Katastrophen-Winter 1978/79
Schneechaos: So bitterkalt waren die härtesten Winter in Norddeutschland
Es war ein Wintereinbruch, den Menschen, die ihn miterlebt haben, nie vergessen werden. Der Katastrophen-Winter 1978/79 ist in die Geschichte Norddeutschland eingegangen. Experten warnen 2021 vor einem ähnlichen Wintereinbruch.
- Dieser Winter könnte wieder in die norddeutsche Geschichte eingehen.
- Schon in der Vergangenheit kam es zu einem Schneechaos in Norddeutschland.
- Ganze Regionen im Norden Deutschlands waren von der Außenwelt abgeschottet.
Hannover – Meteorologen warnen vor einer ähnlichen Schneekatastrophe wie im Winter 1978/1979, als das Wetter Norddeutschland lahm legte. Der Wetter-Experte Jan Schenk von „The Weather Channel“ hält „den stärksten Schneefall der letzten Jahre oder vielleicht Jahrzehnte“ für möglich. Schon Anfang Februar 2021 drohten laut Meteorologen erneut brisante Unwetter, wie sie im Norden schon lange nicht mehr gesehen wurden. Im November 2021 wird eine Eiseskälte erwartet.
Zum Jahreswechsel 1978/1979 brachen damals heftige Schneefälle über Norddeutschland ein, sogar der Katastrophenfall wurde ausgerufen. Ein Schneesturm mit Windstärke zehn wütete fünf Tage durch die Region.
„Der stärkste Schneefall der letzten Jahre oder vielleicht Jahrzehnte.“
Auch 1978 war der Norden von einer extremen Kaltfront gezeichnet. Während es in Norddeutschland zu schneien begann, zeigte das Thermometer im Süden Deutschlands noch 15 Grad an. Eisige Kaltluft, von Nordskandinavien und Nordrussland kommend, und warme Luft aus dem Süden trafen damals aufeinander.
Der Temperatursturz vom 29. Dezember 1978 führte in Norddeutschland, dem Norden der DDR, Dänemark und Südschweden zu einem Schneechaos. Teilweise brach der Verkehr sowie die Stromversorgung zusammen, Ortschaften waren von der Außenwelt abgeschnitten.
Allein in der BRD starben 17 Menschen wegen des Schneechaos. Der Schnee ist noch nicht einmal abgetaut und schon kam es am 14. Februar 1979 zu einem erneuten Chaos: Dichte Schneefälle und ein orkanartiger Sturm legten Norddeutschland ein zweites Mal lahm.
Katastrophenwinter 1978/79: Mädchen wird in Panzer bei Osterholz-Scharmbeck geboren
Zu den werdenden Eltern Gisela und Carl-Heinz Ehlers in Hellingst im Kreis Osterholz-Scharmbeck kam kein Krankenwagen durch, für einen Hubschrauberflug war das Schneetreiben zu dicht. Doch aus der Kaserne in Schwanewede kämpfte sich ein gepanzerter Mannschaftstransporter nach Hellingst durch und nahm das Paar an Bord. Unterwegs wurde Tochter Anica geboren.
Vielerorts war die Lage damals dramatisch – Bergepanzer waren auf der Autobahn A7 in der Lüneburger Heide unterwegs, Autos schneiten ein, eisige Stürme tobten und hinterließen gewaltige Schneemassen.
Katastrophenwinter 1978/79: Ostsee-Insel Rügen im Ausnahmezustand
Auf der Insel Rügen waren ganze Orte mehrere Tage von der Außenwelt abgeschnitten, berichtet der NDR. Demnach gab es bis zu sechs Meter hohe Schneeverwehungen, die sich mit Flugsand vermischten. Ein Vorankommen für Hilfskräfte war kaum möglich. Es kam sogar so weit, dass die Nationale Volksarmee Schneeberge sprengen musste. Auch der Schiffsverkehr kam in vielen Hafenstädten zum Erliegen, darunter in Flensburg, Kiel, Wismar und Rostock. Eisschollen schoben sich übereinander und machten es unmöglich, die Häfen zu passieren.
Hamburg kam dagegen bei der Schneekatastrophe relativ glimpflich davon. Zwar brach der Flugverkehr am Flughafen Fuhlsbüttel vorübergehend zusammen, weil die Orientierungslampen an der Landebahn immer wieder vom Schnee verdeckt wurden.
„Daisy“: Schlimmster Wintereinbruch seit Jahren
Katastrophale Wintereinbrüche gab es jedoch auch nach dem besagten Winter vor 42 Jahren. Autos, die im meterhohen Schnee stecken blieben und Helfer, die voller Verzweiflung gegen Deichbrüche kämpften: Auch das Sturmtief „Daisy“ schnitt im Jahr 2010 ganze Dörfer von der Außenwelt ab. Besonders hart traf es den Nordosten Deutschlands, wo mehr als 320 Menschen die Nacht in eingeschneiten Autos oder Zügen verbringen mussten.
„Das hier erinnert mich sehr an die Schneekatastrophe 1978/1979.“
Mehrere Menschen verunglückten auf eisglatten Straßen. Der Landkreis Ostvorpommern rief Katastrophenalarm aus. Auch in anderen Bundesländern gab es massive Behinderungen – die Polizei registrierte landesweit mehr als 2000 Unfälle.
Die fünf kältesten Winter in Deutschland
| Jahr | Temperatur in Grad Celsius |
| 1963 | -5,48 |
| 1940 | -5,00 |
| 1929 | -4,84 |
| 1947 | -4,55 |
| 1942 | -3,95 |
Am schlimmsten traf es die Ostsee-Insel Fehmarn, wo der Sturm alle Dörfer abriegelte. „Ich halte mich für einen besonnenen Menschen, aber das hier erinnert mich sehr an die Schneekatastrophe 1978/1979“, sagte Fehmarns Bürgermeister Otto-Uwe Schmiedt.
Nach Angaben der Polizei waren alle Dörfer der Insel “mehr oder weniger sich selbst überlassen“. Im Schneesturm fiel auch noch der Strom aus.
Das Sturmtief „Daisy“ brachte Chaos in den Norden Deutschlands. Neuschnee, Eis und extremer Wind sorgten auch in weiten Teilen des übrigen Landes für massive Verkehrsprobleme. Mehrere Autobahnen und Bundesstraßen mussten gesperrt werden, einige Fähren stellten ihren Betrieb ein.
Zugverspätungen oder gar -ausfälle gab es den ganzen Tag über in vielen Teilen Deutschlands. In Nordrhein-Westfalen ereigneten sich mehr als 1000 Verkehrsunfälle, auch dort starben zwei Menschen.
Der Schnee blieb im Frühjahr 1979 lange liegen. Als es taute, gab es viele Überschwemmungen. Seitdem hat es im Norden Deutschlands nicht mehr so lange geschneit. Andreas Schmid und Maria Sandig mit Material der dpa * kreiszeitung.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA.
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