Heute vor 40 Jahren: Orkan fegt über Wildeshausen / Schneise der Verwüstung

„Quimburga“ bringt Giebel des Rathauses ins Wanken

Arg mitgenommen wurde der Schornstein der Brennerei Kolloge in Wildeshausen. · Repro: Panschar
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Arg mitgenommen wurde der Schornstein der Brennerei Kolloge in Wildeshausen. · Repro: Panschar

Wildeshausen - Von Joachim DeckerBäume knickten wie Streichhölzer ab, Straßen waren unpassierbar. Immer wieder Radiodurchsagen, dass die Bürger zu Hause bleiben sollen: Heute vor genau 40 Jahren wütete das Tief „Quimburga“ über unserer Region und hinterließ eine Schneise der Verwüstung. Heute erinnert ein Gedenkstein mit der Aufschrift „Sturmkatastrophe, 13.11.1972“ im Hölscherholz an dieses schlimme Ereignis.

Mit einer Geschwindigkeit, die in der Spitze gut 180 km/h erreichte, kam der Orkan daher, vernichtete alles, was ihm im Weg stand. „Auch Wildeshausen und der gesamte Landkreis Oldenburg werden die gestrigen Vormittagsstunden kaum vergessen können“, schrieb die Wildeshauser Zeitung am 14. November 1972 in einer Sonderveröffentlichung. „Nicht nur, dass fast kein Haus übrig blieb, auf dem das Dach noch intakt war, die Hiobsbotschaften überschlugen sich.“ So stellten die Dachpfannen, die von beiden Kirchen in der Stadt rauschten, eine erhebliche Gefahr für die Menschen dar. Doch damit nicht genug, Zeitzeugen können sich noch gut erinnern, dass ein Teil des Marktplatzes gesperrt wurde. „Am Giebel des historischen Rathauses wurden Bewegungen festgestellt. Hier befürchteten Experten den Einsturz“, war in der Wildeshauser Zeitung zu lesen. Der Schornstein der Brennerei Kolloge stürzte ein, Vulkanfiber meldete ein abgedecktes Fabrikdach, und bei der Firma Lewandowski flog das Eternitdach in Fetzen durch die Gegend. Hinzu kam, dass in Düngstrup und Busch eine Reihe umgestürzter Bäume eine unüberwindliche Blockade für die Eisenbahn bildete.

Conrad Kramer war seinerzeit stellvertretender Ortsbrandmeister in der Wittekindstadt. Er kann sich noch sehr gut erinnern: „Wir waren beruflich auf einer Baustelle in Ganderkesee. Als der Sturm zunahm, haben wir den Bau verlassen und sind nach Hause gefahren. An der Altona-Kreuzung kamen uns schon große Baumkronen entgegen, die einfach so abgebrochen waren. “

In der Stadt sei dann „das Theater“ richtig losgegangen. „Ein Einsatz folgte dem anderen, immer wieder mussten wir Straßen und Wege freischneiden. Es gab einfach nirgends ein Durchkommen“, sagt Kramer. Hinzu seien Einsätze der ganz anderen Art gekommen: „Mit einem Notstromaggregat sind wir auf Bauernhöfe gefahren und haben den Landwirten beim Melken der Kühe geholfen. Schließlich war auch die Stromversorgung komplett unterbrochen.“

Peter Hahn war damals Hauptfeldwebel bei der Bundeswehr in Wildeshausen: „Ich war mit meinen Soldaten auf dem Standortübungsplatz in Aumühle. Es herrschte so eine ganz seltsame Stimmung, alles war ruhig, bis mit einem Mal der Sturm losbrach.“ Er sei immer schlimmer geworden, sehr schnell seien die Kronen der Kiefern abgebrochen: „Umgehend habe ich mich mit den Soldaten auf die Glaner Straße begeben, um dann zurück zur Kaserne zu gelangen.“

Die Bundeswehr sei an diesem Tag im Großeinsatz gewesen. „Unsere Kompanie hat in der Wiekau und auch von der Glaner Straße aus in Richtung Dötlingen die Straßen und Wege freigeschnitten“, betont Hahn, der im privaten Bereich einen gewaltigen Schrecken zu verdauen hatte: „Meine Ehefrau hat mich angerufen und mitgeteilt, dass unsere Tochter Bettina nicht von der Schule nach Hause gekommen ist.“ Die Lehrer hätten die Schüler sehr früh wegen des Sturms nach Hause geschickt: „Allerdings konnte ich das nicht verstehen, immerhin war es recht gefährlich, sich im Freien zu bewegen.“ Zum Glück hätten die Eltern einer Schulfreundin angerufen und erzählt, dass Bettina bei ihnen ist.

Alfred Panschar musste am Morgen nach Oldenburg zur Arbeit: „Als ich gegen 6.30 Uhr in Kirchhatten war, brach der Sturm los, Äste stürzten zu Boden und große Bäume kippten einfach um, teilweise auf die Straße.“ In Oldenburg angekommen habe er von der Kantine aus beobachten können, wie ein Bauwagen wie ein Spielzeugauto vom Wind über die Straße gekullert wurde: „Nachmittags rief mich meine Frau an, unser halbes Dach war abgedeckt worden. Das seltsame war, dass die Windseite unbeschädigt blieb. Auf der anderen Seite hatte der Wind die Pfannen praktisch vom Dach gesaugt.“ Später sei er dann mit Fahrrad die Ahlhorner Straße entlang gefahren: „Es sah einfach schlimm aus, der ganze Wald war platt, der Sturm hatte eine gewaltige Schneise geschlagen.“

Bei VFW-Fokker war Manfred Rollié beschäftigt: „Es war nicht möglich, nach Bremen zu gelangen. Bäume waren reihenweise umgekippt und hatten die Straßen versperrt. Immer wieder kamen Warnmeldungen im Radio.“

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