Lauenbrücker Familie fordert von der Kommune Beistand – scheitert bisher aber

Plage in Lauenbrück: Die Ratten nagen fröhlich weiter

Die Nagetiere bei der Arbeit. Dutzende Fotos davon existieren, die die Familie mit ihrer Kamera gemacht hat. Fotos: Warnecke
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Die Nagetiere bei der Arbeit. Dutzende Fotos davon existieren, die die Familie mit ihrer Kamera gemacht hat.

Lauenbrück - Die Sonne scheint, die Terrassentür bleibt trotzdem geschlossen. Besser ist das. Im Garten von Familie Brandhofer, idyllisch am Schwarzen Weg in Lauenbrück gelegen, haben sich Ratten ausgebreitet.

Seitdem das benachbarte Getreidefeld abgeerntet worden sei, würden sich die Nagetiere zuhauf auf seinem Grundstück tummeln, berichtet Vater Christian Brandhofer (60). „Das geht nun schon gut drei Wochen so.“ Auch eine Nachbarin klagt ihr Leid. „Wir haben bei uns schon eine lebende und eine tote Ratte gefunden – ob es dieselbe ist, weiß ich nicht“, so die dreifache Mutter, die ihre Kinder derzeit lieber nicht im Garten spielen lässt. „Wer weiß, welche Krankheiten die übertragen können.“

Und genau das ist es, was Christian Brandhofer, seine Frau Ute und Sohnemann Malte in diesen Tagen umtreibt. „Wir wohnen hier schon über 20 Jahre, eine Rattenplage, wie wir sie jetzt erleben, hatten wir aber noch nie“, sagt der Jurist, während es nebenan im Unterholz zu Rascheln anfängt. „Hören Sie? Da ist wieder eine – das geht schon die ganze Zeit so!“

Wie hoch der Bestand an den ganz und gar nicht willkommenen Untermietern ist, wisse er auch nicht. „Es müssen aber wohl mindestens ein Dutzend sein“, meint der Sohnemann, der den einen oder anderen Eindringling auf seinem Beutefeldzug auch schon mit der Kamera abgelichtet hat. „Von so einer Vermehrungsrate sind selbst wir nicht ausgegangen.“

Dass die Nager im Bereich Schwarzer Weg eine Art „Schlaraffenland“ vorfinden würden, bestreitet Christian Brandhofer nicht. „Die haben jetzt auf dem abgeernteten Feld eine prima Nahrungsgrundlage, da liegt ja alles voller Körner.“ Und auch am eigenen Haselnussstrauch könnten sich die Ratten laben, was sie auch, wenn sie den Maschendrahtzaun überwunden hätten, rege tun würden. Die Vogeltränke im Garten hat die Familie inzwischen trockengelegt, denn auch die, berichtet der 60-Jährige, habe die Tiere zum Durststillen angelockt.

Anfangs war die Familie noch frohen Mutes, mit von ihr selbstausgelegten Giftködern die Rattenplage irgendwie in den Griff zu bekommen. „Aber es hat von der Population her überhaupt nichts genützt“, meint Brandhofer. Da seinen Worten nach auch einige Nachbargrundstücke betroffen seien und die Bekämpfung ausschließlich in seinem Garten aufgrund der geografischen Verhältnisse nichts bringen würde, was ihm auch bereits ein Schädlingsbekämpfer bestätigt habe, sieht er nun die Samtgemeinde in der Pflicht, sich der Sache in Form einer groß angelegten Entrattung anzunehmen.

„Das haben wir auch schon im Rathaus beantragt – nur hat uns die Verwaltung daraufhin mitgeteilt, dass eine solche Maßnahme, die auf ihre Kosten gehen würde, völlig unbegründet sei“, ärgert sich der Jurist.

Das kann Tobias Krüger, der Samtgemeindebürgermeister, bestätigen. Auf Nachfrage unserer Zeitung erklärt der, dass man verwaltungsseitig mit den anliegenden Nachbarn nach Bekanntwerden des Falls Kontakt aufgenommen und konkret nachgefragt habe, ob deren Grundstück tatsächlich auch betroffen sei. „Dies wurde verneint“, so Krüger. „Nur auf einem einzigen Nachbargrundstück wurde eine verendete Ratte vorgefunden.“

Dies, meint Christian Brandhofer, würde aber exakt dem widersprechen, was er und seine Familie beobachtet hätten. „Die rennen auch zu den Nachbarn rüber – nur, wenn man die darauf anspricht, heißt es oft nur: Ratten? Bei mir? Das kann nicht sein!‘“

Bürgermeister Krüger sieht jedenfalls ganz und gar nicht die Voraussetzungen für eine Entrattung auf Kosten des Steuerzahlers durch seine Samtgemeinde erfüllt: „Erst, wenn mehrere Grundstücke betroffen sind und zusätzlich die Schädlinge nicht durch Maßnahmen auf dem einzelnen Grundstück durch den Eigentümer Erfolg versprechen, ist die jeweilige Kommune zuständig“, beruft er sich auf das Reglement.

„Dies resultiert nicht zuletzt aus dem Gedanken, dass jeder zunächst für sein Grundstück selbst Verantwortung trägt und Mittel der Gemeinschaft nur dort eingesetzt werden, wo diese auch betroffen ist oder besondere Gefahr droht.“ Natürlich, meint er, sei die Situation für die Familie nicht angenehm, „das kann ich schon gut nachvollziehen“. „Allerdings sehe ich daher erst recht die Notwendigkeit, dass sie in eigener Zuständigkeit einen Fachmann zur Bekämpfung beauftragt.“

Mit diesem Gedanken spielt die Familie nun tatsächlich, zwangsläufig, auch wenn sie sich davon keinen Erfolg verspricht. „Aber irgendwas müssen wir ja tun, denn die Viecher vermehren sich rasend schnell“, so Brandhofer. Die dadurch entstehenden Kosten wolle man jedenfalls der Samtgemeinde in Rechnung stellen.

Aber wer weiß: Womöglich muss die Kommune am Ende doch noch „entratten“. Und zwar via richterlichem Beschluss. „Da man sich überhaupt nicht kooperativ gezeigt hat, werden wir nun eine einstweilige Anordnung beim zuständigen Verwaltungsgericht in Stade beantragen“, zeigt sich der 60-Jährige kämpferisch.

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