Klumpen am Strand
„Eine Sauerei“ am Strand von St. Peter-Ording: „Entsetzlich viel Paraffin angespült“ – Urlauber besorgt
Urlauber sind besorgt: Kürzlich wurden am Strand von St. Peter-Ording unzählige Klumpen Paraffin angespült. Jetzt wollen sie etwas unternehmen.
St. Peter-Ording – „Heute Früh war entsetzlich viel Paraffin angespült worden“, schreibt eine Urlauberin am vergangenen Mittwoch in eine St. Peter-Ording Facebook-Gruppe. Sie liebe die Nordsee. Deshalb habe sie folgenden Vorschlag: „Was haltet ihr davon, eine Hundetüte zu nehmen und bei einem Spaziergang an der Wasserkante die Klumpen einzusammeln?“ Zwar sei das Paraffin per se nicht schädlich, Möwen könnten es allerdings fressen und dann mit vollem Magen verhungern. Ihre Sorge teilen auch andere Urlauber.
Die Nordsee geriet in den vergangenen Wochen wegen eigenartiger Funde immer wieder in den Fokus. Erst kürzlich fanden Spaziergänger am Strand von St. Peter-Ording einen anderen eigenartigen Klumpen, wie 24hamburg.de berichtete.
„Entsetzlich viel Paraffin angespült“ – Urlauber in St. Peter-Ording wollen Sammelaktion starten
„Eine Sauerei ist das“, schreibt ein Mann als Kommentar unter dem Beitrag. Er könne sich nicht vorstellen, dass das erlaubt ist und möchte dahingehend jetzt recherchieren. „Bitte nicht mit bloßen Händen anfassen“, warnt ein Urlauberin alle, die Paraffin sammeln wollen. Darin enthalten seien Stoffe, „die willste nicht“ meint sie. Damit hat die Urlauberin recht. „Paraffine können erhebliche Mengen verschiedenster giftiger Bestandteile enthalten“, heißt es auf der Website der Schutzstation Wattenmeer.
Es handele sich um ein „langsam abbaubares Erdölprodukt“, das bei der Reinigung von Schiffen immer wieder ins Meer gespült wird. Zu unterscheiden seien laut Umweltministerium bei derartigen Funden zwischen einer Verklappung und zwischen Rückständen aus Tankwaschungen von Seeschiffen. „Letztere sind noch immer nicht gänzlich verboten.“ Angespültes Paraffin kann Giftstoffe enthalten und muss von Stränden entfernt werden, wenn es dort in größeren Mengen angespült wird, so die Schutzstation Wattenmeer.
Gelbes oder braunes Paraffin: So erkennen Sie es am Strand – auch in St. Peter-Ording
- Weiße Paraffine sind „gereinigter Rohstoff“
- Sie entsprechen etwa der Konsistenz von Kerzenwachs und stammen aus der Reinigung von Transporttanks von Chemiefrachtern, die Paraffin befördert haben
- Restmengen von den Tankwänden werden teils abgeschlagen, teils mit Heißwasser und mutmaßlich Reinigungszusätzen von den Tankwänden entfernt, um die Tanks für andere Ladungen zu reinigen
- Gelblich-braune Paraffine stammen „mutmaßlich aus den Rohrleitungssystemen von Schiffen“
- Sie bilden sich als Niederschlag aus transportiertem Rohöl oder aus Schweröl-Treibstoff.
Dass große Mengen Paraffin an norddeutschen Stränden angespült wird, kommt immer wieder vor. Im Jahr 2021 erwischte es zum Beispiel die Insel Wangerooge, wie im Video zu sehen ist. Möwen und Fische betrachten die weißen oder braunen Klumpen zum Teil als Nahrung, berichtet die Schutzstation Wattenmeer. Gesundheitsschäden seien bisher nicht nachgewiesen. Daniela Herrmann, Umweltwissenschaftlerin bei Greenpeace, bestätigt hingegen in einer Pressemitteilung: „Wenn es an den Küsten herumliegt, bröseln sich diese kleinen Stücke auf und Tiere nehmen diese dann zu sich.“
Dabei entstehe, wie von der Urlauberin befürchtet, ein Sättigungsgefühl im Magen. Das könne für Tiere gefährlich werden, ähnlich wie bei Plastikmüll. Ein Problem allerdings schon: „In der Sommersonne schmelzen Paraffinbrocken und fließen dann in die Vegetation und die Pflanzendecke.“ Wie lange es dauert, bis ein Paraffin-Klumpen biologisch abgebaut ist, sei nicht untersucht. Die Schutzstation Wattenmeer geht allerdings davon aus, dass es Jahre dauern könnte.
Sammeln oder liegen lassen? Das sollten Sie tun, wenn Sie Paraffin am Strand von St. Peter-Ording finden
Nun wird unter dem Beitrag rege diskutiert, ob das Paraffin am Strand eingesammelt werden soll. Einige schreiben unter dem Post, dass sie bereits Brocken eingesammelt und entsorgt haben. Hier ist allerdings äußerste Vorsicht geboten. Das Umweltministerium Schleswig-Holstein sagt in einem Flyer ausdrücklich: „Bitte nicht anfassen oder aufheben. Bitte nicht dran schnuppern. Bitte nicht einsammeln und mit nach Hause nehmen.“ Kontakt mit Haut, Augen und Atemwegen müsse unbedingt vermieden werden. „Bestimmte Paraffinwachse gelten sogar als Krebs erregend.“ Stattdessen sollen die Funde gemeldet werden.
„Falls auffällig viele paraffinähnliche Stücke am Strand liegen, informieren Sie werktags die Gefahrenabwehr des LKN.SH.“ Die Telefonnummer lautet 04841/898411. Am Wochenende sei die hiesige Polizei unter 110 zuständig.
Rubriklistenbild: © Polizeiinspektion Leer/Emden

