Eike Holsten für Landtagswahl nominiert

CDU im Wahlkreis Rotenburg: Der Nachwuchs muss ran

Mechthild Ross-Luttmann (v. l.), Eike Holsten und Hans-Heinrich Ehlen.
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Mechthild Ross-Luttmann (v. l.), Eike Holsten und Hans-Heinrich Ehlen.

Rotenburg - Von Michael Krüger. Um 21.45 Uhr grinst Eike Holsten bis über beide Ohren. Ein Kreischen aus dem Saal, dort, wo die Familie sitzt, stille Freude auf der Bühne. Mechthild Ross-Luttmann steht am Rednerpult im Rotenburger Haus am Luhner Forst und verkündet an diesem Mittwochabend das Ergebnis. Die CDUMitglieder des Landtagswahlkreises 53 haben gewählt und Ross-Luttman darf berichten, wer ihr als Direktkandidat in Hannover nachfolgen soll.

Zwei Stunden vorher schleppt Jens Richter noch hektisch Stühle. Der Andrang ist groß, das Interesse riesig, der Beginn der Aufstellungsversammlung verzögert sich. Zu viel für den Saal des Soldatenheims. 396 stimmberechtigte Parteimitglieder sind erschienen, dazu dutzende Interessierte. 

Der Kreisgeschäftsführer muss mit seinem Team Sitzgelegenheiten schaffen. Für alle reicht es nicht, man bleibt auch im Vorraum – näher am Tresen. Das Direktwahlverfahren für den Landtagskandidaten kommt an bei den Christdemokraten, mobilisiert den demokratischen Prozess. Seit der Bekanntgabe der Kandidaturen Ende 2016 hat die CDU 450 neue Mitglieder.

Prall gefüllt ist der Saal zur Abstimmung.

Holsten wagte sich als erster aus der Deckung

Eike Holsten aus Rotenburg, Achim Figgen aus Sottrum und Ernst Behrens aus Westeresch haben ihren Hut in den Ring geworfen. Ende November hatte Ex-Sozialministerin Ross-Luttmann durchaus überraschend erklärt, nach 15 Jahren im Landtag nicht mehr kandidieren zu wollen. Holsten war der erste, der sich als Anwärter aus der Deckung wagte, galt als Chef des größten Gemeindeverbandes schnell als Favorit. Doch auch der Marketing-Experte und Schützenkönig Figgen sowie der Kreistagsabgeordnete, Landwirt und Ortsbürgermeister Behrens scharrten viele Anhänger um sich. Im Saal am Mittwochabend: eine auffällig hohe Anzahl der bäuerlichen Parteivertreter.

„Jetzt muss der Nachwuchs ran“, teilt CDU-Spitzenkandidat Bernd Althusmann vor der Abstimmung per Videobotschaft mit. Die Leinwand steht auf einem Hocker mit Deutschlandfahne, am Stehpult, wo die Kandidaten jeweils 15 Minuten Werbung für sich und ihr Programm machen dürfen, die Europa-Fahne. Entsprechend groß das Themenspektrum. Innere Sicherheit, Flüchtlinge, Bildung, Landwirtschaft und Schelte der Genossen und grünen Weltverbesserer: Das Vorgetragene liegt inhaltlich nicht weit auseinander, die Art der Auftritte schon. Behrens

Eike Holsten ist der Kandidat der CDU für das Direktmandat bei der Landtagswahl im Januar. Er brachte die Mehrheite der Mitglieder hinter sich.

eröffnet die Runde mit einem getragenen Plädoyer fürs Unternehmertum und vor allem die Landwirtschaft, Holsten souveränisiert sich als Wahlkampf erfahrener Redner mit einem Rundumschlag insbesondere in Abgrenzung zur Konkurrenz, die in Hannover abgelöst gehört, Figgen unterhält als „Mann des Volkes“ und prophezeit: „Mich kennen nicht alle in Hannover, aber sie werden mich kennenlernen.“ Der Nachwuchs muss also ran, sagt Niedersachsens nächster Ministerpräsident, daran zweifelt natürlich niemand im Raum. Videogast Althusmann nimmt damit das vorweg, was später fest steht. Zunächst 95 Stimmen für den 48-jährigen Figgen, 122 für den 58-jährigen Behrens, 177 für den 33-jährigen Holsten. Figgen verabschiedet sich, der zweite Wahlgang muss her.

Nach der Auszählung der Stimmzettel war klar: Mit 222 von 384 Stimmen reicht es für Eike Holsten.

CDU-Kreisgeschäftsführer Richter lässt von seinem Team die Wahlurnen wieder aufstellen, noch einmal Gedränge und geheime Wahl, 20 Minuten später drückt er von der Auszählung im Keller heraufstürmend Ross-Luttmann einen kleinen Zettel in die Hand. Holsten 222 Stimmen, Behrens 157. Applaus, Kreischen, Grinsen.

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Am Tag danach ist Holsten vor allem erleichtert. „Meiner Familie und mir fällt ein Stein vom Herzen“, sagt er. Jetzt Wahlkampf? „Der hat längst begonnen.“ Für den zweifachen Familienvater trifft das sogar in dreierlei Hinsicht zu: Als Rotenburger Büroleiter von Kathrin Rösel organisiert er ihren Bundestagswahlkampf, für den CDU-Gemeindeverband gilt es, für Berlin und Hannover Stimmen zu sammeln und in eigener Sache nun ja auch noch. 

Dass es dann am 14. Januar klappt mit dem Direktmandat – keine Zweifel. „Davon bin ich fest überzeugt.“ Schon am Mittwochabend bemüht Holsten dazu Konrad Adenauer: „Wahlkampf ist wunderbar, man muss ihn nur gewinnen.“ Kathrin Rösel, Holstens neue Chefin seit dem Abschied von Reinhard Grindel ins DFB-Präsidentenamt, gratuliert dann auch entsprechend optimistisch: „Ein weinendes und ein lachendes Auge: Mit der Nominierung von Eike Holsten zum Landtagskandidaten verliere ich im Januar einen wertvollen Mitarbeiter.“

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Michael Krüger

um das Direktmandat bei der Landtagswahl am 14. Januar wieder unter sich ausmachen dürften, setzen auf den politischen Nachwuchs. Beide Kandidaten Anfang 30, beide mit unverkennbaren Talenten auf dem politischen Spielfeld ausgestattet, beide mit frischen Ideen. Diese Wahl war richtig. Nun aber müssen die Kandidaten zeigen, dass sie nach dem Abschied der Schwergewichte aus den beiden Rotenburger Wahlkreisen die Interessen der Region im Landtag vertreten könnten. Insbesondere die Veranstaltung der CDU im Haus am Luhner Forst hat bewiesen, dass Politik immer noch begeistern und mobilisieren kann. Der Saal platzte aus allen Nähten, das Interesse war riesig. 

Auf dem Podium präsentierten sich drei Kandidaten, die unterschiedlicher kaum sein konnten. Dem Lobbyisten der Landwirte und dem sich volksnah zeigenden Schützenbruder stand der nunmehr Gewählte als zwar junger, aber schon erfahrener Politik-Profi gegenüber. Für einige war das allerdings schon zu geschliffen und staatstragend, was auch die durchaus respek-tablen Wahlergebnisse der Konkurrenten zeigen. „Schon zu viel Grindel“, hieß es nicht nur hinter vorgehaltener Hand am Ehrentisch in erster Reihe. Ein bisschen mehr eigenes Profil, Lockerheit und Volksnähe täte Holsten tatsächlich gut, wenn es gilt, die Bürger im Wahlkreis auf seine Seite zu ziehen.

Das Rennen ist eröffnet, der Wahlkampf hat begonnen. Die Region kann sich darauf freuen – wenn der frische Wind der Nominierung anhält.

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