Busnotverkehr eingerichtet
Orkan „Ylenia“: Mehr als 330 Einsätze im Kreis Rotenburg
Dank Orkan „Ylenia“ haben die Einsatzkräfte im Landkreis Rotenburg gut zu tun. Bis Donnerstagnachmittag müssen sie mehr als 330 Mal ausrücken. Der Zugverkehr wurde in der Zwischenzeit eingestellt.
Rotenburg - Sturmtief „Ylenia“ hat den Landkreis Rotenburg am Mittwochabend und am Donnerstag fest im Griff. Die Feuerwehr spricht am Nachmittag von kreisweit mehr als 330 Einsätzen. Sie und die Polizei berichten überwiegend von umgestürzten Bäumen und heruntergefallenen Ästen. Für Dramatik sorgt ein Einsatz mit Beteiligung des Gefahrgutzuges bei Unterstedt. Ein Güterzug muss gegen 3.15 Uhr wegen eines Oberleitungsschadens auf der Strecke Rotenburg-Verden stoppen. Bei der Überprüfung des Zuges wird ein Fremdgeruch mit Ammoniaknote festgestellt, allerdings kann später kein Stoffaustritt festgestellt werden – es hat zu keinem Zeitpunkt Gefahr bestanden, heißt es. In Vierden bei Sittensen fallen zwei Bäume auf das Dach eines Hauses.
Metronom richtet provisorischen Busnotverkehr ein
Darüber hinaus kommt es aufgrund herabgestürzter Bäume und Unfällen örtlich zu Straßensperrungen. So kollidiert gegen 6.20 Uhr zwischen Bremervörde und Bevern ein Lkw mit einem Auto, nachdem er von einer Windböe erfasst worden war und umkippte. Außerdem stürzen zwei Bäume auf die Bundesstraße 75 zwischen Rotenburg und Scheeßel. Von Verletzten in Zusammenhang mit „Ylenia“ berichten weder Polizei noch Feuerwehr. Die Bahn stellt den Personenverkehr auf der Schiene am frühen Donnerstagmorgen ein. Wann die Züge wieder fahren dürfen, ist am Donnerstag nicht mehr ersichtlich. Die Eisenbahngesellschaft Metronom richtet einen provisorischen Busnotverkehr ein.
Am Nachmittag bleibt es zwar stürmisch, dennoch flaut der Sturm etwas ab. Die Verschnaufpause nutzen die Feuerwehren, um ihre Ausrüstung wieder bereit zu machen, so Kreisfeuerwehr-Sprecher Tim Gerhard. Das ist auch notwendig: Für die Nächte auf Freitag und auf Samstag sind weitere Stürme angekündigt. Gerade zum Sonnabend rechnet Gerhard wieder mit einem hohen Einsatzaufkommen.
Originalmeldung von 11.30 Uhr: Rotenburg - Der Blick aus dem Fenster reicht: Sturmtief Ylenia hat seit der Nacht auch den Landkreis Rotenburg im Griff. Am späten Mittwochabend hatte die Kreisverwaltung aufgrund der Prognosen in Rücksprachen mit den Leitstellen zum ersten Mal sturmbedingt seit neun Jahren einen kreisweiten Schulausfall angeordnet - zu unklar war die Lage, die dringende Frage stellte sich, ob der Schulbusverkehr überhaupt stattfinden kann. Der Bahnverkehr in der Region ist mittlerweile komplett eingestellt. Und auch wenn der Orkan wütet und so mancher kleinere Schaden im Garten am Morgen festzustellen war: Schwere Vorfälle oder Verletzte hat es nach Angaben von Polizei und Feuerwehr bislang nicht gegeben. So hieß es jedenfalls in einer ersten Bilanz am Donnerstagvormittag.
Die meisten Gefahrenstellen wurden durch die örtlichen Feuerwehren gesichert und beseitigt, so Polizeisprecher Heiner van der Werp. Allein im Rotenburger Stadtgebiet haben die Feuerwehren bis ungefähr 11 Uhr 21 Einsätze abgearbeitet, berichtet Sprecher Philipp Lins, im gesamten Kreisgebiet bis zum Morgen rund 100. Dabei handelte es sich um umgestürzte oder entwurzelte Bäume und einen Baum auf einem Haus. Am Morgen war den Angaben nach in der Kreisstadt die Glockengießerstraße für einen Feuerwehreinsatz kurzzeitig gesperrt worden. Ein großer Ast sei von einem Baum abgebrochen und in das Gebäude eines Seniorenheims gestürzt. Eine Etage der Anlage wurde geräumt. Die Feuerwehr beseitigte die Gefahr. Auf der Dorfstraße in Hemsbünde fuhr ein Auto gegen einen umgestürzten Baum, berichtet die Polizei. Zu einem ähnlichen Verkehrsunfall sei es auf der Kreisstraße zwischen Süderwalsede und Kirchwalsede gekommen. In beiden Fällen wurde niemand verletzt.
Einsatz an der Bahnlinie
Die Feuerwehren aus Ahausen und Eversen, Sottrum und Hassendorf waren mit dem Gefahrgutzug des Landkreises in der Nacht um kurz nach 3 Uhr an die Bahnstrecke Rotenburg-Verden gerufen worden. Dort hatte nach Angaben von Sottrums Feuerwehrsprecher Erik Robin ein Güterzug wegen eines Oberleitungsschadens halten müssen. Bei der Überprüfung des Zuges sei ein Fremdgeruch mit Ammoniaknote festgestellt. Da sich die Einsatzstelle abseits befestigter Wege befand, war die Ersterkundung aufwendig und langwierig. Woher der Geruch kam, blieb allerdings unklar. Ein kleiner Schaden an einem der Waggons muss nicht zwingend mit diesem Ereignis im Zusammenhang stehen, so Robin. Auch die hinzugerufenen Notfallmanager der DB Netze und der DB Cargo hätten keinen Stoffaustritt feststellen können. Aufgrund der abgelegenen Lage und des starken Winds habe weder für die Bevölkerung noch für die Einsatzkräfte eine Gefahr bestanden.
Kleinere Verkehrsunfälle
Im Nordkreis erreichte die Beamten die erste Gefahrenmeldung den Angaben nach kurz nach 23 Uhr am Mittwochabend. In Hipstedt hing eine abgerissene Telefonleitung auf die Fahrbahn. Etwas später sei ein loses Wellblech in Bremervörde gemeldet worden. Gegen 3 Uhr wurde mitgeteilt, dass die B 74 bei Kuhstedt halbseitig überflutet sei. Im weiteren Verlauf der Nacht kam es zu einigen kleineren Verkehrsunfällen durch herabgestürzte Äste. Auf der K 125 zwischen Bremervörde und Bevern kam es gegen 6.20 Uhr zu einer Kollision zwischen einem Lkw und einem Pkw, nachdem der Lastwagen von einer Windböe erfasst worden war. Der Lkw kippte um. Die Kreisstraße musste für eine halbe Stunde gesperrt werden. Um 7.20 Uhr wurde ein Lkw-Anhänger auf der B 71 zwischen Selsingen und Seedorf umgekippt. Dabei entstand Sachschaden.
Rund um Zeven verzeichnete die Polizei ebenfalls kleinere Einsätze. Als am frühen Morgen in Hamersen ein Baum auf ein Wohnhaus zu kippen drohte, sperrten Beamten der Polizeistation Sittensen die Landesstraße 130 für eine knappe Stunde. Auf der Hansalinie A1 zwischen Bremen und Hamburg kam es sturmbedingt zu keinen nennenswerten Vorfällen, heißt es.