Unterwegs mit Fähnchen und Tonne
Viva con Agua: Auf der Jagd nach den kostbaren Bechern
Von Miriam Kern. Sie wehen überall, sind klein, aber unglaublich wichtig: Wer auf dem Hurricane Festival unterwegs ist, kommt an den weißen Fähnchen nicht vorbei. Rund 40 Ehrenamtliche von Viva con Agua sind auf dem Infield ständig auf der Jagd nach Becherpfand, rollen mit ihren Tonnen von Bühne zu Bühne oder schunkeln zwischen den Fans.
Seit mittlerweile zehn Jahren sammelt Viva con Agua auf den Festivals von FKP Scorpio Spenden für Trinkwasserprojekte auf der ganzen Welt.
Angefangen hat alles mit einer mutigen Frage. Benjamin Adrion und Michael Fritz, Mitbegründer von Viva con Agua gingen auf FKP Scorpio zu und fragten eine Zusammenarbeit an. „Und FKP Scorpio war so verrückt und machte das“, erinnert sich Anna Kuhn. Sie ist heute zuständig für das Marketing und Eventkooperationen. Das erste Hurricane war für das Team aber alles andere als einfach. „Wir waren damals noch eine kleinere Gruppe. Keiner wusste so recht, was zu tun war“. Heute sieht das ganz anders aus. Der Stand der Organisation ist perfekt dekoriert. Buttons, Aufkleber, Hoodies - alles liegt bereit. Besucher bekommen nicht nur Informationen zu den aktuellen Trinkwasserprojekten, sondern auch eine Dosis Glitzerschminke ins Gesicht. Immer wieder schieben Ehrenamtliche ihre kostbare Fracht zurück an diesen Treffpunkt. Jede Tonne ein kleines Kunstwerk für sich, dekoriert mit Farbe, Fahne und etlichen Aufklebern.
Am Samstag ist dann Zeit für das Teamfoto. Stolz präsentieren die Ehrenamtlichen den derzeitigen Zwischenstand: 1650 Becher kamen am Freitag zusammen. Das entspricht einem Gegenwert von 3.300 Euro. Zur Einordnung: „Ein Zugang zu Trinkwasser kostet 6 Euro“, erklärt Kuhn.
Die Ehrenamtlichen sollen aber nicht nur als Promoter unterwegs sein, sondern auch Spaß haben. „Deswegen nennen wir uns auch All-Profit-Organisation, weil jeder von dem Einsatz profitieren soll.“
Eine von ihnen ist Kathrin Büttner. Die 27-Jährige ist zum dritten Mal für Viva con Agua auf dem Hurricane Festival unterwegs. Das Hurricane ist das erste große Festival im Jahr, an dem die Ehrenamtlichen auf Becherjagd gehen. „Es macht einfach Spaß, hier unterwegs zu sein. Man lernt neue Leute kennen oder trifft alte Bekannte.“
Die Mitstreiter kommen aus Städten wie Bremen, Hamburg, Münster oder Düsseldorf. Wer dabei sein will, muss sich im Vorfeld bewerben. „Für das Hurricane melden sich oft mehr, als am Ende mitkommen können“, sagt Kuhn. Dann entscheidet das Los. Oder die Motivation. Wer zu den Auserwählten zählt, bekommt einen Platz im Camp, drei Tage Musik auf die Ohren und am Ende das Gefühl, etwas Gutes getan zu haben.
Im vergangenen Jahr hatte Viva con Agua in Kooperation FKP Scorpio nach eigenen Angaben die Rekordsumme von 137.000 Euro gesammelt, die für Wasserprojekte in Äthiopien genutzt werden. Der Konzertveranstalter rundete das Geld auf 140.000 Euro auf. „Mit dem Geld können 14 neue Brunnen in Äthiopien gebaut werden. Das ermöglicht 11.000 Menschen den Zugang zu sauberem Trinkwasser“, gibt Viva con Agua an.
Wie viel Geld am Ende des diesjährigen Festivals zusammenkommt, steht noch aus. Neben dem Becherpfand kommen noch Spenden der Gästelisten-Besucher dazu. Auch etliche Künstler wie Marteria oder SXTN unterstützen mit Spendenaufrufen die Initiative. Ausgezählt wird zum Schluss.
Was sich Anna Kuhn für die Zukunft wünscht? Sie zitiert das Motto der der Trinkwasserinitiative: „Alle für Wasser und Wasser für alle.“

