Unterschiedliche Reaktionen
Quarantäne-Rückzieher: Niedersachsen lobt Lauterbach – Bovenschulte kritisiert
Erst so – und dann doch anders: Die neue Corona-Isolationsregel von Karl Lauterbach wird von den einen gefeiert, andere ärgern sich über den SPD-Politiker.
Berlin – Karl Lauterbach hat in der Coronavirus-Pandemie schon viel mitmachen und überstehen müssen. Der amtierende Bundesgesundheitsminister hat, wann immer es etwas in Sachen Corona zu sagen gab, seine Meinung frei heraus kund getan. Egal, ob es um Inzidenz-Werte ging, um die Quarantäne, um Impfstoffe, Omikron oder aber Lockdowns. Oft in der Sendung von ZDF-Talker Markus Lanz*. Immer wieder aber auch in Interviews, anderen Sendungen oder als Minister in der Bundes-Pressekonferenz. Auch jetzt, wo es um die Corona-Isolationsregel geht, geht der Gesundheitsminister vorweg.
Schnell. Vielleicht etwas zu schnell. Zunächst hatte der SPD-Politiker Karl Lauterbach öffentlich gemacht, dass der Bund auf die freiwillige Isolation bei einer Infektion mit dem Coronavirus* setzen werde. Diese neue Corona-Isolationsregel hat Lauterbach und dem Bund jede Menge Kritik eingebracht. Nun macht der Bundesgesundheitsminister bei der freiwilligen Isolation bei der Quarantäne-Regel einen Rückzieher. Das stößt auf unterschiedliche Reaktionen.
Rückzieher bei Quarantäne-Regel und Isolation: Karl Lauterbach erklärt Entscheidung in ZDF-Sendung von Markus Lanz
Der ursprüngliche Plan zur Quarantäne bei einer Infektion mit dem Coronavirus hatte nach Vorstellungen von SPD-Politiker Karl Lauterbach vorgesehen, dass Menschen, die eine Corona-Infektion haben, ab dem 1. Mai 2022 nicht mehr in die Isolation müssen. Darauf hatten sich die Gesundheitsminister von Bund und Ländern in einer Sitzung am Montag, 4. April 2022, verständigt. Demnach sollten sich Corona-Infizierte und Kontaktpersonen ab dem 1. Mai 2022 in der Regel nur noch freiwillig und für kürzere Zeit in Quarantäne begeben. Infizierten mit dem Coronavirus sollte nur noch „dringend empfohlen“ werden, sich für fünf Tage zu isolieren und Kontakte zu meiden. Entsprechendes sollte auch für Kontaktpersonen gelten.
Dieser Pan ist jetzt wieder vom Tisch: Corona-Infizierte müssen auch künftig in Isolation und Quarantäne. Nachdem er zunächst die neue Quarantäne-Regelung zur Isolation am Montag, 4. April 2022, noch öffentlichkeitswirksam publik gemacht hatte, ruderte Karl Lauterbach dann einen Tag später zurück – in der ZDF*-Talksendung von Markus Lanz*, wo er sagte: „Diesen Punkt, dass die Infizierten, dass die sich selbst isolieren, und nicht mehr durch das Gesundheitsamt aufgefordert werden, den werde ich wieder einkassieren.“ Bleiben aber, so Lauterbach in der TV-Sendung, die in Hamburg* produziert wird, solle eine verkürzte Isolation von fünf Tagen.
Niedersachsens Regierungssprecherin über Lauterbach-Rückzieher bei Quarantäne-Regelung: „Finden diesen neuen Move ganz beruhigend“:
Lauterbach sagte im ZDF zur Diskussion um die freiwillige Isolation und die Corona-Quarantäne, die ursprünglichen Pläne wären zur Entlastung der Gesundheitsämter auch sinnvoll gewesen. Das Signal aber, dass ein Infizierter selbst über eine Isolation entscheide, sei laut des Ministers „so negativ, so verheerend“, dass es an diesem Punkt eine Veränderung geben müsse. Der „symbolische Schaden“, Corona sei nicht gefährlich, sei so verheerend, dass man diese Isolationsordnung so nicht machen könne, erklärte Lauterbach zur freiwilligen Isolation und der Quarantäne bei einer Corona-Infektion.
Die nun doch geplante Beibehaltung der Corona-Isolationsregel stößt in Niedersachsen auf Zustimmung. „Da wir gestern schon nicht begeistert waren, finden wir jetzt diesen neuen Move ganz beruhigend“, sagte am Mittwoch, 6. April 2022, die niedersächsische Regierungssprecherin Anke Pörksen am Mittwoch in Hannover. Endgültig entscheiden werde dies wohl die Gesundheitsministerkonferenz am Montag, 11. April 2022. Wo Lob ist, ist allerdings auch Kritik am Auftreten von Karl Lauterbach in der Diskussion um die freiwillige Isolation und die Corona-Quarantäne nicht weit – und die kommt aus Bremen.
„Kommunikative Fehlleistung“: Bremens Bürgermeister Bovenschulte attackiert Lauterbach nach Zurückrudern bei Isolationspflicht
Genauer gesagt von Andreas Bovenschulte. Bremens Regierungschef hat Karl Lauterbach wegen dessen Zurückrudern bei der geplanten Aufhebung der Corona-Isolationspflicht attackiert. „Die Wankelmütigkeit des Bundesgesundheitsministers ist irritierend. So etwas darf nicht passieren“, erklärte Bovenschulte im Hinblick auf die neuerliche Veränderung in Sachen freiwillige Isolation und Quarantäne-Regeln bei einer Corona-Infektion am Mittwoch in Bremen. Eine Entscheidung, die die Gesundheitsminister von Bund und Ländern getroffen haben, in einer TV-Talkshow zu kippen, sei eine „kommunikative Fehlleistung“, die das Vertrauen der Bevölkerung beschädige, so Bovenschulte. (Mit Material der dpa) *kreiszeitung.de und 24hamburg.de sind ein Angebot von IPPEN.MEDIA.
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