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„Wahnsinns-Gewinne“ oder nicht? Wer vom Hurricane profitiert
„Wahnsinns-Gewinne“ durch das Hurricane Festival für die Gemeinde Scheeßel? Für die Landwirte? Was ist dran an den Profit-Klischees?
Scheeßel – Wie viele Einwohner des Beeke-Ortes haben es auswärts nicht schon erlebt: „Du kommst aus Scheeßel? Da ist doch das Hurricane!“ Unbestritten: Das zu den bundesweit größten Festivals zählende Musikspektakel hat den kleinen Ort zwischen Hamburg und Bremen zumindest bei Musikfans auf der Landkarte verankert – ein Imagegewinn, der durch Geld kaum aufzuwiegen sei, wie der allgemeine Vertreter der Bürgermeisterin, Stephan Behrens, erklärt. Wie sieht es aber mit dem finanziellen Gewinn aus?
Auch in dieser Hinsicht bekommen Scheeßeler oft Klischees zu hören: Oft wird über die „Wahnsinns-Gewinne“ für die Gemeinde spekuliert. Dort halten sich die Einnahmen durch das Hurricane Festival allerdings in Grenzen. Denn auf einen gerade einmal niedrigen vierstelligen Betrag beläuft sich der Gebührenbescheid für eine zirka 20-seitige Sicherheitsanordnung an den Veranstalter. Rechnet man dies gegen die Stunden für die Erstellung durch die Verwaltung zuzüglich der Zeit, die mehrere Rathausmitarbeiter als Verantwortliche für die Sicherheit an den vier Festivaltagen zuzüglich An- und Abreise auf dem Gelände verbringen, so würde man wohl kaum auch nur auf eine schwarze Null kommen. Nichtsdestotrotz ist Behrens keinesfalls unzufrieden: „Der Imagegewinn für den Ort ist beträchtlich, das kann man nicht hoch genug bewerten.“
Fast ebenso hartnäckig hält sich das Gerücht einer prozentualen Beteiligung des MSC Eichenring, die das gleichnamige Gelände für ihre Sandbahnrennen von einem Privatmann gepachtet hat. Von dem „einen Euro pro verkauftem Ticket“ hört auch Dietmar Hornig immer wieder. „Schön wär’s“, schmunzelt der Pressesprecher des Motorsportclubs. Fakt sei: Der MSC bekommt vom Hurricane-Veranstalter einen jährlichen Fixbetrag. Dafür verpflichten sich die ehrenamtlichen Mitglieder, das Gelände gemäß einem vertraglich festgelegten Zustand instand zu halten. Auch, wenn der Verein damit nicht reich wird, ist Hornig zufrieden: „Diese Summe gibt uns Planungssicherheit zur Durchführung unserer Rennen.“ Die finanzielle Rücklage ist bitter nötig – die Hoch-Zeiten von 30.000 Zuschauern und entsprechenden Einnahmen durch Ticketverkäufe sind längst vorbei. Dazu kommen die hohen Anforderungen des Verbandes für die Austragung eines WM-Finales im Langbahnrennen – da ist man dankbar für das finanzielle Polster.
Hurricane und die Landwirte: „Mit Roggen besser gefahren“
Verdienen tun natürlich auch die rund 20 Landwirte, die ihre umliegenden Flächen für Camping und als Parkplätze an den Veranstalter FKP Scorpio vermieten. Welche Summen fließen, gehört wohl zu den bestgehüteten Geheimnissen zwischen Scheeßel und Westervesede. Das große Geld sei hier aber nicht zu machen, schränkt Landwirt Wolfgang Bassen ein. In normalen Jahren liege der Verdienst etwas höher als bei eigener normaler Bewirtschaftung: „So ein Festival soll auch uns nicht nur Spaß machen, es darf auch finanziell ein bisschen was hängenbleiben.“ In diesem Jahr sieht das anders aus: Seit die Verträge mit dem Konzertveranstalter gezeichnet wurden, sind die Getreidepreise durch den Ukrainekrieg in die Höhe geschossen. „Dadurch, dass der Weltmarkt verrückt spielt, wären wir mit Roggen besser gefahren“, gibt Bassen zu. „Aber wir freuen uns, dass das Hurricane wieder stattfindet.“ Ein fairer Zug von FKP Scorpio: Im ersten Jahr der Pandemie sei ein Teil der Verluste der Landwirte aus Versicherungszahlungen des Veranstalters ausgeglichen worden.
Ob die Fans in Zukunft wieder verstärkt den Weg in den Kernort finden oder direkt Richtung Festivalgelände marschieren und dort bleiben, bleibt abzuwarten.
Zufrieden äußert sich auch der Vorsitzende des Scheeßeler Gewerbevereins (GVS), Karsten Lüdemann. Ihm zufolge sind etliche Gewerbetreibende, vom Blumenladen über den örtlichen Schlachter, sowie Gewerke wie Entsorgungsunternehmen, ins Hurricane-Festival eingebunden, auch die Anbieter von Ferienwohnungen und Gästezimmern – und das weit über das Wochenende hinaus. Seine eigenen fünf Ferienwohnungen sind ab drei Wochen vorher regelmäßig durch Aufbauhelfer belegt. „Das sind angenehme und coole Gäste“, weiß der Immobilienmakler.
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Im Ort dagegen sah es für die Einzelhändler in den vergangenen Jahren eher mau aus; konkret seit 2012, seit der erste Supermarkt auf dem Hurricane-Gelände Einzug hielt. Seitdem verirrten sich nur selten Besucher in den Kernort, um sich mit Notwendigem einzudecken. Das könnte sich mit der aktuellen Auflage wieder ändern: Zum ersten Mal seit zehn Jahren kündigte der Veranstalter unlängst an, dass es statt des Supermarkts nur einen kleinen Markt mit Preisen „zwischen Supermarkt und Tankstelle“ gibt; auch der Bier-Vorbestellservice entfällt. Ob das wieder Besucher in den Ort bringt, darüber darf getrost spekuliert werden.
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