Böse Geister vertreiben

Silvester: Große Party oder Dinner for one? Ein Pro und Contra

Wie Silvester in Niedersachsen gefeiert wird, steht noch nicht fest. Die Stimmen mehren sich, dass die Polenböller 2020 nicht angezündet werden. Die Redakteure Jan Knötzsch und Andree Wächter haben sehr unterschiedliche Ansichten. Zwei Kommentare.

  • Silvester wird in diesem Jahr wegen Corona anders werden.
  • Silvester ist Futter für die Seele.
  • Kleine Feiern wären im Sinne der Gesundheit.

Niedersachsen nimmt die ins Auge gefassten Corona-Lockerungen über Weihnachten und den Jahreswechsel zurück. Das kündigte Ministerpräsident Stephan Weil (SPD) am Donnerstag im Landtag in Hannover an. Die geltenden Kontaktbeschränkungen auf maximal fünf Personen aus zwei Haushalten sollen lediglich vom 24. bis zum 26. Dezember auf zehn Verwandte zuzüglich von Kindern unter 14 Jahren ausgeweitet werden. Was wird nun aus Silvester? (dpa)

Darum muss Silvester stattfinden - Kommentar von Andree Wächter

Die Landesregierung sollte an Silvester - wie auch an Weihnachten - Lockerungen genehmigen. Das Knallen soll die bösen Geister vertreiben. Und dass der böse Geist „Corona“ 2021 keine Chance mehr haben soll, darüber herrscht Einigkeit. Mal weg von den Mythen, Silvester hat auch ganz praktische Nutzen. Um Mitternacht könnte es soziale Kontakte geben. Natürlich mit Abstand und Mund-Nasen-Bedeckung. Männer und Frauen könnten über die Straße sich ein frohes neues Jahr wünschen. Dieser kleine Moment der Normalität wäre Futter für die Seele. Auch ist es ein beliebter Zeitpunkt für einen Heiratsantrag.

Wie freie Journalisten, so hat auch die „Böller-Industrie“ kaum eine Lobby im Land- und Bundestag. Die Speicher sind zum Beispiel bei Comet in Bremerhaven voll und warten auf Abnehmer. Klar, man könnte argumentieren: dann soll doch der Staat den Verlust ausgleichen. Doch das wäre zu kurz gesprungen. Die Mitarbeiter in der Silvester-Feuerwerks-Produktion wären theoretisch ein Jahr ohne Arbeit. Die Lager wären Ende 2021 noch von diesem Jahr voll.

Ob und wie Raketen an Silvester abgeschossen werden dürfen, ist noch unklar.

Die „Knaller-Fraktion“ würde sich Raketen und Polenböller auf dem Schwarzmarkt oder im Ausland besorgen würden. Völlig unklar ist, ob ein komplettes Silvesterverbot verhältnismäßig wäre. Die Durchsetzung würde schwierig werden, da es überall illegale private Partys geben würde. Diese Form der Feier wäre deutlich gefährlicher und arbeitsintensiver für Rettungsdienst und Polizei.

„Knall- und Feuerwerkszonen“ würden für Entspannung sorgen. Wie bei den Osterfeuern könnten Kommunen Bereiche zum Knallen definieren. Wer dies möchte, muss sich vorab beim Ordnungsamt anmelden. Es gibt eine zugewiesene Zeit fürs Feuerwerk. Mit einer Begrenzung an Raketen pro Haushalt und einer verlängerten Abbrennzeit wäre allen geholfen.

Darum muss Silvester ausfallen - Kommentar von Jan Knötzsch

Dürfen wir nun? Oder dürfen wir nicht? Und wenn ja: Was dürfen wir genau? Fragen über Fragen. Eines aber ist klar: Silvester wird in diesem Jahr nicht so sein wie sonst. Nicht „the same procedure as every year“. Die Diskussionen über einen harten Lockdown rund um den Jahreswechsel sind aktuell in aller Munde – und das zurecht. Während die Planungen Niedersachsens erst einmal bis
Weihnachten ausgelegt sind und über die Regeln für Silvester erst ab dem 20. Dezember geredet werden soll, ist man anderswo schon weiter.

Damit ist nicht nur das schnelle Vorpreschen anderer Bundesländer wie Sachsen, Schleswig-Holstein oder Bayern gemeint. Auch in unmittelbarer Nähe hat man bereits Entscheidungen gefällt. So ist in Hamburg zum Beispiel die Frage nach einem Verbot für Feuerwerk und Böllern zum Jahreswechsel zum Teil bereits geklärt. Diverse Orte, an denen es eng wird und sich gewöhnlich
viele Menschen treffen, sind bereits Verbotszonen. Weitere sollen folgen.

Das ist nur logisch. Dass Alkohol und Silvester zusammen gehören, muss man niemandem sagen. Dass Alkohol Hemmungen fallen lässt, auch nicht. Es ist allzu erwartbar, dass dann in größeren Menschenmengen Corona und Abstände Nebensache werden. Es ist allzu erwartbar, dass mit den Hemmungen auch die Masken fallen. Höhere Infektionszahlen wären die mögliche Folge.

Solchen Entwicklungen muss man keinen zusätzlichen Nährboden bieten. Wir haben uns in diesem Jahr so vielen Einschränkungen hingeben müssen, da kommt es auf die eine mehr zu Silvester auch nicht mehr an. Man kann den Jahreswechsel auch ruhig und im erlaubten, überschaubaren kleinen Rahmen daheim begehen. Im Interesse an der eigenen Gesundheit.

Rubriklistenbild: © Petra Schüller

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