Der Schweiß läuft woanders
Visselhöveder Hallenbad-Sauna bleibt dicht
Die Sauna im Visselhöveder Hallenbad bleibt die nächsten Monate geschlossen. Zu hohe Energiekosten und eine marode Infrastruktur zwingen dazu.
Visselhövede – Saunagänger aus Visselhövede und umzu müssen sich wohl endgültig nach einer neuen Möglichkeit umgucken, wo sie bei knackigen 86 Grad kräftig schwitzen können. Denn der Bauausschuss hat sich mit breiter Mehrheit dazu entschieden, den Gebäudeteil im Hallenbadkomplex vorerst nicht wieder zu öffnen. Der ist bereits seit Beginn der Corona-Pandemie wegen der geltenden Vorsichtsmaßnahmen geschlossen worden.
Hintergrund ist nicht nur die marode Infrastruktur des Saunabereichs, sondern natürlich auch die nahezu explodierenden Kosten für Strom, mit denen die beiden Öfen die Kabinen auf Temperatur bringen. „Da kommen schnell mal 100 Kilowattstunden am Tag zusammen“, rechnete Mareike Flottmann von der Stadtverwaltung dem Ausschuss vor.
Aber die Stromkosten sind die eine Seite der Medaille, der Zustand der Sauna die andere. Die Fliesen in den Duschen sind kaputt, ebenso die Türzargen und die Sanitärbereiche, die Dachterrasse ist undicht und die Fußbecken haben auch schon bessere Zeiten gesehen. Kurz: Die Stadt müsste tief in die Tasche greifen, um die Sauna zu sanieren. Die Rede war von rund 85 000 Euro. Geld, das die Verwaltung kaum zur Verfügung hat und Geld, das die Politik vorerst auch nicht ausgeben will – schon gar nicht angesichts der Energiekrise, bei der die Straßenbeleuchtungen bald früher aus- und Weihnachtslampen vielleicht gar nicht erst angeschaltet werden.
„Wir sind dafür, die Sauna dauerhaft zu schließen“, forderte Michael Meyer (CDU). „Auch die Summe für die Sanierung sprengt selbst abseits der Energiekrise den Rahmen angesichts der geringen Besucherzahlen“, ergänzte Parteifreund Jan Husmann und auch Tobias Mundt findet, dass „eine öffentlich betriebene Sauna aktuell nicht in die Zeit passt und zu teuer ist“.
Kommentar
Klimarettung: Nachmittags bleibt keine Zeit
Die Sommerferien sind vorbei, es geht mit großen Schritten auf den Herbst zu. Und gerade in der kalten und ungemütlichen Jahreszeit zieht es viele Menschen ins Warme – in die zumeist öffentlichen Saunen. Das war auch in Visselhövede so – bisher zumindest. Zwar war die Zahl der Gäste in den beiden Kabinen mehr als überschaubar. Die, die drin waren kämpfen aber nun für den Erhalt. Und dieses Ansinnen treibt bei einigen seltsame Blüten. So forderte eine Visselhövederin während einer Sitzung der politischen Gremien vehement, dass sie weiterhin für kleines Geld (acht Euro) schwitzen wolle. Und sie kritisierte außerdem, dass die veröffentlichen Besucherzahlen nicht stimmen würden, es seien doch „mindestens zwei mehr“. Dieselbe Frau geht aber regelmäßig Freitagsmittag als Karotte oder auch mal als Weltkugel verkleidet mit der Gruppe „Vissel for Future“ auf die Straße, um gegen den Klimawandel zu demonstrieren – um sich anschließend aufs Holz der sonst fast leeren Sauna zu legen, während die Öfen neben ihr auf Hochtouren Strom verbrauchen, der sicher nicht nur von Windrädern stammt. Frei nach dem Motto: „Ich will das Klima retten, aber nachmittags nicht, dann geh‘ ich in die Sauna.“
Passt das? Ich glaube nicht, aber Inkonsequenz ist leider ein weitverbreiteter Charakterzug vieler Menschen.
Von Jens Wieters
Dass vielleicht im kommenden Jahr bei den Entscheidern ein Umdenken einsetzen könnte, haben die Saunagänger der Stadt den SPD-Mitgliedern im Ausschuss zu verdanken. Denn für Marc Puschmann ist klar, dass mit „einer dauerhaften Schließung ein Stück Attraktivität in der Stadt verloren geht“. Gerade sei man im Begriff, den Wohnmobilstellplatz am Hallenbad neu zu gestalten, das brauche man dann auch nicht mehr forcieren, „weil für viele Wohnmobilfahrer eine öffentliche Sauna der Grund ist, diesen Stellplatz anzusteuern.“
Bürgermeister André Lüdemann möchte den Saunabereich angesichts der aktuellen Lage „baulich nicht anfassen“, weil man selbst beim Hallenbad, das durch Fernwärme geheizt werde, noch nicht wisse, wie sich die Situation entwickele. Hartmut Wallin (Grüne) hofft auf einen „Zuschuss aus irgendeinem Topf“, seine Parteifreundin Monell Hegemann kritisierte, dass man „die Sauna in all den Jahren nicht immer wieder mal saniert“ habe und Henning Cordes (FDP) könnte sich vorstellen, „dass es ein Saunaangebot in anderer Trägerschaft auf der Wiese hinter dem Hallenbad“ geben könne.
Am Ende der Debatte votierte der Ausschuss mit fünf gegen zwei Stimmen, dass die Sauna zunächst dicht bleibt, aber eventuell Sanierungsmittel in den Haushalt 2023 eingestellt werden könnten, aber man sich auch Alternativen anschauen werde. Klar Position bezieht indes die WiV, die im Bauausschuss nicht stimmberechtigt ist: „Wir wollen und müssen überall Energie sparen, darum können wir uns eine Sauna für nur eine Handvoll Leute nicht mehr leisten“, so WiV-Chef Eckhard Langanke.
Der Wassersport-Förderverein will aber die Hoffnung nicht aufgeben und ruft alle Saunagänger auf, „uns Vorschläge, Ideen und Wünsche zur Renovierung der Sauna“ zu schicken, wie Rita Gerke mitteilt. „Gerne auch Fotos aus anderen Saunen.“