer Führung kann man aber einige der historischen Räume und prachtvollen Säle besichtigen und mehr über das Leben im Schloss erfahren.

Tipps zum Betreten der geheimnisvollsten Orte in Niedersachsen

Bevor Besucher sich auf Entdeckungsreise begeben, muss ihnen klar sein, dass es einige Spielregeln gibt. Obwohl die Orte völlig verlassen aussehen, sind viele Lost Places in staatlichem oder nicht öffentlichem Besitz. Das einfache Betreten kann daher rechtlich gesehen einen Hausfriedensbruch darstellen. Auf der sicheren Seite sind Besucher, wenn sie sich eine Genehmigung einholen. An bekannteren Lost Places werden teilweise auch geplante Führungen angeboten, in deren Rahmen ein Betreten erlaubt ist.

Rubriklistenbild: © Peter Steffen/dpa

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