Rhadereistedter ist Landtagskandidat der CDU im Nordkreis
Mohrmann macht das Rennen
Selsingen - Von Rainer Klöfkorn. Deutlicher als erwartet hat am Donnerstagabend in Selsingen Marco Mohrmann das Duell um die CDU-Landtagskandidatur im Wahlkreis 54 (Bremervörde) für sich entschieden.
Mit 461 Stimmen setzte sich der 43-jährige Rhadereistedter gegen Marco Prietz durch, der 294 Stimmen erhielt. Mohrmanns Ziel: Am 18. Januar das Direktmandat zu gewinnen und damit die Nachfolge von Hans-Heinrich Ehlen (CDU) anzutreten.
Donnerstag, 19.30 Uhr: Etwa 100 CDU-Mitglieder stehen noch vor dem Eingang des Festzeltes im Selsinger Gewerbegebiet. Kurzfristig hat sich der Kreisverband für einen neuen Veranstaltungsort entschieden. Dass der Beschluss richtig ist, zeigt sich schnell: 763 Wahlberechtigte aus den Gemeinden im Nordkreis quetschen sich ins Zelt. Bei 1 003 Mitgliedern entspricht das einer Quote von fast 70 Prozent.
Trotz des Andrangs kann der CDU-Kreisvorsitzende Ehlen schon um 19.45 Uhr die Versammlung eröffnen. In der CDU dürfen alle Mitglieder aus dem Nordkreis abstimmen, sofern sie bis zum 8. Februar in die Partei eingetreten sind. Darin liegt natürlich eine Chance für die Bewerber. Wie zu hören ist, hat Mohrmann rund 200 ausgefüllte Mitgliedsanträge abgegeben, Prietz etwa 140.
Nach den Regularien meldet sich via Großbildschirm CDU-Spitzenkandidat Bernd Althusmann zu Wort, stimmt die Parteimitglieder auf den Wahlkampf ein und lobt Ehlen für seine Arbeit als Abgeordneter und Minister. „Jetzt muss der Nachwuchs ran“, klingt es von der Leinwand. Und: „Möge der Bessere gewinnen.“
Es knistert im Zelt, als es ernst wird. Fast allen Anwesenden ist klar: Wer hier heute gewinnt, wird aller Voraussicht nach – wenn er nicht goldene Löffel stiehlt – für die nächsten Jahrzehnte dem Landtag angehören. Mit Wilhelm Brunkhorst und Hans-Heinrich Ehlen haben seit 1970 nur zwei Politiker das Direktmandat innegehabt, stets mit mehr oder minder großem Vorsprung auf ihre jeweiligen SPD-Konkurrenten. Es wird ausgelost, in welcher Reihenfolge die beiden Kandidaten ihre Bewerbungsrede halten sollen. Ehlen wirft die Euro-Münze, Mohrmann geht als Erster zum Rednerpult. 20 Minuten haben beide Zeit, um Stimmen zu werben.
Mohrmann stellt sich als Familienmensch vor, geprägt durch seine dörfliche Herkunft, wirbt mit Lebenserfahrung und großem Netzwerk. Der Mitarbeiter der Firma Hansa-Landhandel kommt schnell auf das Thema Landwirtschaft zu sprechen. Der ländliche Raum und die Landwirtschaft sind für ihn untrennbar miteinander verbunden. Der 43-Jährige verspricht: Mit ihm im Landtag werde die CDU die Bauernfamilien nicht im Regen stehen lassen. Und auch als Abgeordneter werde er „nie vergessen, wo ich herkomme.“ Seine beruflichen Erfolge („Ich weiß, wie man Kunden gewinnt“) werde er auch im Wahlkampf einsetzen.
Was die Sachthemen angeht, gibt es zwischen den beiden Bewerbern kaum Unterschiede. Doch in der Rhetorik ist an diesem Abend Prietz eindeutig der Bessere, was auch am Beifall deutlich wird. Er „brenne“ für seine Heimat, ruft der 28-Jährige, und sei zutiefst überzeugt, der richtige Kandidat zu sein. Kreistags- und Landtagspolitik möchte er zusammenführen, sagt der Vorsitzende der CDU-Kreistagsfraktion und wirbt um das Vertrauen der Mitglieder: „Das ist das Wertvollste in der Politik“.
Der ländliche Raum dürfe gegenüber den städtischen Einzugsbereichen nicht zurückfallen, dafür stehe seine Partei und dafür werde er kämpfen. In Richtung der vielen Landwirte gerichtet, die erkennbar Mohrmann näher stehen (Der Landvolkverband Zeven hatte eine Wahlempfehlung für Mohrmann abgegeben), sagt er: „Ich werde Euch in Hannover den Rücken stärken.“
Danach wird gewählt, im Zelt sind mehrere Urnen aufgestellt. In der Pause ist der einhellige Tenor: Prietz habe die mit Abstand bessere Rede gehalten, doch Mohrmanns Anhänger scheinen in der Mehrheit zu sein. Während ausgezählt wird, erzählt Ehlen von seiner Zeit als Landtagsabgeordneter und Minister, bedankt sich mit Tränen in den Augen bei seiner Ehefrau Monika. Am Ende gibt es für ihn stehende Ovationen. Noch einmal steht der Kreisvorsitzende dann im Mittelpunkt, als ihm der Zettel mit dem Ergebnis gereicht wird.
In die atemlose Stille hinein verkündet Ehlen: 461 Stimmen für Mohrmann, 294 für Prietz. Der Sieger atmet tief durch, reißt wiederholt die Arme hoch, feiert sich und lässt sich feiern. Seinen Konkurrenten versucht er zu trösten: Er wisse genau, wie man sich in einer solchen Situation fühle. 2012 verlor Mohrmann die Wahl zum Bundestagsbewerber gegen Oliver Grundmann. Prietz verspricht dem Sieger Unterstützung im Wahlkampf: „Ich werde dafür arbeiten, dass die CDU erneut den Wahlkreis gewinnt.“ Über seine künftigen Ambitionen sagt er: „Wenn sich eine Tür schließt, geht woanders eine auf.“
bz