Rotenburg vergibt Auftrag für das Verkehrsentwicklungskonzept
Strategisch gegen den Stau
Rotenburg – Wenn Rotenburgs Bürgermeister Andreas Weber (SPD) für einen Freitagvormittag um 11 Uhr zu einem Gespräch mit der Presse ins Rathaus einlädt, muss es wichtig sein. Und das ist es auch. Denn Weber und der Rotenburger Planungsamtsleiter Clemens Bumann verkünden die Auftragsvergabe für die Fortschreibung des städtischen Verkehrsentwicklungsplanes (VEP). Den Zuschlag habe die „Planersocietät“ in Bremen erhalten. Die Stadt hat für diesen Auftrag bis zu 80 000 Euro im Haushalt bereitgestellt.
Nachdem die Stadt zuletzt den erforderlichen Prozess für das angestrebte Stadtentwicklungskonzept in Gang gesetzt hat mit dem Ziel, in das Städtebauförderprogramm aufgenommen zu werden, geht es nun also auch mit dem zweiten Schritt in Richtung Zukunft weiter. Es sind zwei Prozesse, die nicht unabhängig voneinander zu betrachten sind, macht Weber deutlich. Wenn es beispielsweise um die Erreichbarkeit des Bahnhofes geht, stehe dies ganz eng im Zusammenhang mit der innerstädtischen Entwicklung.
Dass es im Bereich des Verkehrs eine ganze Reihe von Problemen gibt, steht außer Frage. Schon lange redet man in der Politik daher über ein VEP. Weber: „Nur über diesen Weg kommen wir wirklich weiter. Es reicht nicht, immer nur an den Symptomen herumzudoktern, sondern wir müssen das Thema ganzheitlich betrachten.“
Das letzte Rotenburger VEP stammt aus dem Jahr 2002. Die jetzt in die Wege geleitete Fortschreibung lege den Prognosehorizont auf das Jahr 2030 und zielt nicht zuletzt auch auf eine Umbruchsituation in der Mobilität ab.
Das alte Zahlenwerk bedürfe einer Aktualisierung, sagt Bumann, außerdem hätten sich auch die Zielsetzungen der Mobilitätsplanung inzwischen stark verändert. Zu betrachten seien in der neuen Planung etwa Fragestellungen zum Klimaschutz, zur Barrierefreiheit oder zu den sich immer stärker abzeichnenden Auswirkungen des demografischen Wandels. Auch das Mobilitätsverhalten ändert sich also – plötzlich habe man es mit einer Sharing-Kultur und der Elektromobilität zu tun. Auch in Städten der Rotenburger Größenordnung.
Neben der grundlegenden Aktualisierung des Datenmaterials zum fließenden und zum ruhenden Verkehr sollen die Fachplaner auch ein Auge auf die strategische Neuausrichtung der Verkehrsplanung werfen. Erhebungen wird es also beim Parken ebenso geben wie beim Durchgangsverkehr sowie bei den innerstädtischen Verkehrsströmen. Bumann: „Es geht um Analyse, Bedarf und Lösungsmöglichkeiten.“ Vom VEP erwarte man ein Zielkonzept sowie ein Leitbild für die kommenden Jahre. Und das alles ist mit dem Wunsch verbunden, die Situation zu optimieren, sagen Weber und Bumann.
Die Untersuchungsbereiche erstrecken sich nicht nur auf die Innenstadt und den Lohmarkt sowie rund um das Diakonieklinikum, sondern auch auf den Bahnhof, die Brauer- und die Mühlenstraße sowie auf die Verdener Straße. Eine Frage dabei, so der Bürgermeister: „Wie lassen sich zentrale Knotenpunkte besser entlasten?“ Zugleich rücken dabei auch Schleichverkehre in den Fokus, die sich aufgrund von Problemen an anderen Stellen entwickeln. Autofahrer sind da erfinderisch, um auf dem Weg von der Arbeit nach Hause die Fahrzeit um ein paar Minuten zu verkürzen. Zum Beispiel, wenn der Weg von der Verdener Straße aus kommend in Richtung Brauerstraße eigentlich über den Kreisel führt, es aber durch die Wohnstraße – beispielsweise den Lönsweg – eben schneller geht.
Aus Sicht von Clemens Bumann sei es ganz wichtig, dass in der Fortschreibung des VEP auch der ÖPNV betrachtet wird. Darin lässt sich ebenfalls eine ganzheitliche Betrachtungsweise der aktuellen Lage erkennen.
Das alles geht allerdings nicht von heute auf morgen. Bumann: „Wir rechnen mit der Fertigstellung im März 2022.“ Und weil es einen direkten Zusammenhang mit dem Stadtentwicklungskonzept gibt, da es darin auch um verkehrstechnische Fragestellungen geht, greift das alles gut ineinander, sagt Bumann. Zudem sei es möglich, in dieser Kombination für die Umsetzung bestimmter Maßnahmen entsprechende Gelder zu generieren.
Zwei weitere Aspekte sprechen Weber und Bumann an diesem späten Freitagvormittag im Rathaus an: Einerseits beschäftige man sich im Prozess des VEP auch mit Möglichkeiten einer Umgehung, darüber hinaus spiele der Radverkehr eine wichtige Rolle. Dabei komme einem sinnvollen Wegenetz eine große Bedeutung zu. Das zu optimieren, sei ein wichtiges Anliegen, und dabei dürfe es kein Tabu sein, auch auf naturschutzrechtlich geschützte Bereiche zu blicken, sagen der Bürgermeister und der Stadtplaner.
Wichtig ist ihnen auch dies: Parallel zur Erarbeitung des VEP soll es eine Arbeitsgruppe geben, die mit Vertretern aus der Politik sowie der Polizei und auch des ADFC besetzt ist. Sie werden auf dem Laufenden gehalten und befassen sich nach und nach mit den jeweiligen Themen. Und auch die Gremien des Stadtrates würden informiert.
Ist der Verkehrsentwicklung in anderthalb Jahren fertig, könne es „Stück für Stück“ an die Umsetzung gehen. Doch auch das werde ein Prozess sein, der sich über mehrere Jahre hinziehen wird. Wenngleich in der Prioritätenliste etwa die Zukunft der Goethestraße einen vorderen Platz einnimmt. Nur einer von mehreren neuralgischen Punkten im Verkehrssystem der Kreisstadt, die jetzt auf mehreren Ebenen an ihrer Zukunft bastelt. Ergebnis: offen.