Arbeitsaufwand pro Fall steigt aber

Weniger Schwangere lassen sich bei Donum Vitae in Wildeshausen beraten

Ein Trio im Einsatz für Schwangere: Sabine Bernhold (von links), Christa Heimermann und Brigitte Meyer-Tönjes.
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Ein Trio im Einsatz für Schwangere: Sabine Bernhold (von links), Christa Heimermann und Brigitte Meyer-Tönjes.

Zwar lassen sich weniger Schwangere beraten, aber der Aufwand pro Fall nimmt zu, heißt es von der Schwangerschaftskonfliktberatungsstelle in Wildeshausen.

Wildeshausen – Die Zahl der Frauen, die die Schwangerschaftskonfliktberatungsstelle „Donum Vitae“ in Wildeshausen aufsuchen, ist im vergangenen Jahr deutlich gesunken: von 306 auf 263. Das sei der allgemeine Trend in Beratungsstellen, der nun auch in der Kreisstadt angekommen sei, sagte die Sozialpädagogin und Beraterin Sabine Bernhold. Und: Für dieses Jahr lägen die Zahlen schon wieder über dem Vergleichszeitraum im Vorjahr, hieß es am Mittwoch bei der Vorstellung des Jahresberichts 2021.

Seit mehr als 20 Jahren steht „Donum Vitae“ in Wildeshausen den Frauen im Landkreis Oldenburg zur Verfügung. Neben Bernhold arbeitet die Sozialpädagogin Brigitte Meyer-Tönjes ebenfalls als Beraterin. Vorsitzende des Vereins ist Christa Heimermann.

54 Frauen kamen in die Schwangerschaftskonfliktberatung, weil sie mussten (2020: 82). Die Bescheinigung einer Beratung durch eine staatlich anerkannte Stelle ist für Abtreibungen erforderlich. Das Ziel sei jedoch nicht, die Frauen in die eine oder andere Richtung zu drängen, betonten Bernhold und Meyer-Tönjes beim Pressegespräch. „Sie müssen uns von nichts überzeugen. Wir wollen sie stattdessen in ihrer Entscheidungsfindung weiterbringen“, erklärte Erstere. Ihre Kollegin ergänzte: „Oft sagen die Schwangeren, dass sie ohne Zwang nicht gekommen wären. Aber die neutrale Beratung hilft weiter und tut den allermeisten Frauen auch gut.“

Die weitaus meisten Gespräche drehen sich allerdings nicht um die Frage einer Abtreibung, sondern um andere Sorgen der Frauen. Bei den Beratungen führt das Thema „Soziale Fragen/Leistungen“ mit 280 Fällen (Mehrfachnennungen möglich) die Liste eindeutig an. Es folgen „Schwangerschaft/Geburt“ (190) sowie die „Vermittlung finanzieller Hilfen“ (158). Die Beraterinnen weisen immer wieder auf die Möglichkeit hin, Leistungen wie das Wohngeld in Anspruch zu nehmen. Neu ist dabei der Sonderfonds „Startklar in die Zukunft“ des Landes, über den Freizeit- und Bildungsaktivitäten von armen Familien gefördert werden sollen.

Psychische Probleme nehmen zu

Auffallend häufig sei, dass die Frauen zunehmend von psychischen Problem erzähle, berichteten Bernhold und Meyer-Tönjes. Mutlosigkeit, Überforderung, Unsicherheit und Ängste seien viel öfter Thema als in den Vorjahren. Einen ursächlichen Bezug zur Coronapandemie wollen die Sozialpädagoginnen aber nicht ziehen. Der Grund für den Anstieg sei unbekannt.

Im niedersächsischen Vergleich fällt auf, dass besonders viele bulgarische Frauen die Hilfe in Anspruch nehmen. Eine ungeplante Schwangerschaft sei bei einer schwierigen Wohnsituation und befristeten Arbeitsverträgen für diese Frauen besonders katastrophal, heißt es dazu im Bericht.

Auch wenn die Zahl der Beratungen zumindest im vergangenen Jahr rückläufig ist, sei der Arbeitsaufwand pro Fall gestiegen, heißt es im Jahresbericht. Gleichzeitig gehe das Spendenaufkommen immer weiter zurück. Zum Hintergrund: Das Land trägt 80 Prozent der Ausgaben. Der Landkreis, die Stadt und Spender den Rest.

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