Bislang wenig Ukrainer unter den Tafelkunden
Eine Absprache mit der Leitung des Campus Unterstedt verhindert bislang noch eine Überlastung der Tafel in Rotenburg. Das berichtet der Leiter dieser Einrichtung, Hero Feenders. Normalerweise nutzen 50 bis 90 Kunden einen Ausgabetag in Rotenburg. Die Kapazitäten sind begrenzt.
Rotenburg – Jeden Tag kommen Tausende ukrainische Geflüchtete in Deutschland an. Manche werden von Privatleuten oder Verwandten aufgenommen. Andere finden in Aufnahmeeinrichtungen wie dem Campus Unter-stedt in Rotenburg oder der ehemaligen Kaserne in Visselhövede Unterschlupf.
Doch die Geflüchteten brauchen nicht nur eine Unterkunft, sondern auch eine Möglichkeit zur Versorgung. Da kommt die Rotenburger Tafel ins Spiel. Deren Vorsitzender Hero Feenders berichtet, wie sich das Eintreffen der Ukrainer auf die Arbeit der Tafel auswirkt.
„Ja, es sind Ukrainerinnen gekommen“, bestätigt er die Anwesenheit von Geflüchteten in der Ausgabestelle Rotenburg. Doch bis jetzt halte sich der Andrang in Grenzen: „In den vergangenen zwei Wochen waren zwischen drei und sechs Frauen zur Ausgabe erschienen.“ Zum Vergleich: Laut Feenders suchen normalerweise zwischen 50 und 90 Menschen die Ausgabestelle der Tafel in Rotenburg auf. Der Grund für die eher geringe Anzahl an ukrainischen Tafelkunden sieht Feenders in einer Vereinbarung mit der Leitung des Campus Unterstedt: „Die Menschen, die dort untergebracht sind, werden nicht zur Tafel kommen.“
Dabei greifen der Campus und die Tafel auf die Erfahrungen aus der Migrationswelle 2015 zurück. Auch damals gab es schon eine solche Übereinkunft, um die Rotenburger Tafel vor Überlastung zu schützen. „Die Personenzahl auf dem Campus ist zu groß, als dass wir diese Anzahl bewältigen könnten“, sagt Feenders. In der Wohneinrichtung leben bislang 13 Frauen mit insgesamt 18 Kindern unter 18 Jahren.
Die Kommunikation mit den ukrainischen Tafelkunden läuft über Dolmetscher ab, wie Feenders berichtet. So seien die Geflüchteten von ehrenamtlichen Helfern begleitet worden, die der russischen Sprache mächtig sind.
Bereits vor dem Krieg in der Ukraine habe die Tafel Herausforderungen bewältigen müssen. Während der zweijährigen Arbeit unter Corona-Bedingungen habe sich die Ausgabezeit um ein- bis eineinhalb Stunden verlängert. „Wir haben den Eindruck, dass wir sowohl was die Warenmenge wie auch die Zahl der Personen angeht, am Limit sind“, erzählt Feenders.
Stark angestiegene Energiepreise sind eine weitere Kriegsfolge. Schon zuvor hatten Inflation und höhere Lebenshaltungskosten viele Menschen in Deutschland finanziell belastet. Einen Einfluss auf die Spendenbereitschaft hat Feenders indes nicht ausmachen können: „Wir bekommen Spenden über das Jahr verteilt, mal größere, mal kleinere Beträge.“ Der Schwerpunkt für Geldspenden an die Tafel liege ohnehin im Dezember.