„Dorfwahn mit Stadtidioten“: Rainer Rudloff liest in Harpstedt
Harpstedt – Seine Mitwirkung beim „Harpstedter LeseCircus“ liegt schon sehr lange zurück. Im kommenden Herbst gibt es ein Wiedersehen mit Rainer Rudloff, Schauspieler, Sprechtrainer und „Herr der Stimmen“ in einer Person. „Dorfwahn mit Stadtidioten“ ist eine Lesung überschrieben, die am Mittwoch, 11. Oktober, um 19.30 Uhr in der Samtgemeindebücherei in Harpstedt beginnt.
Der Zuhörer wird Zeuge knorriger Charaktere werden. Es geht um Städter, die aufs Land ziehen und der Landbevölkerung mit ihren Empfindlichkeiten mächtig auf den Zeiger gehen, aber auch um die Marotten der Dörfler. Etwaige Ähnlichkeiten mit lebenden Personen wären rein zufällig, versteht sich.
Zwei Romane im Gepäck
Um Berliner Aussteiger, die „mit großstädtischer Selbstgerechtigkeit und Arroganz“ unsensibel „in sämtliche Fettnäpfchen der Provinz treten“, aber auch um den untergründig schwelenden „Konflikt zwischen Wendegewinnern und -verlierern“ dreht sich Juli Zehs Roman „Unterleuten“, aus dem Rudloff mit vollem Körpereinsatz und stimmlicher Wandlungsfähigkeit rezitieren wird. Das Windpark-Vorhaben einer Investmentfirma lässt in der Handlung die Wellen der Entrüstung hoch schlagen und unterdrückte Streitigkeiten aufbrechen.
„Altes Land“ aus der Feder von Dörte Hansen, ein weiterer Roman, aus dem Rudloff liest, erzählt hingegen von dem als „Pollackenkind“ verunglimpften Mädchen Vera, das mit der Mutter nach der Flucht aus Ostpreußen 1945 auf einem Hof im Alten Land unterkommt. Vera fühlt sich ihr Leben lang „fremd in dem großen, kalten Bauernhaus und kann trotzdem nicht davon lassen“, heißt es im Klappentext. Und weiter: „Bis sechzig Jahre später plötzlich ihre Nichte Anne vor der Tür steht. Sie ist mit ihrem kleinen Sohn aus Hamburg-Ottensen geflüchtet, wo ehrgeizige Vollwert-Eltern ihre Kinder wie Preispokale durch die Straßen tragen – und wo Annes Mann eine andere liebt.“
Karten für die Rainer-Rudloff-Lesung gibt es bei Schreibwaren Beuke und in der Samtgemeindebücherei in Harpstedt. Das Stück kostet zehn Euro.