Schülerhilfe-Inhaber Oliver Koke berichtet über Entwicklungen in der Pandemie
Corona verstärkt Bedarf an Nachhilfe
Ganderkesee – Homeschooling, Kontaktbeschränkungen und Wechselunterricht: Schüler waren und sind von der Corona-Krise in besonderem Maße betroffen. Oliver Koke, Inhaber der Schülerhilfe Ganderkesee, sprach mit CDU-Bürgermeisterkandidat Ralf Wessel über erschwertes Lernen in Zeiten der Pandemie. Wie hat sich das Schul- und Lernverhalten beim Nachwuchs verändert?
Grundsätzlich hätten motivierte Schüler diesen Antrieb auch während des Lockdowns behalten. „Die ihn vorher nicht hatten, haben ihn in der Krise auch nicht bekommen“, erklärt Koke. „Diese schon bestandenen Tendenzen haben sich aber verstärkt.“
Es haben auch Schüler profitiert
Es habe dagegen auch Schüler gegeben, die vom Homeschooling profitiert hätten. „Für die sogenannten ,fleißigen Bienchen‘, die mündlich in der Schulklasse eher zurückhaltend sind, war der Online-Unterricht perfekt.“ Die hätten ihre verbale Leistung durch die Distanz in manchen Fällen sogar verbessert. Eine Schülerin habe ihm berichtet, dass sie sich häufiger gemeldet habe, damit die Lehrer ihre Anwesenheit wahrnehmen würden.
Trotz Sommerferien gestiegene Nachfrage
Andere, bei denen sich das Fehlen sozialer Kontakte sehr negativ ausgewirkt hat, seien dagegen in ein richtiges Motivationsloch gefallen. Besonders betroffen seien vor allem die Kleinsten: „Mein aktuell jüngster Nachhilfeschüler geht erst in die erste Klasse. Ich bin mir sicher, das ist eine Corona-Folge“, mutmaßt der Schülerhilfe-Inhaber. Zusammengefasst sei der Bedarf an Nachhilfe gestiegen, um Defizite aufzuholen. „Trotz der Sommerferien ist bei mir die Nachfrage aktuell deutlich angewachsen“, berichtet er.
Lehrer bekommen zu wenig Beachtung
Bei der Diskussion um Homeschooling und Lerndefizite durch die Pandemie werde einer Gruppe zu wenig Beachtung geschenkt, kritisiert Koke. „Die Lehrer haben in den vergangenen eineinhalb Jahren diese ganzen Einschränkungen ebenfalls mitgemacht“, verdeutlicht er. Die Lehrkräfte könnten schließlich nichts dafür, dass in den Schulen die Digitalisierung verschlafen worden sei.
Erst wenige Monate vor der Pandemie selbstständig gemacht
Koke wurde mit seiner Schülerhilfe, wie er sagt, ebenfalls „voll von der Pandemie erwischt“. Erst wenige Monate vor deren Ausbruch hatte der gelernte Betriebswirt sich mit seiner Nachhilfeeinrichtung selbstständig gemacht. „Es lief sehr gut an. Wir hatten uns bereits einen gewissen Kundenstamm erarbeitet“, blickt er zurück. Mit dem ersten Lockdown schlossen sich auch die Türen seiner Schülerhilfe. Koke reagierte allerdings schnell. „Einen Tag später lief bei mir alles online. Das hat sehr gut funktioniert.“ Er entdeckte sogar neue Betätigungsfelder, indem er Firmen Homeschooling für die Kinder deren Angestellten anbot.