Mehrere Verletzte am Morgen
„Extreme Glätte“: Massenkarambolage auf der A1 – Retter schlittern förmlich zur Unfallstelle
Die Warnungen waren da, die schweren Folgen auch: Am Samstag hat Glätte den Norden fest in ihren Griff genommen. Zu einem Unfall mit mehreren Fahrzeugen kam es früh auf der A1.
Unter extremer Straßenglätte und dichtem Nebel ereignete sich am Samstagmorgen, 27. Dezember, gegen 4 Uhr auf der Autobahn 1 zwischen dem Ahlhorner Dreieck und Wildeshausen-West ein schwerer Verkehrsunfall mit sieben beteiligten Fahrzeugen und fünf verletzten Personen. Das berichtete die Polizei am Vormittag und korrigierte damit frühere Angaben der Feuerwehr, nach denen fünf Fahrzeuge am Unfall beteiligt waren und 13 Personen verletzt wurden.
Die Anfahrt zum Unfallort verlief dabei alles andere als einfach. „Da wir ehrenamtliche Einsatzkräfte sind, befinden wir uns nicht 24/7 an der Feuerwache. Wir fahren von zu Hause zum Feuerwehrhaus und müssen extrem vorsichtig fahren, um uns nicht selbst in Gefahr zu bringen oder einen Unfall zu verursachen“, erklärte Jannik Stiller, Pressesprecher der Feuerwehr. Bereits während der Alarmierung wies die Leitstelle die Einsatzkräfte ausdrücklich auf die extreme Glätte hin und mahnte zu besonderer Vorsicht.
Die Einsatzbedingungen vor Ort stellten die Helfer vor erhebliche Herausforderungen. Die Fahrbahn glich einer Eisfläche, sodass sich Feuerwehr- und Rettungskräfte beim Aussteigen nur in kleinen Schritten fortbewegen konnten. Nach einer ersten Erkundung stufte der Rettungsdienst das Einsatzstichwort von „Verkehrsunfall“ auf „Massenanfall von Verletzten bis zu zehn Personen“ hoch. Daraufhin wurden zusätzliche Rettungsmittel aus den Landkreisen Oldenburg, Vechta und Cloppenburg zur Einsatzstelle entsandt. Sechs Fahrzeuge mussten laut Angaben der Polizei abgeschleppt und die Autobahn bis 7 Uhr in Richtung Bremen gesperrt werden.
„Massenanfall von Verletzten“ auf der A1 nach Glätte-Unfall fordert Einsatzkräfte extrem
Die Feuerwehr Wildeshausen leistete in der Anfangsphase Unterstützung bei der medizinischen Erstversorgung der Verletzten und kümmerte sich um die verunfallten Fahrzeuge sowie die Absicherung der Einsatzstelle. Die Sicherheit für alle Beteiligten verbesserte sich erst, als kurz nach dem Eintreffen der Feuerwehr zwei Streufahrzeuge durch den betroffenen Bereich fuhren und die gefährliche Glätte bekämpften. Vorher mussten sich die Feuerwehrleute vor Ort „in Trippelschritten“ auf der Autobahn bewegen, um nicht selbst durch Stürze verletzt zu werden.
Janni Stiller berichtete im Detail von den Maßnahmen, die wegen der „extremen Glätte“ nötig waren, um die Sicherheit der Einsatzkräfte zu gewährleisten. „Wir haben unterwegs einen Bremscheck gemacht.“ Als dieser negativ verlief und das Fahrzeug einfach weitergerutscht, war für die Retter klar, wie glatt es wirklich ist. Entsprechend langsam näherten sich die Einsatzkräfte der Unfallstelle. „Es bringt halt nichts, wenn wir gar nicht ankommen und nicht mehr helfen können.“
Nach etwa anderthalb Stunden war der Einsatz für die Feuerwehr Wildeshausen beendet, nachdem die verunglückten Fahrzeuge gesichert, das rund 300 Meter große Trümmerfeld entfernt und vor allem die verletzten Personen versorgt waren, die Sperrung der Autobahn dauerte da noch an. Zu diesem Zeitpunkt war zudem die „markante Glätte“, vor der der Deutsche Wetterdienst für den Morgen gewarnt hatte, noch nicht vorbei. Für das Nordöstliche Niedersachsen bis hin zur Nordsee und Oldenburg galt die noch bis in den Vormittag hinein. Und auch für die Nacht auf Sonntag sprachen die Wetter-Experten weitere Glätte-Warnungen für Niedersachsen aus.
Rubriklistenbild: © Thomas Lindemann

