„Eher bewölkt als heiter“

Pleiten und knappe Kassen: Viele Gastronomen in Niedersachsen fürchten um ihre Existenz

Das Gastgewerbe in Niedersachsen ist weiter in Krisenstimmung: Gestiegene Preise für Energie, Lebensmittel und Personal belasten einer Umfrage zufolge viele Betriebe. 

Hannover – Die Krise in Niedersachsens Gastronomie verschärft sich weiter. Aufgrund von steigenden Energie-, Lebensmittel und Personalkosten sowie die Rückkehr auf den Mehrwertsteuersatz von 19 Prozent für in der Gastronomie verzehrte Speisen bewirkten, dass viele Betreiber sich gezwungen sahen, ihre Preise anzuheben. Nicht nur in Niedersachsens Gastro-Betrieben klettern darum die Preise weiter. Die Konsequenz: Viele Gäste bleiben aus, weil sie sich den Restaurantbesuch nicht mehr leisten können.

Restaurant-Schließungen wegen erhöhter Mehrwertsteuer

IHK-Umfrage: Stimmung in Niedersachsens Gastronomie „eher bewölkt als heiter“ 

Bereits im vergangenen Winter warnte die DEHOGA, dass bis zu 1000 Betrieben in Niedersachsen das Aus drohen könnte. Viele Gastronomen in Niedersachsen fürchten weiter um ihre Existenz, zeigt eine aktuelle Umfrage der Industrie- und Handelskammer (IHK) Niedersachsen, die Lage sei „eher bewölkt als heiter“.

„Die Stimmung in der Gastronomie in Niedersachsen ist eher verhalten“, erklärt Kerstin van der Toorn, Tourismussprecherin der IHK Niedersachsen im Gespräch mit IPPEN.MEDIA. Die gesamtwirtschaftliche Situation wirke sich natürlich auch auf gastwirtschaftliche Betriebe aus: „Hohe Kosten und die fehlende Planungssicherheit machen es den Betreibern schwer“, so van der Toorn.

Steigende Kosten, fehlendes Personal, enorme Bürokratie: Kleine Betriebe „in echten Turbulenzen“

Auf der einen Seite ständen steigende Ausgaben für Energie, Lebensmittel und Personal. Auf der anderen Seite gebe es nach wie vor einen großen Personalmangel, der zu eingeschränkten Öffnungszeiten und damit verbundenen Umsatzeinbussen führe. „Obendrauf kommt die immer größer werdende Bürokratie, die bei dünner Personaldecke auch noch Zeit frisst“, berichtet die IHKN-Sprecherin. All diese Faktoren belasteten vor allem die kleineren Gastronomien, da Großbetriebe und Ketten ganz andere Möglichkeiten hätten, sich zu organsieren. „Viele kleinere Gaststätten kommen in echte Turbulenzen“, sagt van der Toorn.

Fünf Gerichte, die Sie Küchenchefs zufolge nie im Restaurant bestellen sollten

Meeresfrüchte Garnelen Spießchen Teller.
Sie essen gerne Meeresfrüchte, wie beispielsweise Garnelen oder Shrimps? Oder darf es gerne auch einmal ein lecker zubereiteter Fisch sein? Fein, greifen Sie im Restaurant ruhig zu. Aber seien Sie skeptisch bei Tagesgerichten oder Spezialgerichten – ganz besonders montags. © Oleksandr Latkun/imageBROKER/Imago
Ansicht von oben Meeresfrüchte mit Zitronenaustern.
„Spezialgerichte sind bei Restaurants knifflig. Es könnte das frischeste und leckerste Essen sein, aber in manchen Restaurants sind diese Tagesgerichte eine Notlösung, um die Kühlschränke zu leeren.“, sagt Silvia Barban, Chefköchin bei Aita und LaRina gegenüber Business Insider. © Oleksandr Latkun/imageBROKER/Imagp
Beef Strip Steak medium rare auf einem Teller.
Auch auf gut durchgebratenes Fleisch sollten Sie im Restaurant nach Möglichkeit besser verzichten. Denn bei „medium rare“ (siehe Foto), also nicht vollständig durchgebraten, gebe man sich mehr Mühe. Außerdem ist nicht gänzlich durchgebratenes Fleisch häufig frischer als durchgebratenes. © Aleksei Isachenko/imageBROKER/Imago
Scheiben eines gegrillten Steaks auf einem Teller.
Meint zumindest James Briscione, Director of Culinary Research am Institute of Culinary Education, im Gespräch mit Business Insider: „Meistens heben sie die schlechteren Stücke (dünne, härtere Stücke) auf, um sie gut durchzubraten. Allgemein wird sich bei gut durchgebratenem Fleisch weniger Mühe gegeben.“ © Bernd Juergens/Imago
Weißer Trüffel.
Haben Sie im Restaurant schon einmal ein Gericht mit Trüffelöl bestellt? Dem Bericht des Business Insiders zufolge besteht dieses nur in seltenen Fällen aus echten Trüffeln. Vielmehr sei es ein Gemisch aus Chemikalien, die nach Trüffeln schmecken sollen. © Fotografie Lisa + Wilfried Bahnmüller/imageBROKER/Imago
Trüffel und Trüffelöl.
James Briscione rät von Trüffelöl-Speisen ab: „Die Chancen stehen gut, dass der nachgemachte Trüffel-Geschmack auffallend stark sein wird, und die Tropfen Trüffelöl für 20 Cent, die auf euren Teller getröpfelt werden, werden das Gericht unglaublich viel teuer machen.“ © Brebca/Imago
Burger mit Pommes.
Auch von aufwändig kreierten Burger-Spezialitäten rät der Profi ab: „Wenn Köche teure Zutaten aufeinanderstapeln, ist das nur, damit sie euer Geld stehlen können.“  © Oleksandr Latkun/imageBROKER/Imago
Burger.
Seiner Ansicht nach bestehen gute Burger aus „ordentlichen Scheiben Fleisch wie Rindernacken, Bruststück oder Rippchen.“ Teures Fleisch zu zermalmen, sei Verschwendung. © Oleksandr Latkun/imageBROKER/Imago
Miesmuscheln in Eis.
„Ich bestelle niemals Miesmuscheln in Restaurants“, sagt Mary Dumont, Köchin und Geschäftsführerin von Cultivar in Boston im Interview mit Business Insider. Sie ergänzt, dass trotz richtiger Lagerung und Zubereitung eine „schlechte Muschel“ dabei sein könne, was eine Lebensmittelvergiftung nach sich ziehen kann. © Harald Biebel/Imago
Miesmuscheln.
Der Koch Anthony Bourdain teilte diese Meinung. In seinem Buch „Kitchen Confidential“ schrieb er einst, dass er nur Miesmuscheln bestelle, wenn er den Koch persönlich kenne.  © Michael Gstettenbauer/Imago

Gastronomie in der Krise: „Branche braucht Unterstützung der Politik“

Monika Scherf, Hauptgeschäftsführerin der IHK Niedersachsen, betont, dass die Unternehmen weniger Regulierung und Nachweispflichten sowie echte Erleichterungen benötigen: „Dafür benötigt die Branche die Unterstützung der Landespolitik. Tourismus als Leitökonomie in Niedersachsen darf nicht nur eine Worthülse bleiben, sondern muss mit Leben gefüllt werden.“

Der Konjunkturklimaindex, der halbjährlich erhoben wird, ist zum zweiten Mal in Folge gesunken. Im Gastgewerbe fiel der Index von 104,5 auf rund 90 Punkte, was leicht unter dem Niveau von 2022 liegt. In der Reisebranche sank er von gut 135 auf knapp 122 Punkte. Diese Kennziffer basiert auf dem Durchschnitt der positiven und negativen Antworten der befragten Unternehmen.

Laut einer in der vergangenen Woche veröffentlichten Statistik des Instituts für Mittelstandsforschung (IfM) trifft die Pleitewelle in Deutschland nicht alle Branchen gleichermaßen. Die Auswertung, die sich auf das Jahr 2023 bezieht, zeigt aber, dass auch das Gastgewerbe mit einer Zunahme der Insolvenzen um 33 Prozent im vergangenen Jahr hart getroffen ist.

BrancheInsolvenzen pro 1000 Unternehmen 2023Zunahme zu 2022 in Prozent
Gesundheits- und Sozialwesen12,686,9
Verkehr und Lagerei12,32,3
Sonstige wirtschaftliche Dienstleistungen9,517,9
Baugewerbe8,514,2
Gastgewerbe8,333
Verarbeitendes Gewerbe6,723,9
Information und Kommunikation5,946,5
Handel, Reperatur von Kfz5,025,5
Freiberuflliche, wissenschaftliche, technische Dienstleistungen4,023,9
Kunst, Unterhaltung, Erholung3,925,0
Sonstige personenbezogene Dienstleitungen4,61,2
Grundstücks- und Wohnungswesen2,351,9
Quelle: Institut für Mittelstandsforschung

Saisonumfrage Tourismus der IHK Niedersachsen: Gastronomie besonders pessimistisch

Aktuell bewerten 25 Prozent der Betriebe ihre wirtschaftliche Lage als gut, 51 Prozent als befriedigend und 24 Prozent als schlecht. 43 Prozent der befragten Betriebe gaben an, dass ihr Umsatz im Vergleich zum Vorjahr gesunken ist, während 27 Prozent einen Umsatzanstieg verzeichneten. Besonders in der Gastronomie ist die Situation herausfordernd: Nur 19 Prozent bewerten ihre Lage als gut, während 25 Prozent sie als schlecht einstufen.

Auch sehen die meisten Gastrobetriebe ihre Zukunft eher düster: Über 35 Prozent der Betriebe erwarten eine eher „ungünstige“ Entwicklung der Geschäftslage im Vergleich zum Vorjahreszeitraum, nur 8,5 Prozent erwarten eine günstige Entwicklung. IHK- Sprecherin Kerstin van der Toorn kommentiert die Zahlen: „Der gesamten Gastronomie fehlt es derzeit an Planungssicherheit. Niemand weiß, was in ein, zwei oder drei Jahren sein wird.“

Die IHKN-Saisonumfrage Frühjahr 2024 wurde vom 10. April bis 10. Mai 2024 durchgeführt. An der Umfrage beteiligten sich rund 450 Betriebe aus Hotellerie, Gastronomie und Campingwirtschaft sowie Reisebüros und Reiseveranstalter.

Rubriklistenbild: © Bihlmayerfotografie/IMAGO

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