Identitätsdiebstahl: Der Fall Vivian K.

Symbolbild Betrug Karte vor Tastatur, an der jemand tippt
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Der Betrug mit fremden Identitäten ist gerade im Netz mittlerweile ei großes Geschäft. Nutzer sollten daher vorsichtig mit ihren Daten umgehen. Das gilt insbesondere, wenn Dokumente gestohlen wurden.

Konten und Kreditanfragen auf den eigenen Namen, die fremde Menschen veranlasst haben? „Man kommt sich vor wie in einem Film“, meint Vivian K., die Opfer eines solchen Identitätsdiebstahls wurde, was strafrechtlich unter Fälschung beweiserheblicher Daten fällt.

Sottrum/Kirchwalsede – Die Geschichte beginnt Mitte Januar auf einer Baustelle in Bremen Nord, wo die Elektromeisterin im Einsatz ist. Während die 27-jährige Vivian K. (vollständiger Name der Redaktion bekannt) dort eine Zähleranlage montiert, machen sich Langfinger am verschlossenen Fahrerhaus des Kleinbusses zu schaffen und stehlen ihren schwarzen Rucksack mit roten Punkten. „Im Rucksack befanden sich mein Portemonnaie mit Personalausweis, Führerschein, Krankenversicherungskarte und Bankkarte sowie die Gehaltsabrechnung für den Monat Dezember“, erinnert sich die Kirchwalsederin, die sofort die Bankkarte sperren lässt und die Polizei über den Diebstahl informiert.

Sehr ärgerlich, dass sich in der Geldbörse gut 200 Euro befanden und alle Papiere neu beschafft werden mussten. Eine Anzeige bei der Polizei gibt Vivian K. am Folgetag auf, „damit nichts mehr passieren kann“. Da soll sie sich jedoch täuschen, denn gut zwei Wochen später erhält sie einen Anruf von Judith Rotermund von der Volksbank Wümme-Wieste, bei der K. zusammen mit ihrem Lebensgefährten Tim ein Gemeinschaftskonto führt. „Sie fragte mich, ob ich umgezogen wäre, denn bei der Schufa wurde eine neue Adresse gemeldet“, erzählt K. Bei weiteren Recherchen der Volksbank stellt sich heraus, dass zu dem Zeitpunkt bereits drei Bonitätsanfragen von fremden Instituten für Kontoeröffnungen gestellt worden waren. „Mir wurde von der Volksbank geraten, bei der Schufa eine kostenlose Auskunft der über mich gespeicherten Daten einzuholen“, berichtet Vivian K. Als ein paar Tage später die Datenkopie der Schufa (Schutzgemeinschaft für allgemeine Kreditsicherung) vorlag, erschreckt sich die 27-Jährige erneut: Fünf Bonitätsanfragen, vier erfolgreich eröffnete Konten und eine Kreditanfrage standen dort schwarz auf weiß.

„Bei der Polizei in Bremen wurde für jedes Konto eine eigene Vorgangsnummer angelegt. Außerdem folgte ich dem Ratschlag der Polizei, die Banken anzurufen, um sie über den Identitätsdiebstahl zu informieren“, so die Kirchwalsederin. Mit einem Sachbearbeiter kann Vivian K. sogar direkt telefonieren: „Er schaute sich die Identifikationsunterlagen an und erklärte, dass die Person, die das Konto eröffnet hatte, nur sehr wenig Ähnlichkeit mit meinem Foto auf dem Personalausweis hat. Auch der neue Adressaufkleber sehe gefälscht aus.“ Unverständlich, dass dort trotzdem ein Konto eröffnet wurde.

Schon gruselig, denn da stand doch tatsächlich mein Name auf dem Klingelschild.

Vivian K.

Einen anderen Gang erledigt Lebensgefährte Tim, der sich in Bremen bei der „neuen“ Adresse umschaut. „Schon gruselig, denn da stand doch tatsächlich mein Name auf dem Klingelschild“, sagt Vivian K. Für die Polizei nimmt ihr Freund ein Foto auf und entfernt das Klingelschild. Derzeit verzichtet sie auf Bestellungen über das Internet: „Daher habe ich alle Nachbarn gebeten, keine Pakete für mich anzunehmen.“ Außerdem wird sie ihre Papiere nicht mehr im Auto liegen lassen.

Um bei weiteren Aktivitäten der Betrüger schnell reagieren zu können, schließt die Elektromeisterin ein „Mein-Schufa-Plus-Abo“ ab, das einmalig 9,95 Euro und monatlich 4,95 Euro kostet. So können nicht nur die Anfragen zur eigenen Person verfolgt werden, sondern über den Identitätsschutz wird das Darknet nach gestohlenen Daten durchsucht. „Glücklicherweise läuft mein Personalausweis im August ab“, hofft Vivian K., dass dann Schluss mit den illegalen Vorgängen in ihrem Namen ist. Sie ist der Volksbank dankbar, dass durch die Aufmerksamkeit der Mitarbeiterin der Stein ins Rollen gebracht und weiter recherchiert wurde. „Sonst hätte ich es vielleicht erst gemerkt, wenn der Gerichtsvollzieher aktiv geworden wäre“, vermutet sie.

Identitätsklau: Wer nichts bestellt hat, muss auch nicht zahlen

Nichts bestellt, nichts erhalten und trotzdem trudelt eine Rechnung ein? Dann ist man womöglich Opfer von Identitätsdiebstahl geworden. Und muss nicht bezahlen. Darauf weist die Informationsplattform „Watchlist Internet“ hin. Sie bestellen Waren unter falschen Namen und Adressen – und fangen diese vor der Zustellung ab, etwa direkt vom Paketboten: Betrüger, die fremde Daten beim Online-Shopping nutzen, können für unerwartete Rechnungen im eigenen Postfach verantwortlich sein. Betroffene sollten dann den jeweiligen Versandhandel benachrichtigen, Anzeige erstatten und der Rechnung widersprechen. Außerdem: Dem Händler mitteilen, dass man kein Paket erhalten hat – und deshalb auch keine Ware zurückschicken kann. Haben Unternehmen oder Zahlungsdienstleister die offenen Forderungen bereits an Inkasso-Unternehmen weitergeleitet, muss auch hier nicht bezahlt werden. „Watchlist Internet“ empfiehlt stattdessen, den Forderungen erneut zu widersprechen. Erhält man regelmäßig Rechnungen für nicht bestellte Waren, kann es sinnvoll sein, Anzeige gegen Unbekannt zu erstatten. dpa

Im schlimmste Fall hätte dies tatsächlich passieren können, denn nach der Zivilprozessordnung muss die Zustellung des Mahnbescheides und des folgenden Vollstreckungsbescheides nicht persönlich erfolgen, sondern es ist auch eine Ersatzzustellung im Briefkasten möglich, wenn dieser eindeutig zuzuordnen ist. Und durch das Klingelschild an der Fake-Adresse hätte der Briefträger seine Aufgabe erfüllt. Da wäre ein schlechter Schufa-Score das kleinere Übel gewesen.

Seit 2016 gibt es eine zusätzliche Möglichkeit, in einem gewissen Rahmen einen weiteren Missbrauch zu unterbinden. Dafür stellt die Schufa das Formular „Einmeldung zum Identitätsbetrug“ zur Verfügung. „Damit bekommen die anfragenden Händler und Banken eine Warnmeldung. Somit wird sicherlich genauer geprüft, bevor eine Zahlung auf Rechnung zugelassen oder ein Kredit gewährt wird. Die Meldung hat aber keinen Einfluss auf den Scorewert“, heißt es von der Pressestelle der Schufa.

Carsten Wiemann, bei der Volksbank Wümme-Wieste zuständig für die Öffentlichkeitsarbeit, vermutet, dass über ein solches Konto illegale Warengeschäfte oder Geldwäsche abgewickelt werden sollten. Aus seinem Bankalltag kann er sich zwar nicht an einen ähnlichen Fall erinnern, bei Seminaren sei das aber Thema. „Häufiger ist, dass Konten bei anderen Banken mit falscher Identität eröffnet werden. Diese Konten werden dann von den Tätern genutzt, um Transaktionen wie betrügerische Überweisungen von gehackten Kundenkonten zu tätigen“, so der Bankkaufmann.

Im Landkreis spielt, anders als bei Firmensitzen von Groß- und Direktbanken, die Eröffnung von Bankkonten mit gestohlenen oder gefundenen Personalausweisen bisher kaum eine Rolle. „Von den 537 Fällen Fälschungen beweiserheblicher Daten, die wir seit dem 1. Januar 2021 im Landkreis aufgenommen haben, gab es keinen solchen Fall“, so Heiner van der Werp, Pressesprecher der Polizei Rotenburg. Sein Tipp: „Niemals einen Personalausweis im Internet hochladen!“

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