DRK testet E-Rettungswagen in Rotenburg
Die „Zukunft des Rettungsdienstes“ dürfte mit dem Strom aus der Steckdose mobil sein – so lautet die Einschätzung von Heike von Ostrowski. Nicht nur die Dezernentin des Landkreises ist von dem elektrisch angetriebenen Rettungswagen überzeugt. Auch das DRK mag den E-RTW, den es zwei Wochen lang testen konnte.
Rotenburg – Ein Prototyp on Tour in Rotenburg und Umgebung – viele werden den auffälligen Krankentransport aus dem Hause WAS mit dem hervorstechenden Schriftzug in den vergangenen zwei Wochen gesehen haben. Das Fahrzeug, das vorübergehend zum Fuhrpark des Rettungsdienstes gehört, ist ein sogenannter E-RTW, also ein elektrisch betriebener Rettungswagen. Zwei Wochen lang testet das DRK das Versuchsfahrzeug. Weg vom Diesel, hin zum Strom.
Heike von Ostrowski, Dezernentin des Landkreises Rotenburg, ist bereits jetzt überzeugt: „Das dürfte die Zukunft des Rettungsdienstes sein“. Dirk Richter will sich beim Termin mit der Presse nicht ganz so weit aus dem Fenster lehnen. Der Rotenburger Rettungsdienstleiter gibt zu Protokoll, dass das Fahrzeug während der Testphase 24 Stunden am Tag im Einsatz ist. Davon ausgenommen sind natürlich die kurzen Lade-Halte, die beispielsweise am Diakonieklinikum dafür sorgen, dass die metaphorische Tachonadel nie unter 80 Prozent fällt. Richter scheint angetan, sagt aber auch: „Hier und da merkt man noch, dass das Auto in der Entwicklungsphase ist.“
Im Einsatzfall würde der E-RTW mit einer Batterieleistung von 87 kWh zwischen 150 bis 200 Kilometer schaffen, bis er wieder an eine Ladebox muss, erklärt Christoph Stegmann, von der Wietmarscher Ambulanz- und Sonderfahrzeug GmbH, kurz: WAS. So weit kommt es allerdings nie, teilt Nils de Boer mit: „Wir waren bisher in der Regel zwischen zehn und 30 Kilometer unterwegs, einmal 34. Die Leitstelle beachtet, dass wir nicht zu lange Strecken zurücklegen“, sagt der Fuhrpark- und stellvertretende Wachenleiter. Die Ladezeiten am Krankenhaus seien kurz, „Rucki-Zucki“ sei der Akku wieder voll. „Als Nutzer habe ich da gar keine Bedenken“, sagt de Boer. Er muss es wissen, ist er doch derjenige, der den E-RTW am meisten fährt.
Technisch gesehen ist der Elektrorettungswagen ein umgebauter Sprinter, erklärt Stegmann. Zwei Jahre habe WAS mit der Entwicklung bis zum jetzigen Stand gebraucht. Innerlich sei der Prototyp mit allem ausgerüstet, was ein „normaler“ RTW auch braucht. Die Batterie sei einerseits brandhemmend und könne nicht explodieren – gerade vor dem Hintergrund steigender Unfallzahlen mit Rettungswagen von Bedeutung – andererseits ist sie frei von Nickel und Kobalt, seltene Metalle, deren Beschaffungswege umstritten sind. „Das sind zwei eklatante Vorteile“, sagt Stegmann.
Drei weitere Prototypen sind im Einsatz, der erste hat bereits den Besitzer gewechselt. Zu welchem Preis und wohin, das will Stegmann nicht sagen. Nur so viel: Auch dieser E-RTW wird in Norddeutschland unterwegs sein. „Unser Wettbewerber beäugt uns sehr genau“, sagt der WAS-Vertreter zu seiner Verschwiegenheit. Außerdem wären die Zahlen in einem halben bis Dreivierteljahr auch veraltet.
Wann und ob der E-RTW fest nach Rotenburg kommt, darüber gibt es vonseiten des Landkreises noch keine klare Antwort. „Wir wollen die Technologie testen und so Erfahrung auf- und Angst vor ihr abbauen. Außerdem geben wir dem Hersteller so die Möglichkeit, Daten für die Optimierung zu sammeln“, sagt von Ostrowski. Letztlich sei die Einführung auch eine Frage des Geldes, argumentiert Silke Hinze vom Amt für Rettungsdienstmanagement: „Wenn es zu einer Einführung kommen soll, hängt vieles von Verhandlungen mit den Krankenkassen ab, die nun mal die Kostenträger sind.“
Nach dem Testbetrieb würden die Daten ausgewertet und die Mitarbeiter zu ihren Erfahrungen mit dem E-RTW befragt, teilt Christine Huchzermeier in einer Pressemeldung mit. Die Sprecherin des Landkreises fügt hinzu: „Ein weiterer Testlauf ist schon geplant, auch ein Hybrid-Krankentransportwagen (KTW) soll für einige Zeit in den Einsatz, sodass am Ende die Vor- und Nachteile aller drei möglichen Antriebsmodelle – Diesel, Elektro, Hybrid – miteinander verglichen werden können.“
Von Andreas Schultz

