Wie sich die Stadt Visselhövede auf Extremsituationen vorbereitet
Gerüstet für den Ernstfall
Visselhövede – Außergewöhnliche Lagen gibt es viele. Nicht nur eine Pandemie gehört dazu, Mathias Haase, Visselhövedes Ordnungsamtsleiter, nennt auch Brände, Gasunfälle oder Stürme. „Die sind aber durch die Feuerwehren abgedeckt“, sagt er. In einer seiner Schubladen liegen die Pläne, mit denen die Stadt mit Krisen verschiedener Art fertig werden will. Insbesondere Stromausfälle und Cybersicherheit sind dabei in den vergangenen Jahren immer mehr in den Fokus gerückt.
Das Stromnetz ist mit der Zeit immer angreifbarer geworden. Die Versorgung sei zwar besser, durch die Steuertechnik aber anfälliger, so Bürgermeister Ralf Goebel. Man sei immer abhängig davon, dass die Technik funktioniert. Doch was passiert, wenn sie es einmal nicht tut? „Wir sind vorbereitet auf einen längeren Stromausfall“, sagt Haase.
Betroffene Visselhöveder könnten zum Beispiel in der großen Turnhalle Auf der Loge Unterschlupf finden, wenn es in ihren Wohnungen nicht mehr sicher ist. Ein Gebäude, das sich dazu eignet, eine gewisse Anzahl Menschen unterzubringen und dort auch Essen auszugeben. Die Heizung funktioniert im Zweifel durch einen externen Brenner.
Die Turnhalle kann ebenso wie das Rathaus bei Bedarf durch ein Notstromaggregat mit elektrischer Energie versorgt werden. Dazu habe man die baulichen Voraussetzungen geschaffen, erklärt Goebel. Seiner Aussage nach habe man erst in den vergangenen Jahren damit begonnen, sich verstärkt auf solche Ernstfälle vorzubereiten. Laut Haase hatten Bundesbehörden vor etwa drei Jahren die Kommunen davor gewarnt, dass die Stromnetze angreifbarer geworden seien.
Ein weiterer sensibler Bereich ist die EDV. Jede Menge Daten – steuerrelevante oder die von Einwohnern – verarbeitet das Rathaus mittlerweile. „Wenn die weg sind, ist das eine Katastrophe“, sagt Bürgermeister Goebel. Ihr Verlust beispielsweise durch Hackerangriffe muss verhindert werden. Aufgeschreckt habe ein Angriff auf die Computersysteme der Stadtverwaltung von Neustadt am Rübenberge. Die Stadt ging damals offline, die digitalen Verbindungen hat man vorsichtshalber kappen müssen. Verhindern kann man solche Angriffe freilich nicht, aber in Visselhövede ist man deshalb seit dem vergangenen Jahr dabei, eine andere Form der Datensicherheit anzuwenden. Es gibt eine unabhängige Bandsicherung, die einmal pro Woche für die Datensicherung genutzt wird. Sollte hier der Ernstfall eintreten, müsse man nur noch wenige Tage nacharbeiten, jedoch nicht mehr alles neu eingeben. Das Prinzip, diese Magnetbänder zu nutzen, sei eigentlich ein recht altes. Es werde nun mit modernen Methoden angewandt und sei im Vergleich zur cloudbasierten Datenspeicherung kaum anfällig.
„Es gibt für derartige Situationen und Sonderlagen kein Drehbuch, aber wir haben was in der Schublade“, so Haase. Jede Gefahrenlage sei verschieden, ist unterschiedlich ausgeprägt. Die Stadt hat einen Krisenstab, der in solchen Situationen zusammenkommt, um über die nächsten Schritte zu beraten – wie übrigens auch in der Corona-Zeit. Grundsätzlich gilt aber: Je überregionaler die Lage, desto weniger verfügt die Stadt selbst. Dann geht es eher um die Umsetzung der Vorgaben und Verfügungen vom Landkreis oder des Landes, um die Ordnung und die Sicherheit der Bürger zu gewehrleisten. Auch das ist aktuell erkennbar.
Insbesondere die Unwetterlagen sind in den vergangenen Jahren mehr geworden, ist Haase aufgefallen. Feuerwehren und auch der Bauhof richteten, etwa wie jüngst beim Sturm „Sabine“, Bereitschaften ein. Immerhin: „Wir haben hier auf dem Land den Vorteil, dass man die Leute kennt und weiß, wer zum Beispiel einen Radlader besitzt, wenn man einen braucht“, so der Ordnungsamtschef und Goebels allgemeiner Stellvertreter.