Rotenburg braucht einen Plan

Wirtschaftsforum will Stadtentwicklung zum Jubiläum vorantreiben

Norbert Behrens
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Norbert Behrens

Rotenburg - Von Michael Krüger. Rotenburg kann mehr. Da sind sich Heiko Kehr-stephan und Norbert Behrens einig. Der Vorsitzende des Rotenburger Wirtschaftsforums (RWF) und sein Vorgänger denken groß. Sie fordern einen „Masterplan“, damit sich die rasant entwickelnde Region in und rund um die Kreisstadt im Wandel behaupten kann. Mehr Wohnraum, mehr Gewerbeflächen, mehr Kultur und eine bessere Vermarktung: Es sind nicht wenig Baustellen, die die beiden Unternehmer zum 25-jährigen Bestehen des Wirtschaftsnetzwerkes angehen wollen.

Nobert Behrens hält es nicht auf dem Stuhl. Er klammert sich an die Kaffeetasse, aber wenn der 62-jährige Geschäftsführer der Planungsgemeinschaft Nord (PGN) erst einmal Anlauf nimmt und über seine Stadt und deren Chancen redet, ist er nicht zu halten. Er blickt aus dem Bürofenster, schaut hinunter auf die Fußgängerzone und zeigt hier und da hin. Überall könnte man was machen! Besser machen! „Hier steckt eine Menge Potenzial drin“, sagt Behrens, der 13 Jahre lang das RWF geführt hat. Vieles habe man in den vergangenen 25 Jahren erreicht, vor allem, dass Politik und Wirtschaft miteinander reden, vernünftig Argumente ausgetauscht werden. „Ich wollte immer, dass mehr passiert, als Dinge im Hinterzimmer zu besprechen“, so Behrens. Öffentliche Debatten müsse es geben, gerade jetzt, wo es immer mehr Menschen in die Randgebiete der Metropolen zieht. Da gehöre Rotenburg mit seinem Umland dazu, Hamburg, Bremen und Hannover seien bestens zu erreichen, Autobahnen und Bahn vor der Haustür. Nur: „Es muss eine Strategie her“, fordert Behrens. Diese fehle in Rotenburg im großen Stil.

Als Beispiel nennt er die Entwicklung in der Innenstadt. „Alle maßgeblichen Immobilien sind zuletzt verkauft worden, ohne groß zu investieren!“ Das schade auf lange Sicht dem Standort und der Attraktivität. Die Stadt, sagt Behrens, müsse sich an Kommunen wie Soltau orientieren, die eigene Stadtentwicklungsgesellschaften haben. Die Stadt müsse selbst Eigentümer von „Schlüsselflächen“ werden, um diese entwickeln zu können. Der Lohmarkt zum Beispiel, Behrens schon viele Jahre ein Dorn im Auge: „Der muss bebaut werden.“ Der Jahrmarkt in die Innenstadt, die Flächen um den Weichelsee entwickeln, eine weitere Verdichtung mit Wohnbebauung im Stadtkern, sich verabschieden von einem „wirtschaftlich nicht machbaren Kino“, dafür ein Veranstaltungszentrum zum Beispiel auf dem Gelände der Rotenburger Werke – an Ideen mangelt es dem Bau- und Planungsunternehmer nicht, nur müssten die gebündelt auch endlich mal diskutiert werden, sagt er: „Es muss ein Masterplan her für die Stadt!“

Heiko Kehrstephan

Ein paar Straßen weiter, in seinem Hotel Landhaus Wachtelhof, nickt Heiko Kehrstephan zustimmend. Er hat das RWF-Ruder vor sechs Jahren übernommen und lobt die „beschleunigten Abläufe“, die sich durch das mittlerweile rund 190 Mitglieder zählende RWF ergäben. Kein Klüngel, sondern Wirtschaftsförderung für die Region im besten Sinne, sagt der 43-jährige Hoteldirektor. Und das gelte es auszubauen. Mit dem jüngst pensionierten Lehrer Friedhelm Horn habe man sich neben Werner Meyer einen zweiten Projektmanager an Bord geholt, der helfen soll, die größten Probleme und Herausforderungen („Fachkräfte und Wohnraum“) mit dem Netzwerk anzugehen. Unter anderem ist schon bald ein Workshop geplant, der in einer „Agenda 2030“ münden könnte – das angesprochene Stadtenwicklungskonzept. Dass das auch größere Kreise ziehen könnte, wird durch die Absicht verdeutlicht, den Unternehmensverband Rotenburg-Verden einzubinden. Und zwar mit dem neuen Vorsitzenden, der dort künftig Norbert Behrens heißen soll, wie er selbst als bisheriger Vize sagt. Die Kräfte werden gebündelt – der Plan nimmt Fahrt auf.

25-Jahr-Feier 

1988 initiierten die damaligen Sparkassendirektoren Jens Wohlers und Peter Mokrus gemeinsam mit Peter Möhl von den Stadtwerken, Heinz Cordes von der Kreishandwerkerschaft und dem damaligen Stadtdirektor Ernst-Ulrich Pfeiffer einen Wirtschaftsstammtisch, der fünf Jahre später in die Gründung des Rotenburger Wirtschaftsforums mündete. Die ersten sechs Jahre war Ernst-Wilhelm Unterhinninghofen Vorsitzender, dann übernahm Norbert Behrens. 

Nachdem bereits vor fünf Jahren das inoffizielle 25-jährige Bestehen des Netzwerkes im Wachtelhof gefeiert wurde, wird das tatsächliche Jubiläum nun am 19. Oktober in der Bildnerischen Werkstatt der Rotenburger Werke mit einem Fest begangen. 

mk

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