Früher, teurer, weiter: Wie Reisebüros in Rotenburg und Sottrum den Buchungsansturm erleben

Das Tal von Glencoe in Schottland passt ins Schema derzeit gefragter Reiseziele: weit weg und ausgefallen. Ziele wie dieses zeigen den Nachholbedarf, den Reisebürobetreiber Lutz Ilenborg und Manuela Boots-Brunkhorst bei ihren Kunden ausmachen.
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Das Tal von Glencoe in Schottland passt ins Schema derzeit gefragter Reiseziele: weit weg und ausgefallen. Ziele wie dieses zeigen den Nachholbedarf, den Reisebürobetreiber Lutz Ilenborg und Manuela Boots-Brunkhorst bei ihren Kunden ausmachen.

Die Coronaflaute in den Reisebüros ist vorbei. Die Menschen haben wieder Lust auf Urlaub. Das Buchungsverhalten hat sich gewandelt. Es gibt viel zu tun.

Rotenburg/Sottrum – Hinaus in die weite Welt, mal etwas anderes sehen als die eigene Raufasertapete, den eigenen Wohnort, das eigene Land: Das Fernweh hat die Deutschen wieder fest im Griff – auch im Landkreis Rotenburg. Reiseunternehmer, die bislang nicht von der großen Buchungswelle erfasst worden sind, spüren sie spätestens jetzt – so auch Manuela Boots-Brunkhorst vom Tui Reise-Center in Rotenburg und Lutz Ilenborg vom Reisebüro Sottrum.

„Wir sind durchgehend von neun Uhr morgens bis in die Abendstunden damit beschäftigt, diese Welle zu durchbrechen und die Leute in einen glücklichen Urlaub zu schicken“, fasst die Inhaberin des Rotenburger Geschäfts zusammen. Das vierköpfige Rotenburger Team ist genauso eingespannt wie der Sottrumer Einzelkämpfer Ilenborg.

Kunden wollen etwas nachholen

Der Unterschied zum Geschäft der zurückliegenden zwei Jahre sei stark sichtbar. Die Monate um den Jahreswechsel, November, Dezember und Januar, seien traditionell die arbeitsreichsten, weil die Kunden dann ihren Jahresurlaub schon festgelegt hätten – allerdings lege das Geschäft in der Zeit nach Ende vieler Corona-Einschränkungen noch eine Schippe drauf, findet Boots-Brunkhorst.

Da ist sie sich auch mit ihrem Sottrumer Kollegen einig, der sagt: „Die Kunden haben das Gefühl, etwas nachholen zu müssen. Das merkt man auch an der Qualität der Reiseziele“. Fernreisen seien gefragter als üblich: Es geht weiter weg als sonst, nicht selten werde der Kontinent gewechselt – gern reist die Kundschaft derzeit nach Asien und Afrika, auf die Malediven beispielsweise oder nach Tansania. Auch die USA stehen laut Ilenborg hoch im Kurs. Auf die Länge der Reise habe das allerdings „kaum Auswirkungen. Aber auf die Qualität: Es wird exklusiver. Oder aufregender.“

Es wird früher gebucht

Darüber hinaus verzeichnet seine Kollegin Boots-Brunkhorst auch mehr vorausschauendes Planen: Einige Kunden fragen Reisen an, die zeitlich noch in weiter Ferne liegen: Ein Kunde habe bereits sein Silvester 2023 verplant, ein anderer den Ski-Urlaub für Januar 2024 gebucht – für die Chefin des Rotenburger Büros ein klares Zeichen dafür, dass der früh und fest terminierte Auszug in die Welt Halt und Sicherheit gibt: „Die Leute suchen sich auf diese Weise einen Anker“, vermutet sie.

Wegfallende beziehungsweise nach und nach abebbende Einreisebeschränkungen trügen zur aktuellen Buchungswelle bei. Aber auch banalere Dinge wie das inzwischen wieder erlaubte Reisen ohne Mundnasenschutz im Nahverkehr und auf Flügen. Der dadurch steigende Komfort hat Folgen: „Da bekommen die Leute eben auch wieder mehr Lust, zu reisen“, meint Ilenborg.

Positive Momente

Dem stehe auch die teils schwierige wirtschaftliche Lage mit Energiekrise, Inflation und Ukraine-Krieg nicht mehr im Weg: „Wer es sich irgendwie leisten kann, versucht jetzt, Reisen zu realisieren und das Verpasste nachzuholen“, so der Sottrumer. Boots-Brunkhorst sieht in Krisenzeiten sogar Motivatoren: „Wir verkaufen positive Moment in einer Welt voller negativer Nachrichten“, sagt sie – gerade jetzt sei das von ihnen vermittelte Produkt attraktiv.

Für das Rotenburger Unternehmen ist der vor Kurzem einsetzende Aufschwung eine große Erleichterung. „Wir waren furchtbar betroffen“, sagt Boots-Brunkhorst über die zurückliegende Flaute der Corona-Jahre. Etwas entspannter sieht es Ilenborg. Natürlich hätte das Geschäft für ihn rückläufige Zahlen bereitgehalten, allerdings hätten die Stammkunden ihm im Rahmen der Möglichkeiten die Treue gehalten. „Ja, es war eingeschränkt, aber die Leute sind gereist“, sagt er. Dass die Kunden auch in Zeiten mit wenig Möglichkeiten bei ihm waren, erklärt der Sottrumer sich ganz einfach: „Ich mache das seit mehr als 20 Jahren“, die lange Aktivität in der Branche bringe die genannten Vorteile mit sich. Die große Flaute blieb demnach für ihn aus, „da will ich also gar nicht groß klagen“.

Nun folgt auf die Flaute die Welle. Und es ist nicht auszuschließen, dass Betreiber von Reisebüros nach dem großen Ansturm selbst erst mal zu Kunden werden.

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