Noch Hoffnung
Ersatz für „StrandHouse“ kommt nicht - Landschof gibt Projekt auf
Das Neubau-Projekt am Rotenburger Weichelsee hat Philipp Landschof abgesagt – anderthalb Jahre, nachdem er es zusammen mit PGN-Chef Norbert Behrens und Bürgermeister Andreas Weber (SPD) der Öffentlichkeit vorgestellt hatte. Rotenburg wartet also weiter auf Ersatz für das in die Jahre gekommene „StrandHouse“. Aber es gibt Hoffnung.
Rotenburg – Es fällt ihm nicht leicht, sagt Philipp Landschof in einem Gespräch mit der Rotenburger Kreiszeitung. Er betreibt in Kirchwalsede „Landschof’s – Feiern & Feste/ Catering & Events GmbH“. In den vergangenen Jahren habe sich das Unternehmen gut entwickelt. So gut, dass er ein Auge auf den Weichelsee in Rotenburg geworfen hat. Dort sollte ein Neubau das alte „StrandHouse“ ersetzen. Anfang vergangenen Jahres hat er den Plan zusammen mit dem Rotenburger Architekten Norbert Behrens (PGN) und Bürgermeister Andreas Weber (SPD) vorgestellt. Jetzt, anderthalb Jahre später sagt er das Projekt ab. „Corona hat uns eingeholt“, sagt Landschof.
Vorgesehen war ein gastronomischer Betrieb mit umfangreichem Konzept. Von einem Neubau war die Rede, der sich sehr naturnah zeigt und sich daher ausgezeichnet in die Umgebung einfüge. 3,5 Millionen Euro sollten in das Vorhaben fließen und mindestens 20 feste Arbeitsplätze entstehen. Das deutete das Ausmaß dieses Vorhabens an, für das schon bald eine Projektgesellschaft Weichelsee gegründet werden sollte. Die Stadt wollte dieser Projektgesellschaft ein Erbbaurecht auf dem Gelände erteilen. „Für mich besteht dieses Projekt aus drei Teilen“, sagte Philipp Landschof damals. Da sei einerseits die Tagesgastronomie, und da sei die hochwertige Eventlocation mit einem bis zu 400 Personen fassenden Saal unter dem gleichen Dach, und andererseits komme eben die Möglichkeit hinzu, am Weichelsee auch zu übernachten. Geplant waren modern ausgestattete Module auf dem Grundstück des ehemaligen „Waldschlösschens“ auf der anderen Straßenseite.
Doch aus diesem Plan wird nichts. „Wir haben die Planung für Bau, Nutzung und Finanzierung auf Grundlagen unserer Zahlen der vergangenen Jahre aufgestellt“, sagt Landschof jetzt, „aber die können wir nicht mehr ansetzen, und wir wissen auch nicht, wann das der Fall ist.“ Die vom Corona-Virus ausgelöste Krise hat die Gastronomie schließlich mit voller Breitseite erwischt. Auch Landschof. Hochzeiten, Firmen-Jubiläen, Messen und andere Großveranstaltungen sind reihenweise abgesagt worden – damit brach der Umsatz ein. Jetzt gehe es ums Überleben des Unternehmens. Und weil mit dem Projekt am Weichelsee eine millionenschwere Investition verbunden wäre, vergleicht Landschof die Situation mit einem „Pokerspiel“. Das Risiko aber ist ihm zu groß.
In seinem Betrieb in Kirchwalsede, wo er einen 120 Personen fassenden Saal betreibt, gehe es nicht nur um ihn, sondern um bis zu sieben fest angestellte Mitarbeiter und je nach Größe der Veranstaltungen außerhalb um zahlreiche Hilfskräfte. „Damit ist also eine entsprechende Verantwortung verbunden“, unterstreicht der Gastronom. Die Entscheidung, das Weichelsee-Vorhaben abzusagen, sei ihm alles andere als leicht gefallen. Mit der Familie, mit den Geschäftspartnern und mit Freunden habe er alle Fragen dazu besprochen. „Das Herz sagt, mach es, aber der Kopf rät mir dazu, das zu erhalten, was ich habe.“ Der Kopf hat gewonnen, „obwohl ich richtig Bock darauf hatte.“ Philipp Landschof will heute nicht ausschließen, dass er später noch einmal das Projekt in Angriff nimmt. „Vielleicht irgendwann.“ Doch zurzeit sieht er für sich keine Chance, es anzugehen. Der gebürtige Plöner macht deutlich, dass er bei der Stadt nicht darum gebeten habe, das Grundstück für ihn eine Zeit lang freizuhalten. Landschof: „Ich will nämlich nicht die Entwicklung der Flächen verhindern.“ Sollte also demnächst ein anderer Investor auftauchen, der das Gelände in Angriff nimmt, dann sei es eben so. „Für mich ist es der falsche Zeitpunkt, daher bin ich jetzt auch etwas erleichtert.“
Lange habe der 42-Jährige auf das Vorhaben hingearbeitet, viele andere Menschen waren involviert. „Daher ist es natürlich schade.“ Denn von der Idee an sich sei er nach wie vor überzeugt. Das gelte auch für den Bedarf, den er dort sieht. Jetzt aber gelte die ganze Konzentration seinem Betrieb. Der Caterer freut sich über Stammkunden, die für den ein oder anderen Auftrag sorgen, und auch über die Brautpaare, die ihre Feiern bei ihm auf jeden Fall nachholen wollen.
2009 war Landschof bei Wesling in Kirchwalsede ins Catering-Geschäft mit eingestiegen, sechs Jahre später hat es komplett übernommen. Seitdem läuft es unter seinen Namen.
Ende 2018 – kurz nachdem Ulli Schorpp das „StrandHouse“ nach vielen Jahren geschlossen hatte – hat die Stadt einen Investoren-Wettbewerb für das Gelände am Weichelsee ausgeschrieben. Und zwar unter der Voraussetzung, dass der freie Zugang zum See für Besucher auch weiterhin gewährleistet bleibt. Neben Landschof gab es einen weiteren Interessenten. Der will namentlich nicht genannt werden, bringt allerdings auf Anfrage zum Ausdruck, immer noch über den Standort nachzudenken. Mehr könne er zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht sagen.
Bürgermeister Andreas Weber (SPD) berichtet der Kreiszeitung gegenüber auch schon von ersten Gesprächen. „Und wir führen weitere Gespräche in der Hoffnung, dass dieser seine Idee realisiert. Auch die Idee des zweiten Bewerbers war sehr gut“, so Weber. Zugleich bringt der Bürgermeister sein Bedauern zum Ausdruck, dass der Landschof-Plan nicht fortgesetzt werden kann. „Aber für seine Situation und die Entscheidung habe ich Verständnis.“ Bedauerlich daran sei aber, dass ein Dreivierteljahr verloren gegangen ist. Umso glücklicher ist Weber, dass zumindest für die jetzige Sommerzeit mit dem wiederbelebten Imbiss im „StrandHouse“ sowie dem geplanten Beach Club eine Zwischenlösung gefunden wurde. Sollten die Gespräche mit dem zweiten Bewerber von 2018 jetzt erfolgreich verlaufen, weist Weber darauf hin, dass kein neuer Ratsbeschluss erforderlich wäre und baurechtliche Bedingungen angepasst werden könnten.