Gastwirte befürchten trüben Jahresausklang
Weihnachtsfeiern reihenweise abgesagt
Dank vieler Weihnachtsfeiern ist der Dezember eigentlich ein guter Monat für die Gastronomie. Allerdings werden zurzeit reihenweise Veranstaltungen abgesagt.
Wildeshausen – Bei den Gastwirten in Wildeshausen werden zurzeit reihenweise Weihnachtsfeiern abgesagt. „Jetzt gerade nochmal fünf Stück“, berichtet Holger Munke von der „Gildestube“ am Dienstag gegen Mittag im Gespräch mit unserer Zeitung.
Bei dem Gastronomen in Zwischenbrücken werden seit Tagen Feste von Betrieben und Freundesgruppen storniert. Darunter auch Weihnachtsfeiern vieler Behörden, sagt er. „Und wenn die Leute etwas reservieren, sagen sie gleich schon, dass sie vielleicht wieder zurückziehen.“ Munke hat durchaus Verständnis für die aktuellen Absagen. Da seien zum Beispiel Firmen mit Angestellten, von denen nicht jeder geimpft sei, und die deswegen nicht alle Kollegen einladen könnten. „Den Leuten tut es richtig leid, wenn sie anrufen, um den Termin zu streichen.“
Trotzdem bleibt es eine schwierige Situation für den Wildeshauser Wirt. „Absagen, Absagen, Absagen. Für uns sieht es ganz schlimm aus.“ Die Einnahmen des in normalen Jahren so ertragreichen Jahresendes drohen zurzeit deutlich kleiner auszufallen als veranschlagt. Hoffnung hat er wenig. „Der Drops ist gelutscht“, meint er zur Chance, finanziell im Dezember doch gut dazustehen. Und: „Diese Verluste ersetzt uns keiner“, befürchtet Munke.
Zweifel an 2G-Plus für Lokale
In der „Brasserie“ an der Westerstraße werden auch schon seit ein paar Wochen Reservierungen und Stammtische abgesagt – natürlich längst nicht alle. Aber doch immer wieder, sagt Wirt Stefan Thuns. Die am Dienstag vorgestellte verschärfte niedersächsische Corona-Verordnung sieht vor, dass in der Warnstufe zwei die 2G-Plus-Regel in der Gastronomie gilt. Dann müssten die Gäste nicht nur geimpft oder genesen, sondern auch getestet sein. Seit Mittwoch steht das Land bei Warnstufe eins. Trotzdem blickt Thuns voraus. „Wer dann eben mal eine Tasse Kaffee trinken oder am Wochenmarkt frühstücken will, der macht doch keinen Test“, hält er die Bestimmungen für wenig praktikabel.
Im „Alten Amtshaus“ ist die Stimmung ebenfalls nicht gut. Die Lage sei „katastrophal, sämtliche große Feiern werden abgesagt“, berichtet Frank Stauga, der auch die „Domschänke“ in Verden und den „Schützenhof“ in Rechterfeld betreibt.
Schon im langen Winter-Lockdown des vergangenen Jahres mussten sich viele Menschen, die normalerweise in der Gastronomie beschäftigt sind, einen anderen Job suchen. „Jeder Mitarbeiter der ,Gildestube‘ hat in den neun Monaten etwas anderes gemacht“, so Munke. Und alle hätten es sich offengehalten, in dem Job weiterhin ein paar Stunden zu machen, damit sie einen Plan B haben, wenn die Gastronomie wieder schließt. „Einfach um über die Runden zu kommen“, so Munke. Die Zukunft wird zeigen, wie viele Kräfte zurückkommen und ob die ohnehin angespannte Personalsituation in der Branche noch schwieriger wird.