Geldwäsche und Terrorverdacht
Razzien in Bremen, Niedersachsen und NRW – „Das war ein verdammt dickes Ding“
Mehr als 1400 Beamte haben am Mittwoch in Bremen, Niedersachsen und NRW 81 Objekte durchsucht. Es geht um Finanzierung von Terror und Geldwäsche.
Update vom 6. Oktober 2021 um 13:50 Uhr: Bremen/Hannover/Düsseldorf – Mehr als 1400 Beamte der Polizei in Bremen, Niedersachsen und Nordrhein-Westfalen sind am Mittwochmorgen, 6. Oktober 2021, gegen ein internationales Netzwerk vorgegangen. Es besteht der Verdacht, dass 140 Millionen Euro ins Ausland verschoben worden sein soll. Die Ermittler stufen das Netzwerk als kriminelle Vereinigung ein und ermitteln gegen 67 Verdächtige. Elf von ihnen wurden am Mittwoch bereits verhaftet. NRW-Justizminister Peter Biesenbach (CDU) sprach von einem „Paukenschlag“ gegen die organisierte Kriminalität.
| Bundesland: | Niedersachsen |
| Fläche: | 47.709,82 Quadratkilometer |
| Einwohner: | 8.003.421 (Stand: 31. Dezember 2020) |
| Regierungschef: | Stephan Weil (SPD) |
Das Geldwäsche-Netzwerk hatte aber offenbar nicht nur rein kriminelle Ziele: Bei einem der Verhafteten, einem 39-jährigen Syrer, soll es sich um einen Terroristen der islamistischen Al-Nusra-Front handeln. Zwei weitere Verdächtige seien als islamistische Gefährder bekannt, vier als sogenannte „relevante Personen“ des islamistischen Spektrums.
Razzien in Bremen, Niedersachsen und NRW: Vermögen im Wert von 140 Millionen Euro beschlagnahmt
Über Zahlungsbüros in den Niederlanden soll das Geld in die Türkei und nach Syrien geflossen sein. Ein Gericht erließ Vermögensarreste in Höhe von 140 Millionen Euro, den Löwenanteil davon gegen die beiden Hauptbeschuldigten. In Nordrhein-Westfalen, Niedersachsen und Bremen wurden 81 Objekte in 25 Städten durchsucht: Wohnungen, Büros und Banken. Schwerpunkt der Maßnahmen war Nordrhein-Westfalen.
NRW-Innenminister Herbert Reul (CDU) sprach von einem der größten Verfahren seiner bisherigen Amtszeit. Reul ist seit 2017 im Amt. Es seien Autos, Geld und Gold im Wert von mehr als drei Millionen Euro sichergestellt worden – und eine Stereoanlage im Wert von 100.000 Euro. Auch ein Steuerberater habe unangemeldeten Besuch bekommen. „Wir haben heute einen extrem ergiebigen Geldhahn abgedreht“, sagte Reul. „Das war ein verdammt dickes Ding.“
Den Beschuldigten werden weitere Taten quer durch das Strafgesetzbuch vorgeworfen, darunter Geiselnahme, Raub, Drogenhandel, gewerbsmäßiger Bandenbetrug und Terrorfinanzierung. Die 67 Verdächtigen seien überwiegend Syrer (44), unter ihnen seien aber auch 10 Deutsche, 5 Jordanier und 4 Libanesen. Insgesamt zählten die Ermittler acht verschiedene Nationalitäten.(jon/dpa)
Terrorfinanzierung: Polizei durchsucht Objekte in Bremen, Niedersachsen und Nordrhein-Westfalen
Erstmeldung vom 6. Oktober 2021 um 6:50 Uhr: Bremen/Hannover/Düsseldorf – Wegen des Verdachts der Geldwäsche und der Terrorfinanzierung sind Polizisten seit Mittwochmorgen, 6. Oktober 2021, dabei, in Bremen, Niedersachsen und Nordrhein-Westfalen mehr als 80 Objekte zu durchsuchen. Wie die „Bild“-Zeitung berichtet, begannen die Razzien bereits um 4:00 Uhr in der Früh. Im Einsatz sollen mehr als 1000 Polizisten bundesweit sein.
Schwer bewaffnet und maskiert drangen die Polizisten am frühen Morgen in Häuser, Büros und Geschäftsgebäude ein. Mehrere Spezialeinsatzkommandos, Hundertschaften, Hundeführer, Einsatzkräfte des Staatsschutzes, Zollfahnder und auch Staatsanwälte sind bei den Durchsuchungen dabei, sie gehen gegen ein kriminelles Netzwerk vor. Dem Bericht zufolge sollen auch bereits zehn Haftbefehle vollstreckt worden sein.
Durchsuchungen in Bremen, Niedersachsen und NRW: Verdacht auf Geldwäsche und Terrorfinanzierung
Wie es heißt, geht es um mehrere Millionen Euro. Die Verdächtigen stehen unter dem Verdacht der Geldwäsche, Terror-Finanzierung und dem sogenannten Hawla Banking, bei dem Geld über einen Transferdienstleister in alle Welt verschickt wird. Der Geldfluss ist im Nachhinein nicht mehr nachvollziehbar. So wird weltweit Geld gewaschen und Geldflüsse verschleiert.
Die Ermittlungen werden federführend von der Generalstaatsanwaltschaft Düsseldorf geleitet, wo auch die Staatsanwälte der ZeOS (Zentral- und Ansprechstelle für die Verfolgung Organisierter Straftaten in NRW) ansässig sind, deren Ziel es ist, mafiöse Strukturen zu zerstören. Wie es heißt, werden Ermittlungsverfahren gegen insgesamt 70 Beschuldigte geführt.
Normalerweise beginnen Hausdurchsuchungen in Deutschland nicht vor 6:00 Uhr am Morgen. In diesem Fall erfolgte der Zugriff allerdings schon früher, da die Ermittler fürchtetet, dass sonst Beweise vernichtet werden könnten. Der Schwerpunkt der Razzien befindet sich demnach im Raum Düsseldorf/Wuppertal. Gegen Mittag wollen der Innenminister von NRW, Herbert Reul (CDU), und Justizminister Peter Biesenbach (CDU) vor der Presse ein Statement abgegeben. * kreiszeitung.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA.