Vorbereitet auf die Ankunft der Ukraine-Flüchtlinge

Cornelia Höck (v.l.), Hanifa Khalil und Dorothee Clüver bereiten die Häuser auf dem Unterstedter Campus für die Ankunft der ersten Flüchtlinge vor.
+
Cornelia Höck (v.l.), Hanifa Khalil und Dorothee Clüver bereiten die Häuser auf dem Unterstedter Campus für die Ankunft der ersten Flüchtlinge vor.

Noch ist die Lage unklar. Gewiss ist aber: Auch im Landkreis werden Menschen ankommen, die vor dem Krieg in der Ukraine flüchten. Dafür laufen die Vorbereitungen.

Rotenburg – Wo Raketen Häuser, Spielplätze und Kindergärten treffen, da flüchten Menschen. Hunderttausende lassen derzeit ihr Heimatland Ukraine hinter sich, nachdem Russland in der vergangenen Woche einen Angriffskrieg gegen die Ukraine begonnen hat – und dabei auch immer wieder Zivilisten zu Opfern werden. Ein guter Teil davon wird auch im Landkreis Rotenburg Obdach suchen. Darauf bereiten sich die Kommunen derzeit vor.

11 .000 werden zunächst nach Niedersachsen kommen: Das ist zumindest die erste Zahl, mit der Thorsten Schiemann noch zu Beginn der Woche hantiert. In die Zuständigkeit des Rotenburger Ordnungsamtsleiters fällt auch die Unterbringung Geflüchteter, die der Stadt über den Landkreis zugeteilt werden. „Wir bereiten uns intensiv darauf vor“, sagt er und verweist auf die bereits angelaufenen Arbeiten auf dem Campus Unterstedt in Kooperation mit dem Diakonissen-Mutterhaus.

Schon seit Donnerstag sei man dabei, die notwendigen Grundlagen zu schaffen. Allerdings: Die Kapazitäten für Aufnahmen sind derzeit noch begrenzt. Platz und Versorgungsmöglichkeiten für etwa 100 Menschen, diese Zahl machte vergangene Woche noch die Runde, gebe es noch nicht. „Dass man da aus dem Stegreif 100 Menschen unterbringen könnte, das kann ich nicht bestätigen“, sagt er. „Würde jetzt ein Bus mit Geflüchteten vor dem Campus stehen: Das würden wir nicht schaffen.“

Cornelia Höck (v.l.), Dorothee Clüver und Hanifa Khalil besprechen, was es bis zur Ankunft der ersten Flüchtlinge noch alles zu tun gibt.

Für den Monat März rechnet Schiemann erst einmal mit einer Aufnahmezahl von 20 Personen. „Das wird aber eine anhaltende Entwicklung sein“, blickt der Ordnungsamtsleiter voraus. Derzeit sei es aber schwer, Zahlen zu nennen, es sei noch viel im Fluss. Aber er verspricht: „Die Kollegen rotieren.“ Sie machen sich ein Bild von den zur Verfügung stehenden Möbelstücken. Dabei sei auch klar geworden, dass es mehr Betten braucht. 30 Stück hat die Stadt daraufhin bestellt. Das Mutterhaus kümmert sich indes um notwendige andere Haushaltsutensilien.

Auch wenn die Hilfsbereitschaft der Rotenburger derzeit groß ist, bittet Matthias Richter, Vorstand des Diakonissen-Mutterhauses, darum, vorerst von Sachspenden an den Campus Abstand zu nehmen. „Noch ist alles eine Blackbox, was uns erwartet und wer kommt.“ Daher würde sich das Team an die Öffentlichkeit wenden, sobald Unterstützung benötigt würde. „Wir können das derzeit gar nicht verarbeiten.“

Auch Richter plant erst mal mit 20 Ankömmlingen. „Wir treffen Vorbereitungen, damit wir kurzfristig die ersten Flüchtlinge in den Bestandsbauten aufnehmen können“, sagt er. Darüber hinaus könnte prophylaktisch das aktuell geschlossene Haus ebenfalls reaktiviert werden. Das wurde zuletzt nicht mehr benötigt, da die Integration der Bewohner sehr erfolgreich verläuft, sodass viele ausziehen konnten, so Richter. Jetzt müsste etwas umorganisiert werden, zusammenrücken müsse aber dennoch niemand. „Da ist genug Platz.“

Prietz verurteilt Krieg - Landrat erwartet bald Flüchtlinge

Landrat Marco Prietz (CDU) hat am Dienstagnachmittag mit einem deutlichen Statement den „russischen Überfall auf die Ukraine“ kritisiert. „Es ist entsetzlich, dass der flächenmäßig größte Staat der Welt im Jahr 2022 einen Angriffskrieg als legitimes Mittel zur Durchsetzung politischer Interessen ansieht“, hieß es in einem Statement, das er auch zu Beginn der Umweltausschuss-Sitzung im Kreishaus verlas. Die Bevölkerung müsse geschützt werden, dafür begrüße er die Ziele, „die Ukraine in ihrer Selbstverteidigung zu unterstützen, gleichzeitig die humanitären Folgen des Krieges abzumildern und eine weitere Ausdehnung des Konfliktes zu vermeiden“. Auch im Landkreis werde der Krieg Folgen haben. Konkret spürten die Menschen das schon jetzt an den Zapfsäulen. Es könnten „ sowohl wirtschaftliche Folgen, aber auch politische Konsequenzen (Energieversorgung) und humanitäre Herausforderungen sein“, die auf die Menschen hier zukämen.

Natürlich sei die Lage noch sehr ungewiss, der Landkreis bereite sich aber auf ein ähnliches Szenario wie 2015 vor, um bei der Unterbringung der Flüchtlinge aus der Ukraine helfen zu können. Wer Kriegsflüchtlinge in seinem privaten Haushalt aufnehme, tue dies auf eigene Kosten. Wer Wohnraum für Flüchtlinge aus der Ukraine oder anderen Herkunftsländern zur Anmietung bereitstellen möchte, könne dies bei der jeweiligen Wohnortgemeinde anmelden. Eine Koordinierung von angebotenem Wohnraum durch den Landkreis erfolge nicht, da die Zuständigkeit für die Unterbringung beim Land beziehungsweise den Städten und Gemeinden liegt, so Prietz in seinem Statement.

Ein zusätzlicher Bedarf an ehrenamtlicher Unterstützung im Bereich der Flüchtlingshilfe bestehe derzeit noch nicht. Eine kreisweite Koordinierung von ehrenamtlicher und freiwilliger Hilfe sowie von Sachspenden sei aber in Planung. Die Stabsstelle Kreisentwicklung stimme sich hierzu derzeit mit Hilfsorganisationen, Kommunen und anderen Institutionen ab. Menschen, die sich freiwillig im Bereich der Flüchtlingshilfe im Landkreis engagieren möchten, können sich an die Koordinierungsstelle Ehrenamt wenden: ehrenamt@lk-row.de oder 04261 / 9832859. Prietz: „Ich bedanke mich bei allen Bürgern, die in dieser Situation eine große Hilfsbereitschaft und Solidarität mit den Kriegsflüchtlingen aus der Ukraine zeigen.“

Richter rechnet vor allem mit Frauen und Müttern mit ihren Kindern, die es bis nach Deutschland und damit Niedersachsen schaffen. Männer zwischen 18 und 60 Jahren dürfen die Ukraine zur Verteidigung erst mal nicht verlassen. In der Fahrradwerkstatt werden jetzt die ersten Räder fahrtauglich gemacht, damit die Flüchtlinge auch die Möglichkeit haben, in die Stadt zu fahren.

Stadteigene Wohnungen werden laut Schiemann aber nicht zum Einsatz kommen, man setze stattdessen auf den engen Austausch mit und die Nutzung des Campus’ Unterstedt. Aber auch hier haben schon viele Rotenburger ihre Unterstützung signalisiert. Einige hätten bereits Wohnraum oder ihre Fähigkeiten als Übersetzer angeboten, teilt Schiemann mit. Manch einer hat auch Verwandtschaft in Deutschland, bei der einige zunächst versuchen werden, unterzukommen. Allerdings gibt es dabei zu bedenken, dass das Risiko in dem Fall auch privat getragen wird, wie Bürgermeister Torsten Oestmann noch erwähnt.

Noch ist das alles eine Blackbox, was uns erwartet und wer kommt.

Matthias Richter, Vorstand des Mutterhauses

Das Rotenburger Tierheim habe sich darüber hinaus bereit erklärt, sich um mitgereiste Haustiere zu kümmern, die nicht in der Einrichtung bleiben können. „Wir notieren uns so etwas. Und wenn Bedarf besteht, kommen wir darauf zurück“, erklärt Schiemann. Denn wer einen Hund oder eine Katze besitzt, hat diese in der Not nicht zurückgelassen. Auf vielen Bildern sind Menschen mit ihren Haustieren unterwegs, diese dürfen aber nicht unbedingt mit in jede Flüchtlingsunterkunft, weiß Silke Wingen, Leiterin des Tierheims.

Selbst Wohnungen zu finden, gestaltet sich mit Tieren immer schwieriger, ist ihre Erfahrung. „Aber wir lassen es jetzt auf uns zukommen. Wir haben natürlich auch unser normales Geschäft. Aber was wir können, machen wir, auch, wenn wir nur ein kleines Tierheim sind.“ Das ist aber sehr gut vernetzt. Sind die Kapazitäten vor Ort ausgereizt, können sicherlich Tiere privat zur Pflege untergebracht werden, sagt Wingen. „Wir werden immer eine Lösung finden.“

Viele Gedanken macht sich die Leiterin auch darüber, was mit den Tieren passiert, die in ukrainischen Tierheimen untergebracht sind. Werden sie versorgt? Ist da noch jemand oder sind die Betreiber auf der Flucht? Denn niemand weiß, wie lange die Situation andauert, ob Wochen oder sogar Monate.

Ein Kommentar von Ann-Christin Beims

Eine große Anteilnahme

Es war ein richtiges Ohnmachtsgefühl in den vergangenen Tagen. Krieg in der Ukraine. So nah, wie meine Generation es noch nie erlebt hat. Keine drei Flugstunden von hier geschieht sinnloses Blutvergießen. Ein Angriffskrieg auf europäischem Boden. Ich hatte gehofft, dass sich Geschichten aus der Generation meiner Großeltern nie wieder wiederholen würden. Und es ist ein Krieg, den wir vor allem durch soziale Medien heute hautnah mitbekommen. Es sind Bilder, die uns erschrecken und verstören. Und dann setzt das ein, was mich zutiefst berührt. Im Angesicht des Krieges stehen nicht nur die Ukrainer auf, um ihr Land gegen die Invasoren zu verteidigen – was allein schon viel Respekt abnötigt. Nein, weltweit stehen gerade Menschen auf, demonstrieren für den Frieden, für Hoffnung. Auch in Russland selbst, wo sie dafür eingesperrt werden. Eine große Anteilnahme, ein großes Hilfsbedürfnis, setzen überall ein. Als ich am Morgen in der Drogerie stehe, und um Kartons bitte für Hygieneartikel, sind die Verkäuferinnen sofort am Start, unterstützen uns sehr. Denn ich bin nicht die Einzige. Am Babynahrungsregal treffe ich eine Frau, den Wagen randvoll mit Babyartikeln und Spielzeug. Wir lächeln uns an. Es tut so gut, nach Tagen der Ohnmacht etwas tun zu können. Und wenn es nur wenige Hilfsgüter packen für einen Transport ist.

elona ist da. Ihre lokalen Nachrichten.

Joker und Undav retten Deutschland – DFB-Noten gegen die Elfenbeinküste

Joker und Undav retten Deutschland – DFB-Noten gegen die Elfenbeinküste

Hurricane 2026: Die Bilder vom Festival-Samstag

Hurricane 2026: Die Bilder vom Festival-Samstag

Bildergalerie: Das ist der Samstag auf dem Hurricane

Bildergalerie: Das ist der Samstag auf dem Hurricane

Binge-Alarm aus Kanada: Serien, die man in Deutschland sofort streamen kann

Binge-Alarm aus Kanada: Serien, die man in Deutschland sofort streamen kann

Kommentare