Wohnen in Niedersachsen
Tiny House kaufen: So teuer ist das Leben in einem Minihaus
Tiny Houses sind im Trend: Die Minihäuser versprechen ein sorgenloses Leben. Auch in Niedersachsen gibt es viele Projekte, die diesen Wunsch erfüllen wollen.
Hannover – Downsizing, die Verkleinerung der eigenen Lebensverhältnisse und die Verringerung des ökologischen Fußabdrucks sind aktuell omnipräsent. Tiny Houses, was so viel wie Mini-Häuser bedeutet, scheinen diesen Wunsch zu erfüllen.
| Stadt: | Hannover |
| Fläche: | 204 km² |
| Bevölkerung: | 532.163 (2016) |
| Bürgermeister: | Belit Onay |
| Stadtgliederung: | 51 Stadtteile in 13 Stadtbezirken |
Viele Menschen träumen von einem Leben ohne Ballast. Sie wollen ihre Zeit auf kleinem Raum in schöner Umgebung mit freiem Blick in die Natur genießen.
Tiny House kaufen: Niedersächsische Minihaus-Produzenten freuen sich über steigende Nachfrage
Eine wachsende Zahl von Firmen steht bereit, bei der Erfüllung dieses Traumes zu helfen. Zu ihnen gehört das Unternehmen Tiny House Wendland. Gegenüber kreiszeitung.de sagt der Geschäftsführer Benjamin Glowatzki über die steigende Nachfrage bei Minihäusern: „Seit die dpa im Jahr 2019 über uns berichtet hat, ist sehr viel passiert.“
Aufgrund des großen Interesses habe das Unternehmen die Produktion umgestellt und baue nun in Individualbauweise, so der Geschäftsführer weiter.
Tiny-House-Produzent: Corona-Lockdown in den Großstädten führt zu Boom auf die Tiny Houses
Das Geschäft habe sich dadurch sehr gut entwickelt. Gerade in der Corona-Krise sei die Nachfrage enorm gestiegen, so Glowatzki. „Wir vermerken mehr und mehr Interessenten. Nach meiner Meinung hat diese schwierige Zeit die Menschen noch mal sehr zum Nachdenken angeregt. Für viele ist der ökologische Aspekt des Lebens in den Vordergrund gerückt.“
Vor allem in den Großstädten scheint der Lockdown zu dieser Entwicklung beigetragen haben. „Die Menschen aus dem urbanen Bereich fühlten sich in Zeiten des Lockdowns ‚eingesperrt‘, was sich wiederum in dem Wunsch dieser Interessentengruppe ausdrückt, sich zusätzlich zur Mietwohnung in der Stadt ein Refugium in der Peripherie zu schaffen“, erzählt Glowatzki.
Tiny House Wendland: Unternehmen will Produktion zurück nach Niedersachsen verlegen
Die Brüder Benjamin und Finn Glowatzki sind seit 2018 auf dem Markt und produzieren ihre bisher 17 Minihäuser derzeit noch in Ludwigslust in Mecklenburg-Vorpommern, auf halbem Weg zwischen Hamburg und Berlin. „Ja, wir sind nach wie vor in Ludwigslust ansässig, werden die Produktion aber 2022 wieder zurück ins Wendland in Niedersachsen verlagern“, erklärt Geschäftsführer Benjamin Glowatzki gegenüber kreiszeitung.de.
„Dort hat vor einigen Jahren alles begonnen. Die gesamte Belegschaft stammt mittlerweile aus dem Wendland und wir haben täglich weite Anfahrtswege. Das wollen wir ändern, um effizienter zu sein und unserer Ideologie zu folgen.“
Tiny House Wendland: Minihäuser aus einheimischen Holz um ökologischen Fußabdruck und Nachhaltigkeit zu gewährleisten
„Typisch für uns ist, auf Ökologie zu setzen und nachhaltig zu arbeiten“, so Glowatzki weiter. „Da setzen wir auf heimische Hölzer, ökologische Dämmung, kurze Transportwege und Zulieferer aus der Region und versuchen selbst einen kleineren ökologischen Fußabdruck zu hinterlassen.“
Das Interesse sei über die Jahre stark angezogen. Vor allem Ferienvermieter fragen an, die Minihäuser vermieten möchten. Zunehmend sind aber auch Menschen dabei, die dauerhaft in einem Tiny House als Erstwohnsitz leben oder dieses zumindest privat als Ferienhaus oder Wochenend-Domizil nutzen wollen.
Tiny House: Käufer und Interessenten eines Minihauses kommen aus allen Bevölkerungsschichten
Die Interessenten und Käufer für ein Tiny House könnten dabei wohl kaum unterschiedlicher sein. Das Minihaus-Publikum setzt sich aus allen Bevölkerungsschichten zusammen.
„Unsere Klientel ist sehr unterschiedlich“, führt der Geschäftsführer von Tiny House Wendland weiter aus. „Die Altersgruppe reicht von 20 bis 70 Jahre, Studenten, Angestellte, Arbeitgeber, Rentner… wirklich alle Gesellschaftsschichten und Berufsbilder sind dabei.“
Wie groß ist ein Tiny House? Maße für ein Minihaus variieren gering
Da stellt sich natürlich die Frage, wie viel Geld ein Interessent für wie viel Raum in einem Tiny House auf den Tisch legen muss. Die Glowatzkis bauen Minihäuser zwischen 7,20 und 9 Metern Länge und mit 2,55 Metern Breite. Sie sind vorschriftsmäßig wärmegedämmt, auf einem Trailer montiert, nicht schwerer als 3,5 Tonnen und können von PS-starken Pkw gezogen werden.
Während die Maße für ein Minihaus nur geringfügig variieren mögen, können die Kosten für ein Tiny House schon deutlich weiter auseinandergehen.
Was kostet ein Tiny House? Minihaus-Kosten belaufen sich auf 30.000 bis 60.000 Euro
Da das Unternehmen in Individualbauweise baue, seien die Kosten und letztendlich der Preis für ein Tiny House sehr von der Ausstattung und den Aufbaulängen abhängig, sagt Glowatzki. „Ein voll möbliertes Tiny House mit TÜV und Straßenzulassung liegt in etwa bei bis zu 60.000 Euro netto.“
Aber die Kostenkalkulation müsse wirklich im Einzelfall erstellt und könne schwierig pauschalisiert werden, führt der Geschäftsführer aus. „Leider haben sich die Holzpreise im letzten halben Jahr verdrei- und vervierfacht, sodass ein Tiny House, welches zum großen Teil aus Holz besteht, leider auch deutlich teurer geworden ist im Vergleich zu 2020“, erklärt Benjamin Glowatzki.
„Ein typisches Tiny House gibt es bei uns jedoch nicht, da wir ganz unterschiedliche Vorstellungen der Kunden umsetzen“, bekräftigt Glowatzki. So könne ein Tiny House mobil sein und über eine Straßenzulassung mit 80 km/h verfügen. Gleichzeitig könne es auch mobil sein, also auf einem Chassis mit Rädern gelagert sein, ohne eine Straßenzulassung zu haben.
Bei der Tiny House-Ausstattung fehlt es auf kleinstem Raum an nichts
„Ebenso setzen wir Festinstallationen um, wo das Tiny House auf einem Betonfundament sitzt und ein feststehendes
Gebäude ist. Unser gängigstes Modell ist ein mobiles, straßenzugelassenes Tiny House mit einer Grundfläche von ca. 23
Quadratmetern, welches über Badezimmer, Küchenzeile, Wohnzimmer und Schlafempore verfügt“, führt Glowatzki weiter aus.
Also alles, was man zum Leben braucht, gibt bei der Tiny House-Ausststattung auf kleinstem Raum. Und dann?
Tiny House bauen – rechtlich nicht so einfach
Dann beginnen unter Umständen die Probleme. Denn in Deutschland kann man sein Minihaus nicht einfach auf irgendein Grundstück stellen und Tiny House Urlaub machen, wo es einem gefällt.
„Es gibt Campingplätze, auf denen Betreiber und Gemeinde die Anmeldung eines Wohnsitzes zulassen“, sagt Beraterin Isabella Bosler, die sich auf die Beratung rund um Tiny Houses spezialisiert hat. „Wer sein Häuschen auf einem anderen Grundstück aufstellen und dauerhaft bewohnen möchte, müsse in jedem Fall einen Bauantrag stellen.“
Sie weiß: Der geplante Stellplatz müsse voll erschlossen sein, mit Wasser- und Abwasserentsorgung, Strom und verkehrsgerechter Anbindung an eine Straße. Es genüge nicht, dass bereits ein Wohngebäude auf dem Grundstück steht – auch dann brauche es eine Genehmigung.
Tiny House Hannover: Wohnungsbauunternehmen gründet Siedlung im Standort Linden-Süd
Seit August gibt es in Hannover sogar eine Tiny House-Siedlung. Kürzlich wurden vier Mini-Häuser nach Informationen des „NDR“ an ihre neuen Mieter übergeben. Der Standort der Siedlung ist in Linden-Süd, im Hinterhof eines Mehrfamilienhauses. Das Wohnungsbauunternehmen hanova hat die Häuschen gebaut.
Der hanova-Geschäftsführer, Karsten Klaus, sagte gegenüber dem NDR: „Das Thema Nachhaltigkeit spielt eine Rolle. Es ist auch eine Lebensentscheidung in solch ein Haus einzuziehen, sich vielleicht auch von vielen Dingen zu trennen.“ Er betonte dabei auch, dass ein Tiny House nicht für jeden etwas sei. Besonders wegen des Preises.
Die Gebrüder Glowatzki werden auch immer wieder mit dem Projekt in Hannover in Verbindung gebracht, dabei hatten sie gar nichts damit zu tun. „Nein, waren wir nicht an der TIny House-Siedlung in Hannover beteiligt.“
Tiny House Schnoor-Viertel: YouTuber Fynn Kliemann kauft in Bremen kleinstes Haus Deutschlands
Der Youtuber, Heim-Handwerker und Musiker Fynn Kliemann ist seit Anfang des Jahres Besitzer eines Mini-Hauses in Bremens historischer Altstadt. Er habe dort das „nachweislich kleinste Haus Deutschlands*“ gekauft, verkündete er auf Instagram. „Das sind 7 Quadratmeter und 4 Quadratmeter Wohnfläche – das wird richtiges Ingenieurstum, da überhaupt ein Bett reinzubringen“, sagte der 32-Jährige.
Das „Schnoor-Viertel“ war Ende 2020 über das Maklerunternehmen Kensington für einen Preis von 77.777 Euro angeboten worden. „Mit so viel Aufmerksamkeit hätten wir aber nie gerechnet“, sagte Immobilienmakler Tobias Lachmann der Deutschen Presse-Agentur. Das Angebot habe sich sogar bis in die USA und nach China rumgesprochen. Insgesamt meldeten sich rund 150 Interessenten.
Tiny House-Besitzer Fynn Kliemann nur ein Beispiel für das gesteigerte Interesse an Minihäusern
Der Webdesigner Kliemann aus Niedersachsen wurde auf Youtube unter anderem mit Heimwerker-Videos bekannt. Vor einigen Jahren schuf er auf einem alten Bauernhof in Elsdorf nördlich von Bremen ein Zentrum für Kreative, das „Kliemannsland“.
Kliemann ist nur ein Beispiel für das zunehmende Interesse an Minihäusern und gleichzeitig eine Galionsfigur dafür, wohin sich Zukunft sich auf dem Wohnungsmarkt weiter entwickeln könnte. Die Gebrüder Glowatzki wird die Entwicklung freuen, um weiterhin die Idee vom Trend zum Leben ohne Ballast mit ihren Tiny House-Kreationen zu bedienen. * kreiszeitung.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA.
Rubriklistenbild: © Tiny House Wendland





